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Wissenschaft

Illegaler Fossilien-Handel

Meisterschmuggler in Florida verhaftet

Für eine Million Dollar ersteigerte ein Unbekannter ein Tarbosaurus-Skelett - in einer skandalösen New Yorker Auktion. Der T-Rex-Verwandte war illegal aus der Mongolei eingeschmuggelt worden. Jetzt wurde in Florida der vermutliche Täter geschnappt - mit Hilfe von Paläontologen.

Heritage Auctions
Donnerstag, 18.10.2012   15:12 Uhr

New York - Dramatischer hätte der Verlauf kaum sein können: Im Mai kam in einer privaten Auktion ein als Tyrannosaurus bataar angepriesener Tarbosaurus für 1.052.500 Dollar unter den Hammer. Das Skelett gilt mit seinen 75 Prozent Original-Knochenanteil als eines der weltweit besterhaltenen dieser Art - doch es wurde illegal aus der Mongolei herausgeschmuggelt.

In letzter Minute versuchte der mongolische Präsident Tsakhiagiin Elbegdorj noch, die Auktion zu verhindern. Sein Appell verhallte ebenso ungehört wie eine richterliche Verfügung aus dem US-Bundesstaat Texas. Der Hammer fiel, und der nach seiner Spezies-Bezeichnung "bataar" genannte Raubsaurier hatte einen neuen, privaten Besitzer - allerdings unter Vorbehalt, bis zur gerichtlichen Klärung der mongolischen Ansprüche.

In Florida ist nun der Mann, der hinter dem Schmuggel stecken soll, verhaftet worden. Er wird am Donnerstagnachmittag vor Gericht erwartet. Eric Prokopi soll einen äußerst lukrativen Schwarzhandel mit prähistorischen Knochen betrieben haben und immer wieder wertvolle Funde aus der Mongolei und China in die USA geschmuggelt haben.

Ermittler eröffneten Akte "Lenny"

"Der Tarbosaurus war nur die Spitze des Eisbergs", erklärte die amerikanische Staatsanwältin Preet Bharara am Donnerstag vor dem Gericht in Manhattan. Man werde sämtliche Geschäfte Prokopis durchleuchten und dafür sorgen, dass die wertvollen Fossilien wieder in ihre Ursprungsländer gebracht werden. In ihren Ermittlungen zur Herkunft des Skeletts, das sie liebevoll "Lenny" nannten - hatten die Anwälte mit Kriminalbeamten und Paläontologen zusammengearbeitet - über Werbeflyer und Rechnungen war man Prokopi auf die Spur gekommen.

Der Fall bringt den privaten Fossilienhandel wieder einmal ins Gerede. Besonders für große, spektakuläre Funde werden längst Preise erzielt wie auf dem Kunstmarkt. Für viele Sammler spielen die Funde eine ähnliche Rolle wie Gemälde alter oder neuer Meister, irgendwo zwischen Prestigeobjekt und Investment. Schädel und Skelette werden längst nicht mehr nur auf Sammlerbörsen gehandelt, sondern auch bei Edel-Auktionshäusern wie Sotheby's.

Kein Wunder also, dass die wachsende Nachfrage Heerscharen von Betrügern auf den Plan ruft. Es gibt noch nicht einmal Schätzungen darüber, was weltweit an Fossilien illegal gehandelt wird - oder wie viele versteinerte Knochen in Wahrheit menschliche Handarbeit sind. Dass der jetzt versteigerte Tarbosaurus bataar aus der Mongolei stammt, darf beispielsweise als gesichert gelten, auch wenn das Auktionshaus beteuert, man wisse nicht, woher er stamme.

Prokopi gibt sich ahnungslos

Der vermeintliche Fossilien-Händler Prokopi gibt sich ähnlich ahnungslos. Er habe das Skelett nur genommen, um der langen Handelskette auf dem Schwarzmarkt ein Ende zu setzen. "Ich bin ein ganz normaler Mann aus Gainsville in Florida, der mit seiner Arbeit die Familie ernähren will." Er habe etwas falsch interpretiert, als er die Knochen des Skeletts auf den Tisch bekommen hat.

Wie Prokopi den Richtern erklären will, dass in seinem Geschäft weitere illegale Fossilien sichergestellt wurden - darunter ein Saurolophus, ein Gallimimus, ein Oviraptor und die Rest eines Microraptors, alle aus der Mongolei - ist bislang nicht bekannt.

nik

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Fossilienhandel: Fünf Fragen an Stephan Schaal

Wie finden Sie das, wenn ein wichtiges Fossil in einer privaten Sammlung landet?
Stephan Schaal: Es kommen gemischte Gefühle auf - und letztendlich die Hoffnung, dass der neue Besitzer den Fund der Wissenschaft und der Öffentlichkeit zugänglich macht und sich rechtzeitig Gedanken über den Verbleib des Stückes nach seinem Tod macht. So haben vielleicht noch unsere Kinder etwas davon.
Aber zunächst würde ich gerne wissen: Wer hat gesagt, dass dieses Fossil für die Forschung sehr wichtig ist, vielleicht war es nur teuer? Erst wenn sich die Behauptung über den hohen wissenschaftlichen Wert bestätigt, muss hinterfragt werden, ob die Museen weltweit geschlafen haben, ob es ein Finanzierungsproblem war oder ob das Fossil illegal gehandelt wurde und deshalb nicht angekauft wurde. Im letzten Jahrzehnt haben sich weltweit viele Museen einem 'Code of Ethics' verschrieben, der den Erwerb von Naturschätzen unter bestimmten Voraussetzungen verbietet.
Und wenn das Fossil aus einem Land mit Exportverbot kam? Muss man dann nicht auch den Handel damit verbieten?
Stephan Schaal: Ein pauschales Verbot funktioniert hier nicht, weil dies auch von den Vorbesitzern der Fossilien abhängig ist. Viele Länder haben sich erst vor wenigen Jahren über Ausfuhrbestimmungen Gedanken gemacht und dabei z.T. rückwirkend erklärt, dass die Ausfuhr illegal war. Das macht die Sache schwierig, weil oft nicht gesagt werden kann, wann die Funde getätigt und exportiert wurden. Wenn sich also die Händler hier nicht stärker engagieren, dann bleibt nur die Hoffnung, dass es der Privatsammler oder der Gesetzgeber tut.
Sind Hobby-Sammler und private Händler auch in Deutschland ein Problem?
Stephan Schaal: Sie sind bei uns auch ein Thema. Es gibt aber sehr gut informierte, interessierte und ernst zu nehmende Sammler und Händler, die seriös mit den wissenschaftlichen Institutionen zusammen arbeiten.
Private Händler und Sammler behaupten, dass auch sie zur Wissenschaft beitragen. Stimmt das?
Stephan Schaal: Tatsächlich haben private Sammler mehr Zeit für die Fossilsuche in ihrer Freizeit, und die hohen Fundhäufigkeiten sprechen an sich schon dafür, dass die Weitergabe z.B. an Museen ein akzeptabler Weg ist. Allerdings passiert es regelmäßig, dass im Gelände keine genauen Befunddaten aufgenommen werden und somit ein wissenschaftlicher Schaden entsteht, oder der Fund sogar gänzlich an Aussage verliert. Auf der anderen Seite würde er möglicherweise nie entdeckt werden. Um den Nutzeffekt zu verbessern, muss ein Kontakt zwischen den Wissenschaftlern und den privaten Sammlern gepflegt werden. Das funktioniert teilweise sehr gut.
Wo sehen Sie die schädlichsten Effekte des privaten Handels mit Fossilien?
Stephan Schaal: Viele Privatsammler arbeiten gerne mit den Instituten zusammen. Ein schädlicher Effekt ist eher in der unvollständigen Bergung und der Gefahr der falschen Präparation zu sehen. In diesen Arbeitsschritten darf kein großer Zeitdruck entstehen, dem sich viele Händler und manche Sammler selbst aussetzen. Der schädliche Effekt wäre einerseits die oberflächliche Bergung, z.B. ohne die Aufnahme der notwendigen begleitenden Geländedaten. Andererseits passiert es immer wieder, dass die Funde unprofessionell geborgen, transportiert und präpariert werden. Hierbei geht oft viel Information verloren. Trotzdem sollte man die privaten legalen Aktivitäten keinesfalls einengen. Wie soll z.B. Nachwuchs für die Paläontologie gewonnen werden, wenn er nicht begeistert werden kann und keine Fossilien suchen darf?

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