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Wissenschaft

Geschichte des Apfels

Aus der Steinzeit in den Supermarkt

Äpfel sind das Lieblingsobst der Deutschen. Ein Forscher hat nun nachgezeichnet, wie die Pflanze wurde, was sie ist. Und wie Mammuts dabei geholfen haben.

Getty Images

Alte Illustration eines Apfels

Donnerstag, 30.05.2019   15:34 Uhr

Äpfel und Menschen verbindet seit jeher viel. Die Frucht wurde angeblich schon für Adam und Eva zum Objekt der Begierde - was aus dem Biss ins Fruchtfleisch folgte, ist hinlänglich bekannt. Und für "Schneewittchen" ging es vor dem Happy End erstmal übel aus, als sie in den vergifteten Apfel biss.

Dass die Geschichte von Äpfeln und Menschen dennoch eine Erfolgsstory wurde, konnten diese Episoden nicht verhindern. Die Frucht aus der Familie der Rosengewächse gehört heute zu den beliebtesten überhaupt. Mehr als eine Million Tonnen haben deutsche Obstbauern im vergangenen Jahr geerntet.

Der Archäobotaniker Robert Spengler vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena wollte wissen, wie sich der Apfel weltweit als Kulturfrucht etabliert hat und wie der Mensch sie von der wild wachsenden Pflanze zum Zuchtbaum entwickelt hat. Dafür hat er archäologische Funde ausgewertet und genetische Studien gewälzt.

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Schon vor mehr als zehntausend Jahren muss der Mensch in Europa und in westlichen Teilen von Asien wilde Äpfel gesammelt haben. Zweitausend Jahre alte antike Darstellungen aus Südeuropa zeigen rote Früchte, bei denen es sich wohl um Äpfel handelt, schreibt Spengler in der Fachzeitschrift "Frontiers in Plant Science".

Bei seiner Verbreitung müssen große urzeitliche Säugetiere geholfen haben. In der Steinzeit machten sich schon Mammuts und riesenhafte Hirsche über die Früchte her und transportierten den Samen über den Dung weiter. Aber viele dieser Tiere starben zum Ende der letzten Eiszeit aus, die Ausbreitung des Apfels geriet ins Stocken.

Doch dann kam der Mensch. Er begann die Früchte über die Seidenstraße zu transportieren - jene uralte Handelsroute, die vom Mittelmeerraum bis in den Osten Asiens reichte. Archäologen fanden Apfelkerne in vielen Stätten Eurasiens. Entlang der Seidenstraße konnten sich die Sorten miteinander vermischen und größere Früchte hervorbringen - ein sogenannter Hybrid war entstanden.

Ergebnis von Vermischung und Veredelung

Die Wurzeln des modernen Apfels stehen im Tien-Shan-Gebirge Kasachstans - von hier kommt der Großteil des genetischen Materials, haben Studien gezeigt. Der heutige Apfel enthält Spuren von mindestens vier Wildapfelarten.

Irgendwann begannen die Menschen damit, Apfelbäume zusätzlich zu veredeln. Dieser Prozess könne wahrscheinlich zum Teil gar nicht beabsichtigt gewesen, schreibt der Forscher. Beim Veredeln werden zwei Pflanzen zu einer, indem man auf einen Baum ein Stück der anderen Apfelsorte aufsteckt. Durch dieses sogenannte Umpfropfen ist es möglich, dass auf einem Baum eine andere Sorte wächst und sich die Wuchseigenschaften verändern. Die Technik soll schon in der Antike bekannt gewesen sein. Es ist gut möglich, dass sie zufällig entdeckt und weiterentwickelt wurden.

Die Domestikationsgeschichte des Apfels unterscheidet sich von anderen wichtigen Kulturpflanzen wie Getreide, betont Spengler. Einjährige Pflanzen wie Gerste oder Weizen hat der Mensch über sehr viel längere Zeiträume gezüchtet und immer wieder verändert.

Apfelbäume dagegen haben sehr viel längere Wachstumszyklen. Die heutigen Sorten sind das Ergebnis von Vermischung und Veredelung. "Der Domestizierungsprozess war nicht bei allen Pflanzen gleich. Bei Bäumen, bei denen die Generationen im Abstand vieler Jahre aufeinander folgen, wissen wir immer noch wenig darüber", so Spengler in einer Mitteilung des Max-Planck-Instituts. Sicher scheint nun aber: Ohne Mammut und Mensch hätte es der Apfel nicht in den Supermarkt geschafft.

joe

insgesamt 11 Beiträge
geri&freki 30.05.2019
1. Eine Nummer kleiner
Um Apfelkerne zu transportien, bedarf es keiner Mammuts und Riesenhirsche. Zumal die Blütezeiten zumindest der Mammuts vor allem die Glazialzeiten waren. Und das waren nicht unbedingt gute Zeiten für das Gedeihen von [...]
Um Apfelkerne zu transportien, bedarf es keiner Mammuts und Riesenhirsche. Zumal die Blütezeiten zumindest der Mammuts vor allem die Glazialzeiten waren. Und das waren nicht unbedingt gute Zeiten für das Gedeihen von Apfelbäumen. Vielmehr bestimmten Zwergbirken, Weiden und hier und dort vielleicht noch eine paar Krüppelkiefern das Bild der damaligen Kaltsteppenlandschaften - auch Mammutsteppen genannt. Hinzu kommt, dass zwischen dem Aussterben des Steppenmammuts in Europa und Vorderasien und der Entstehung der Seidenstraße eine nicht unerhebliche zeitliche Lücke bestand. Nein - es dürften vor allem Braunbären, Wildschweine und andere, allerdings kleinere Allesfresser gewesen sein, die zur Ausbreitung der verschiedenen Apfelarten in der Kaukasusregion und darüber hinaus beigetragen haben. Aber diese Arten kommen natürlich weitaus weniger spektakulär rüber als Mammuts und Riesenhirsche.
pjotrmorgen 30.05.2019
2. Man muss den Artikel lesen
- zumindest die wichtigsten Passagen, um die gut begründete Argumentation zu verstehen. Es gibt offenbar in diesem Forschungsgebiet genug Beispiele für eine Korrelation von Megafauna (wie Mammuts) und der Verbreitung von [...]
Zitat von geri&frekiUm Apfelkerne zu transportien, bedarf es keiner Mammuts und Riesenhirsche. Zumal die Blütezeiten zumindest der Mammuts vor allem die Glazialzeiten waren. Und das waren nicht unbedingt gute Zeiten für das Gedeihen von Apfelbäumen. Vielmehr bestimmten Zwergbirken, Weiden und hier und dort vielleicht noch eine paar Krüppelkiefern das Bild der damaligen Kaltsteppenlandschaften - auch Mammutsteppen genannt. Hinzu kommt, dass zwischen dem Aussterben des Steppenmammuts in Europa und Vorderasien und der Entstehung der Seidenstraße eine nicht unerhebliche zeitliche Lücke bestand. Nein - es dürften vor allem Braunbären, Wildschweine und andere, allerdings kleinere Allesfresser gewesen sein, die zur Ausbreitung der verschiedenen Apfelarten in der Kaukasusregion und darüber hinaus beigetragen haben. Aber diese Arten kommen natürlich weitaus weniger spektakulär rüber als Mammuts und Riesenhirsche.
- zumindest die wichtigsten Passagen, um die gut begründete Argumentation zu verstehen. Es gibt offenbar in diesem Forschungsgebiet genug Beispiele für eine Korrelation von Megafauna (wie Mammuts) und der Verbreitung von großen Früchten ("Megafrüchten"). Der Autor schreibt, dass hier unter Megafauna durchaus Tiere > 40 kg zu verstehen ist, womit ihre Einschätzung mit Wildschweinen, Bären etc. gut zusammen passt. Dagegen sind Wiederkäuer eher ungeeignet, weil die Samen in deren Verdauungssytem zerstört werden. Kleine Nagetiere sind wohl auch ungeeignet, weil die zwar die Früchte fressen, aber nicht notwendigerweise die Samen verschlucken, wie es geschieht, wenn große Tiere die ganze Frucht einfach verschlucken. Die ungewöhnliche Dometizierung des Apfels ist ein weitere Hauptthema, das aber keineswegs in einen Zusammenhang zwischen der Blütezeit der Mammuts und der Zeit der Seidenstrasse gebracht wird. Der Mensch sorgte dafür, dass viele isolierte Wildapfelpopulationen in Eurasien mit anderen Arten oder Sorten hybridisiern konnten, was auch die heutzutage enorme Zahl von Apfelsorten erklären mag. Nach meiner Recherche soll es alleine in Europa ca. 20000 geben.
Kasob 30.05.2019
3. Kein Apfel in der Bibel
Nach meiner Erkenntnis steht nichts von einem Apfel in der Bibel, sondern nur von einer Frucht.
Nach meiner Erkenntnis steht nichts von einem Apfel in der Bibel, sondern nur von einer Frucht.
herjemine 31.05.2019
4. Waaaa, machen Sie mir meine Welt nicht anders!
Das hiesse also auch, das Wilhelm Tell nicht auf einen Apfel sondern u.U. eine Zuckerrübe schoss? Weia, nichts bleibt wie es war...
Zitat von KasobNach meiner Erkenntnis steht nichts von einem Apfel in der Bibel, sondern nur von einer Frucht.
Das hiesse also auch, das Wilhelm Tell nicht auf einen Apfel sondern u.U. eine Zuckerrübe schoss? Weia, nichts bleibt wie es war...
Bala Clava 31.05.2019
5. Nach neuer Forschung
trug das Opfer Wilhelm Tells einen Hokkaidokürbis auf der Birne.
trug das Opfer Wilhelm Tells einen Hokkaidokürbis auf der Birne.

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