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Wissenschaft

Israel

Forscher wollen Philister-Stadt aus Altem Testament gefunden haben

Der Ort bot David vor König Saul Zuflucht - in Israel haben Archäologen möglicherweise eine Stadt der Philister entdeckt, die in der Bibel vorkommt. Sie sind jedoch nicht die Ersten, die einen solchen Fund melden.

Menahem Kahana/AFP
Dienstag, 09.07.2019   15:53 Uhr

Wissenschaftler haben nach eigenen Angaben in Israel Überreste einer schon im Alten Testament erwähnten Stadt des Volkes der Philister entdeckt. Bei dem Fund handele es sich wahrscheinlich um die Stadt Ziklag, in dem der spätere König David auf seiner Flucht vor König Saul untergekommen war.

Der Fundort, der heute Khirbet al-Rai heißt, befindet sich nahe Kirjat Gat im Zentrum Israels, teilten die Forscher der israelischen Altertumsbehörde, der Hebräischen Universität in Jerusalem und der Macquarie Universität in Sydney mit. Sie hatten über Jahre hinweg ungefähr 1000 Quadratmeter Fläche untersucht - und waren zufällig auf die Relikte der Philister und aus der Zeit Davids gestoßen.

In der Erde fanden sie eine Siedlung aus dem 12. bis 11. Jahrhundert vor Christus. In diesen Schichten entdeckten die Forscher beispielsweise Keramik aus der Zeit. In den jüngeren Erdschichten darüber dokumentierten die Forscher Spuren aus dem 10. Jahrhundert vor Christus - aus der Zeit, als David als König regierte.

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Altes Testament: Davids Ort der Zuflucht?

Der Grabungsort enthält damit sowohl Spuren der Philister als auch Hinterlassenschaften aus der Zeit von Davids Herrschaft und passt damit gut zur Geschichte aus dem Alten Testament. Die Forscher sind sich sicher: Hier lag einst Ziklag aus dem Alten Testament.

Im ersten Buch Samuel flieht der spätere König David vor König Saul aus Israel, weil dieser ihm nach dem Leben trachtet. David findet Zuflucht in Ziklag, das ein Philisterkönig aus dem Nachbarort Gath regiert. Saul verfolgt David nicht weiter und dieser wird nach Sauls Tod in Hebron zum König gekrönt. David schlägt Ziklag dem jüdischen Königreich zu.

Allerdings sind die Forscher nicht die ersten, die behaupten, Ziklag gefunden zu haben. Es gibt zwölf weitere, vermeintliche Fundorte, die bislang aber nicht anerkannt wurden. Auch beim aktuellen Fund äußern andere Wissenschaftler Zweifel, wie die Onlineausgabe der "The Times of Israel" berichtet. Demnach passt der Fundort nicht zur Lage von Ziklag, wie sie im Alten Testament beschrieben wird. Auch wurde der Ortsname nirgends gefunden.

Vorfahren der Philister kamen aus Europa

Die aktuelle Untersuchung ist der zweite Bericht über die Philister aus dem 12. Jahrhundert vor Christus innerhalb weniger Wochen. Erst am 3. Juli 2019 hatten Forscher im Fachmagazin "Science Advances" eine Genanalyse über die Herkunft des Bibelvolkes veröffentlicht. Demnach weisen Knochen aus einer Grabungsstätte bei Aschkelon in Israel darauf hin, dass dort am Übergang von der Bronze- zur Eisenzeit europäisches Erbgut auftauchte.

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Bibelvolk: Vorfahren der Philister kamen wahrscheinlich aus Europa

Dies entspricht der Zeit, zu der sich das Volk der Philister dort ansiedelte. Die Bibel berichtet von immer wiederkehrenden Kämpfen zwischen den Philistern und den Israeliten. Der Riese Goliath, der im Buch Samuel dem jungen König David mit seiner Steinschleuder im Zweikampf unterliegt, ist ihr wohl prominentester Vertreter.

Doch wie die DNA-Analyse aus Aschkelon zeigt, blieben die Philister nicht lange unter sich. Drei zweihundert Jahre jüngere Knochenfunde, die der späteren Eisenzeit zugeordnet werden, deuten darauf hin, dass sich die Philister nach ihrer Ankunft in Israel stark mit der ansässigen Bevölkerung vermischt haben.

Dennoch beeinflussten sie die Region langfristig. Mit dem Auftauchen der Philister setzte ein kultureller Wandel am östlichen Mittelmeer ein.

jme/AFP/dpa

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