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Wissenschaft

Taiji-Bucht

Japan eröffnet Jagd auf Delfine

In Japan werden wieder Delfine gejagt. Früher färbte sich das Wasser rot vom Blut der Tiere. Um solche Bilder zu vermeiden, töten die Fischer inzwischen anders - aber nicht weniger qualvoll.

kyodo/ DPA

Fischer treiben Meeressäuger in eine Bucht vor Taiji: Harpune rein, Korken rauf

Dienstag, 03.09.2019   18:08 Uhr

Es war lange eine blutige Veranstaltung, die jedes Jahr vor Japans westlicher Pazifikküste stattfindet. Seit einigen Tagen werden wieder Delfine in eine Bucht beim Fischerstädtchen Taiji getrieben und getötet.

Nach japanischen Medienberichten hätten die ersten zwölf Boote den Hafen verlassen, kehrten aber ohne Fang zurück. Am Montag seien dann aber fünf Delfine erlegt worden. Nach den Fangquoten dürfen über einen Zeitraum von sechs Monaten etwa 1700 Delfine getötet oder gefangen werden.

Die Jagd stößt weltweit auf Empörung. Taiji war durch den oscargekrönten Dokumentarfilm "Die Bucht" in die Kritik geraten. Bei dem traditionellen Delfintreiben entstanden früher Fotos, die japanische Fischer im rot gefärbten Wasser der Bucht zeigten - das Blut der Tiere floss hektoliterweise ins Meer.

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Inzwischen vermeiden die Fischer solche emotionalen Bilder, indem sie die Tiere anders töten: Die Meeressäuger erhalten einen Stoß mit einer Harpune, anschließend wird die Klinge herausgezogen und die Wunde mit einem Korken verschlossen. Dabei verbluten die Delfine innerlich, berichten Umweltschützer. Da Blut fließt nicht mehr in großen Mengen ins Meer. Wissenschaftler hatten diese Methode in einer Studie im Fachmagazin "Journal of Applied Animal Welfare Science" 2013 kritisiert, da sie nicht augenblicklich zum Tod führe.

Das Fleisch der Delfine wird in Japan zum Verzehr angeboten, doch tatsächlich essen wollen es nur wenige. Zudem sterben nicht alle Delfine bei der Treibjagd, einige werden gefangen und an Aquarien und Freizeitparks verkauft. Auch diese Praxis steht schon lange in der Kritik. "Durch das Geschäft mit den Delfinjägern halten Delfinarien und Meeresparks die Jagd nach Delfinen am Laufen", schrieb etwa die Umweltschutzorganisation The Dolphin Project auf Twitter.

Erst vor wenigen Wochen hatte Japan wieder mit dem kommerziellen Walfang begonnen. Zuvor waren die Tiere offiziell nur zu wissenschaftlichen Zwecken getötet worden. Das war durch eine Sondergenehmigung der Internationalen Walfangkommission (IWC) möglich. Doch im vergangenen Jahr hatte Japan angekündigt, die IWC zu verlassen.

joe

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