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Wissenschaft

Konzept 2030

So kann Deutschland die Klimaziele noch erreichen

Verfehlt die Bundesregierung die Klimaziele für 2030, könnten Zahlungen von 60 Milliarden Euro fällig werden, warnen Experten. Ein neuer Plan listet auf, wie die Klimawende sozialverträglich gelingen kann.

Brooke Whatnall/ National Geographic RF/ Getty Images

Kuh auf einem überfluteten Feld: 15 Schritte, um unser Klima zu retten

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Dienstag, 14.05.2019   15:49 Uhr

35 Minister aus aller Welt beraten seit Montag beim Petersberger Klimadialog in Berlin darüber, wie die Klimaziele von Paris umgesetzt werden können. Bundesumweltministerin Svenja Schulze will sich den Plänen des französischen Präsidenten Emmanuel Macron anschließen, bis 2050 so gut wie keine Treibhausgase mehr zu erzeugen. Ob auch Deutschland mitzieht, ist noch unklar.

Dabei könnte die Bundesrepublik ihre Zurückhaltung teuer zu stehen kommen. Davor warnt der Thinktank "Agora Energiewende", dessen Beirat Wissenschaftler, mehrere Staatssekretäre aus dem Bundesumweltministerium sowie Vertreter von Industrie und Gewerkschaften angehören. Schaffe es Deutschland nicht wie vereinbart, bis 2030 mindestens 55 Prozent weniger Treibhausgase auszustoßen als 1990, müsse die Bundesregierung im nächsten Jahrzehnt Steuergeld in Höhe von 30 bis 60 Milliarden aufwenden. Diese werden benötigt, um fehlende CO2-Verschmutzungsrechte in anderen EU-Staaten einzukaufen.

"Dieses Geld sollte besser hierzulande investiert werden", sagte Patrick Graichen von Agora Energiewende. Die Organisation habe 15 Maßnahmen erarbeitet, mit denen Deutschland seine Emissionen reduzieren könne. Drei Viertel der bis 2030 nötigen CO2-Einsparungen ließen sich damit erreichen. Um die Klimaziele für 2030 zu schaffen, muss Deutschland seinen CO2-Ausstoß jährlich um 25 Millionen Tonnen reduzieren. Aktuell sinken die Emissionen nur um etwa 10 Millionen Tonnen.

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Im Bereich der Stromerzeugung und bei Gebäuden habe es bereits große Fortschritte gegeben, so der Thinktank. Probleme sehen die Experten vor allem in den Sektoren Industrie und Verkehr, in denen die Treibhausgasemissionen zuletzt stagnierten oder sogar anstiegen. Dementsprechend seien dort auch die größten Veränderungen nötig. Privatleute wären von den vorgeschlagenen Maßnahmen im Verkehrssektor ebenfalls betroffen.

Wer zu viel CO2 ausstößt, zahlt drauf

So fordert "Agora Energiewende" unter anderem ein Bonus-Malus-System für Autokäufer. Wer einen Neuwagen kaufe, der weniger als 95 Gramm Kohlendioxid (CO2) pro Kilometer ausstößt, solle für jedes eingesparte Gramm Treibhausgas 50 Euro erhalten. Wer ein Auto mit höherem Verbrauch kaufe, solle dagegen pro zusätzlichem Gramm CO2 50 Euro draufzahlen. Zur Einordnung: Elektroautos würden so mit ungefähr 5000 Euro gefördert.

Im Verkehrsbereich sollen nach den Plänen von Agora unter anderem diese Maßnahmen umgesetzt werden:

Von der Industrie wünscht sich der Thinktank, dass sie häufiger Wasserstoff einsetzt. Dabei helfen könnte eine Quote für den Wasserstoffgehalt im Erdgas. Zunächst sollten 0,5 Prozent beigemischt werden, bis 2030 dann 10 Prozent. Außerdem müsse das Bundesumweltministerium sein Förderprogramm für CO2-freie Technologien noch 2019 auf 500 Millionen Euro erhöhen.

Michael Kappeler/ DPA

Bundeskanzlerin Angela Merkel 2007 in Grönland

Weitere Vorschläge außerhalb des Verkehrs- und Industriesektors sind:

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Auch der Kohleausstieg ist Teil des 15-Punkte-Plans. Er solle wie von der Kohlekommission vorgeschlagen umgesetzt werden. Zudem müsse sich Deutschland auch in der EU für mehr Klimaschutz einsetzen. Die Maßnahmen seien als Eckpunkte für das Klimaschutzgesetz gedacht, das die Bundesregierung noch in diesem Jahr verabschieden will, so Agora Energiewende.

"Wir haben bei unseren Vorschlägen großen Wert darauf gelegt, dass sie sozial ausgewogen sind und diejenigen entlastet werden, die sich klimaverträglich verhalten", sagt Christian Hochfeld von Agora. Künftig müssten aber auch die Landwirtschaft und der Flugverkehr stärker einbezogen werden.

insgesamt 128 Beiträge
poisonnuke 14.05.2019
1. denkt auch mal einer dran, das Bäume usw helfen?
Ausstoß zu senken ist auf der einen Seite ja schön und gut, aber wenn immer mehr Grünflächen zubetoniert werden, kann es auch nichts werden mit der Bilanz, da Pflanzen bekanntermaßen C02 verbrauchen.
Ausstoß zu senken ist auf der einen Seite ja schön und gut, aber wenn immer mehr Grünflächen zubetoniert werden, kann es auch nichts werden mit der Bilanz, da Pflanzen bekanntermaßen C02 verbrauchen.
mullertomas989 14.05.2019
2. Und, so leid es mir tut,
den Fleischkonsum drastisch reduzieren! Sonntagsbraten hurra! Auch übrigens bzgl. des Artensterbens ist das eine vielleicht uncoole, aber sachlich und objektiv nötige Konsequenz, an der wir nicht vorbeikommen. In Holland wird [...]
den Fleischkonsum drastisch reduzieren! Sonntagsbraten hurra! Auch übrigens bzgl. des Artensterbens ist das eine vielleicht uncoole, aber sachlich und objektiv nötige Konsequenz, an der wir nicht vorbeikommen. In Holland wird längst an Fleisch aus der Petrischale geforscht - schmeckt bestimmt (noch) echter, als vegane Schnitzel....
Onkel Drops 14.05.2019
3. hat Zeit...
besseres bauen - Herr Seehofer CSU, weniger co2 im Verkehr- Herr Scheuer CSU, sauberer Acker und Ställe - Frau Klöckner CDU... nicht mit diesen Fachkräften, oder? die sind ja so schon total überfordert und haben nicht mit [...]
besseres bauen - Herr Seehofer CSU, weniger co2 im Verkehr- Herr Scheuer CSU, sauberer Acker und Ställe - Frau Klöckner CDU... nicht mit diesen Fachkräften, oder? die sind ja so schon total überfordert und haben nicht mit "was will den der Endkunde/Bürger"zu tun. der kriegt das nur letztendlich vorgesetzt... verzichten wir erstmal auf solche Spezialisten und dann können nachfolgende bestimmt besseres erreichen... die ehr nicht
Eisinuk 14.05.2019
4. Geschwindigkeitsbegrenzung
Eine wirkungsvolle Maßnahme wäre eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf den Autobahnen. Wenn 60 Milliarden Euro Strafe bei Nichterreichung der Klimaziele anstehen, wäre dies mMn ein erstes, schnelles Mittel, um den Co2-Ausstoß [...]
Eine wirkungsvolle Maßnahme wäre eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf den Autobahnen. Wenn 60 Milliarden Euro Strafe bei Nichterreichung der Klimaziele anstehen, wäre dies mMn ein erstes, schnelles Mittel, um den Co2-Ausstoß wirksam zu reduzieren. Unsere Nachbarländer können dies schon lange.
schlob 14.05.2019
5.
Diese Agora-Leute haben uns die Energiewende eingebrockt - und werden dafür auch noch gelobt. Sie sind nach meinem bescheidenen Gefühl die entsetzlichsten Schädiger der Menschheit seit 1945-natürlich zusammen mit allen [...]
Diese Agora-Leute haben uns die Energiewende eingebrockt - und werden dafür auch noch gelobt. Sie sind nach meinem bescheidenen Gefühl die entsetzlichsten Schädiger der Menschheit seit 1945-natürlich zusammen mit allen anderen,die an der Energiewende mitgewirkt haben.-Allein den AKW-Ausstieg wird das Klima nie mehr verkraften.- Die Politik ist wie das Kaninchen auf die Schlange auf das menschengemachte CO 2 fixiert-und übersieht den 20 x wirksameren Hebel des natürlich entstehenden CO 2.- Zu dem natürlichen zählt man sinnigerweise die Waldbrände.Diese sind aber heute nicht mehr zeitgemäß.Jeder Waldbrand lässt sich mit ausreichend Wasser löschen- man muss nur schneller mit mehr Wasser vor Ort sein.- Vor diesem Problem kapituliert die Weltpolitik -herzlichen Glückwunsch.- Zum Vergleicht-der gesamte deutsche KfZ-Verkehr produziert rund 150 Mio to CO 2 -also etwa 2 % der Waldbrände weltweit.- Es muss nun endlich der Vernichtungskrieg gegen die Artenvielfalt durch Biogas und MAIS-Monokulturen beendet werden.Umwidmung der Mais-Felder in verwilderte Flächen.- Umstellung der Entwicklungshilfe auf Milderung der Bevölkerungsexplosion.Alle Mittel für die Geburtenkontrolle. Keine Hilfe für Staaten,in denen mehr Kinder gezeugt werden als Alte wegsterben.- Die FDP fordert eine Weltbevölkerungskonferenz-diese wird ebenso scheitern wie der Pariser Vertrag. Entwicklungshilfe streichen geht schneller.
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