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Wissenschaft

Mexiko

Forscher entdecken zapotekischen Palast

Nicht nur Maya und Azteken lebten im alten Mexiko. Im heutigen Bundesstaat Oaxaca siedelten vor über 3500 Jahren auch die Zapoteken. Ein nun entdeckter Palast gibt Einblick in die frühe Phase der Kultur.

Elsa M. Redmond/ Charles Spencer
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Mittwoch, 29.03.2017   15:10 Uhr

Früher bauten die Ureinwohner Mittelamerikas gerne in die Höhe. Egal ob Tikal, Palenque, Teotihuacán oder Chichén Itzá in Yucatán: Den Besuchern fallen als erstes die gigantischen Pyramiden ins Auge, die dort einst entstanden. In Tikal bringt es Tempel IV auf über 64 Meter Höhe, die Sonnenpyramide in Teotihuacán erreicht knapp 63 Meter und "La Danta" in El Mirador sogar über 70 Meter.

Doch für Archäologen sind auch andere Bauwerke von Interesse, dazu zählen etwa Paläste. Hier tummelten sich einst die Herrscher samt Hofstaat und hinterließen ihre Spuren. Einen solchen Palastkomplex haben Forscher in der Ruinenstadt El Palenque gefunden und ausgegraben - der Ort ist nicht zu verwechseln mit der Maya-Stätte Palenque im mexikanischen Bundesstaat Chiapas.

Der gefundene Palast in El Palenque liegt dagegen im Bundesstaat Oaxaca nahe der Ortschaft San Martín Tilcajete - er wurde einst von den Zapoteken errichtet. Das Volk siedelte ab 1500 vor Christus in der Region. Am bekanntesten ist etwa der Fundort Monte Albán, der hoch auf einem Berg unweit von El Palenque liegt.

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Maya-Stadt Palenque: Rakete - oder Eingang zur Unterwelt?

Der nun ausgegrabene Komplex besteht aus mehreren Innenhöfen. Der Größte hatte eine quadratische Fläche von 16 mal 16 Metern. Drumherum angelegt befanden sich mehrere Gebäude. Teilweise sind die einzelnen Abschnitte des Palastes durch gepflasterte Wege oder Treppenstufen miteinander verbunden gewesen, schreiben die Forscher um Elsa Redmond und Charles Spencer vom American Museum of Natural History in der Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences". Beeindruckend ist die Grundfläche des gesamten Palastes, sie beträgt etwa 2800 Quadratmeter.

Die Zapoteken waren den Maya und anderen mittelamerikanischen Kulturen nicht unähnlich. Sie verfügten ebenfalls über ein Ballspiel, zudem sind Schrift- und Zahlzeichen sowie ein Kalendersystem überliefert. Auch steinerne Stelen mit Abbildungen von merkwürdig verrenkten Personen, sogenannten Danzantes (Tänzer), sowie Urnen in Tiergestalt machten die Kultur bekannt.

Die Archäologen vermuten unterschiedliche Nutzungen der verschiedenen Bereiche in dem Palast. So seien Teile des Komplexes sowohl für politische Aktivitäten und rituelle Handlungen genutzt worden. In diesen Bereichen fanden die Archäologen etwa kunstvolle Keramikfragmente oder Urnen. Zudem gebe es auch Wohnräume sowie Vorrats- und Lagerräume als auch Küchenbereiche. Hier stießen die Wissenschaftler auf Mahlwerkzeuge zur Maisverarbeitung und Reste von Tierknochen sowie Alltagskeramik. Auch eine Zisterne für das Auffangen von Regenwasser wurde gefunden sowie ein Drainage-Schacht zur Ableitung von Schmutzwasser und Müll.

Grabbestattungen entdeckten die Forscher keine. Das decke sich aber mit kolonialzeitlichen Berichten zu den Totenritualen der zapotekischen Kultur und Funden von Königsgräbern anderer Stätten, wo die Herrscher stets im Tempelbereich und nicht in Palästen beigesetzt wurden.

Die Forscher arbeiten seit 1993 in El Palenque, sie hatten bereits früher Tempelanlagen und einen Teil des in der Studie beschriebenen Palastes freigelegt. Laut der Studie gehören die Gebäude zu den ältesten in der Region, das sei auch bei dem zuletzt 2014 ausgegrabenen Palastteil der Fall. Über radiokarbondatierte Funde, etwa von Holzkohlestückchen, die noch in Lehmziegeln stecken, kamen die Forscher auf eine Entstehungszeit zwischen 300 und 100 vor Christus. Sie gehen davon aus, dass der Palast aufgrund seiner Konstruktionsweise in einer einzigen Bauphase geplant und entstanden ist.

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Mexiko: Auf der Spur der Zapoteken

"Ein Palast ist ein Zeichen für eine staatliche und hierarchisch geprägte Gesellschaft", schreiben die Forscher in ihrer Studie. Der Fund deute deshalb auf die Existenz einer außergewöhnlich frühen, urbanen Gesellschaft in El Palenque hin, die sowohl für die Zapoteken als auch für Mittelamerika bemerkenswert sei. Die Blütephase der Kultur wird üblicherweise in den Zeitraum von 300 bis 900 nach Christus gelegt.

In Mittelamerika wurden von Archäologen in vielen größeren Zentren neben Tempelpyramiden auch großflächige Paläste freigelegt. Etliche wurden ebenfalls auf Plattformen errichtet, die über einige Treppenstufen erreicht werden konnten. In der Mayakultur ist etwa der Palast von Palenque mit seinem Turm ein außergewöhnliches Bauwerk. Nennenswert ist zudem auch der Palast von Sayil im nördlichen Yucatán - er besteht aus 94 Räumen in drei Stockwerken.

Sich selbst nannten die Zapoteken "Wolkenvolk" ("Peni zaa"). Ihre Nachfahren leben auch heute noch in Mexiko und sprechen eine eigene Sprache - das Zapotekisch. Schätzungen gehen von etwa 785.000 Sprechern aus. Bekanntheit erlangte etwa Benito Juárez - er war von 1858 bis 1872 Präsident Mexikos. Und soll erst mit 15 Jahren Spanisch gelernt haben.

insgesamt 3 Beiträge
gaitana 29.03.2017
1. Ich finde, das muss jetzt als erstes hier stehen
Es ist eigenartig, von den "Zapoteken" durchweg im Präteritum zu lesen - und dann von ihren Nachfahren, die eine Sprache sprechen, die "zapotekisch" heißt. Ob das wohl daran liegt, dass die Zapoteken eine [...]
Es ist eigenartig, von den "Zapoteken" durchweg im Präteritum zu lesen - und dann von ihren Nachfahren, die eine Sprache sprechen, die "zapotekisch" heißt. Ob das wohl daran liegt, dass die Zapoteken eine sehr lebendiges gegenwärtiges und gar nicht so kleines Völkchen sind, deren Vorfahren so tolle Dinge wie Monte Albán gebaut haben? Und dass diese Erbauer sicherlich nach dem gegenwärtigen Völkchen benannt worden sind, deren Vorfahren sie - bei Licht besehen - vielleicht sogar gar nicht waren? Denn wer weiß das schon, nach so langer Zeit und wo doch Menschen immer so viel unterwegs sind.
Sissy.Voss 30.03.2017
2.
Das mit dem "viel unterwegs sein" dürfte für eine präindustrielle, bäuerliche Kultur nicht zutreffen. Die Kontinuität solcher Gesellschaften kann man schon als Tatsache annehmen, der bis heute dauernde Gebrauch [...]
Zitat von gaitanaEs ist eigenartig, von den "Zapoteken" durchweg im Präteritum zu lesen - und dann von ihren Nachfahren, die eine Sprache sprechen, die "zapotekisch" heißt. Ob das wohl daran liegt, dass die Zapoteken eine sehr lebendiges gegenwärtiges und gar nicht so kleines Völkchen sind, deren Vorfahren so tolle Dinge wie Monte Albán gebaut haben? Und dass diese Erbauer sicherlich nach dem gegenwärtigen Völkchen benannt worden sind, deren Vorfahren sie - bei Licht besehen - vielleicht sogar gar nicht waren? Denn wer weiß das schon, nach so langer Zeit und wo doch Menschen immer so viel unterwegs sind.
Das mit dem "viel unterwegs sein" dürfte für eine präindustrielle, bäuerliche Kultur nicht zutreffen. Die Kontinuität solcher Gesellschaften kann man schon als Tatsache annehmen, der bis heute dauernde Gebrauch der Sprache (und der Gebräuche) ist ausreichender Beweis dafür. Was natürlich nicht heißen muss, dass sich die Sprache in 3.500 Jahren nicht weiterentwickelt hat. Zapotekisch ist nicht die einzige Sprache in Mittelamerika, die seit tausend und mehr Jahren tradiert wird.
gaitana 30.03.2017
3.
Danke, Sie haben genau auf den Punkt gebracht, woher der eine Teil meines Unbehagens kommt. Die Verwendung des Namens "Zapoteken" ist etwa so, als wenn man bei uns eine bronzezeitliche Kreisgrabenanlage ausgräbt, die [...]
Danke, Sie haben genau auf den Punkt gebracht, woher der eine Teil meines Unbehagens kommt. Die Verwendung des Namens "Zapoteken" ist etwa so, als wenn man bei uns eine bronzezeitliche Kreisgrabenanlage ausgräbt, die den "Deutschen" zuschreibt und dann uns als deren Nachfolger bezeichnet. Ich würde jetzt meine Hand nicht dafür ins Feuer legen, dass die Erbauer solche Anlagen oder die Schmiede der Himmelsscheibe von Nebra "Deutsche" waren. Ich glaube auch, dass wir zu leicht annehmen, "präindustrielle, bäuerliche Kulturen" wären statisch gewesen. Wir in Europa waren ja auch die meiste Zeit präindustriell und bäuerlich, aber über einen Zeitraum von 3000 Jahren (bis 1500 gerechnet, um das "präindustriell" ganz sicher drin zu haben) dann eben doch erstaunlich dynamisch. Man denke nur mal an diverse Großreiche, die auf- und untergegangen sind und an dieses oder jenes Volk, das hin und her gewandert ist. Ich bin kein Fachmann, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass man es auch in Mittelamerika über solche Zeiträume mit erheblichen Bevölkerungsbewegungen zu tun hat. Das Paradebeispiel sind wahrscheinlich die Azteken, die als versprengter Haufen auf einer Insel im Texcoco-See niedergelassen hatten und kaum zweihundert Jahre später die beherrschende Großmacht in der Region waren. Apropos, jetzt fällt es mir auf: Wahrscheinlich kommt der andere Teil meines linguistischen Unbehagens genau daher, dass die Bezeichnung "Zapoteken" in dem Artikel analog zu "Azteken" gebraucht wird - als Bezeichnung für eine untergegangene Einheit, von der man eben nur noch im Präteritum sprechen kann. Bei den Azteken macht das Sinn, bei den Zapoteken (und Maya) eher nicht.

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