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Wissenschaft

Rekonstruktion

Künstler geben Ötzi ein neues Gesicht

Wilder Bart, sonnengegerbte Haut, scharf geschnittenes Gesicht - so soll Ötzi ausgesehen haben, als er vor 5300 Jahren im Eis der Alpen starb. Zwei Künstler haben nun Gesicht und Körper des vor 20 Jahren in den Ötztaler Alpen entdeckten Mannes rekonstruiert.

Südtiroler Archäologiemuseum/ NG Deutschland/ Heike Engel-21Lux
Montag, 28.02.2011   11:21 Uhr

Ein zotteliger, drahtiger Mann soll er gewesen sein. Tief liegende braune Augen, faltige, vom Wetter gezeichnete Haut - so haben die holländischen Künstler Adrie und Alfons Kennis das Antlitz von Ötzi rekonstruiert. "Hier schaut Sie ein Senner oder ein Bergbauer an, der den Sommer auf der Alm verbracht hat", schreibt Erwin Brunner von "National Geographic Deutschland".

Die Märzausgabe des Wissenschaftsmagazins zeigt die neue naturalistische Rekonstruktion, ab dem 1. März ist die Ganzkörper-Darstellung auch die Hauptattraktion im Südtiroler Archäologiemuseum Bozen. Dann öffnet die Jubiläumsausstellung "Ötzi20", denn vor genau 20 Jahren wurde die Gletschermumie in den Ötztaler Alpen entdeckt - unweit vom 3600 Meter hohen Gipfel des Similaun. Die bislang vom Museum verbreitete Gesichtsdarstellung ist damit obsolet.

Seit 1998 zeigt das Bozener Museum Ötzi in einer Tiefkühltruhe. Die Mumie wurde mehrfach intensiv untersucht. 2010 haben Forscher das Erbgut entziffert. Sie erhoffen sich davon auch neue Hinweise auf den Gesundheitszustand des Gletschermannes vor seinem Tod. Ötzi war im Alter von etwa 46 Jahren zu Tode gekommen. Er wurde von einem Pfeil getroffen und danach vermutlich mit einem Keulenschlag getötet. Die bei ihm gefundenen Gegenstände und seine Kleidung geben einen tiefen Einblick in das Leben der Menschen vor mehr als 5000 Jahren.

Bei der Rekonstruktion des Gesichts nutzten Adrie und Alfons Kennis modernste Technik. Mit einem Verfahren namens Stereolithographie fertigten sie eine exakte Kopie des Schädels an. Flüssiger Kunststoff wird dabei mit Laser ausgehärtet - ganz ähnlich wie bei einem 3-D-Drucker. Die Vorlagen dafür lieferten Röntgen- und CT-Bilder der Gletschermumie.

Eigener Urgroßvater auferstanden?

"Diese gleichermaßen exakte und einfühlsame Darstellung von Ötzi wird die ganze Welt faszinieren und bewegen", sagt Museumsdirektorin Angelika Fleckinger. Als die Mitarbeiter des Museums die Rekonstruktion zum ersten Mal sahen, "glaubten wir alle, unsere Urgroßväter darin zu erkennen".

Ötzi ist längst nicht der erste Tote, dessen Gesicht rekonstruiert wurde. Die Methoden dafür stammen aus der Gerichtsmedizin. Angewandt wurden sie unter anderem beim Piraten Störtebeker, dem Komponisten Johann Sebastian Bach, dem berühmten Pharao Tutanchamun und der niedersächsischen Moorleiche "Moora".

hda

insgesamt 10 Beiträge
unterländer 28.02.2011
1. Titel? Ja genau, Titel muss sein!
Dieser Hang zum Personalisieren von Geschichte erstaunt mich. Was genau hat man davon, dass man nun annimmt, Ötzi habe zu Lebzeiten ausgesehen wie der eigene Urgroßvater? Also für mich hört sich das ein wenig nach [...]
Zitat von sysopWilder Bart, sonnengegerbte Haut, scharf geschnittenes Gesicht - so soll Ötzi ausgesehen haben, als er vor 5300 Jahren im Eis der Alpen starb. Zwei Künstler haben nun Gesicht und Körper des vor 20 Jahren in den Ötztaler Alpen entdeckten Mannes rekonstruiert. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,748047,00.html
Dieser Hang zum Personalisieren von Geschichte erstaunt mich. Was genau hat man davon, dass man nun annimmt, Ötzi habe zu Lebzeiten ausgesehen wie der eigene Urgroßvater? Also für mich hört sich das ein wenig nach Scharlatanerie an und schreckt mich eher von einem Besuch des Museums in Bozen ab. Wurden diese Rekonstrukteure eigentlich schon einmal überprüft? Z.B. anhand eines Toten aus dem späten 19. Jahrhundert, von dem ohne Wissen der Künstler Fotografien existieren. Allein, die Bezeichnung Künstler lässt mich daran zweifeln. Kunst muss ja nicht notwendig die Realität abbilden.
bundespiepmatz 28.02.2011
2. Den kenne ich
Der wohnt bei mir in der Nähe in einem Heim für strafentlassene und/oder obdachlose Männer. Kürzlich stand er hinter mir in der Schlange an der Supermarktkasse. Er hatte eine fürchterliche Alkoholfahne und roch überdies wie [...]
Der wohnt bei mir in der Nähe in einem Heim für strafentlassene und/oder obdachlose Männer. Kürzlich stand er hinter mir in der Schlange an der Supermarktkasse. Er hatte eine fürchterliche Alkoholfahne und roch überdies wie ein übervoller Aschenbecher, und er kaufte eine Flasche - Billig-Cola.
johannes9126 28.02.2011
3. .
Erfahrungsberichte wie dieser bieten möglicherweise völlig neue wissenschaftliche Ansätze darüber, wie Ötzi mumifizieren konnte...
Zitat von bundespiepmatzDer wohnt bei mir in der Nähe in einem Heim für strafentlassene und/oder obdachlose Männer. Kürzlich stand er hinter mir in der Schlange an der Supermarktkasse. Er hatte eine fürchterliche Alkoholfahne und roch überdies wie ein übervoller Aschenbecher, und er kaufte eine Flasche - Billig-Cola.
Erfahrungsberichte wie dieser bieten möglicherweise völlig neue wissenschaftliche Ansätze darüber, wie Ötzi mumifizieren konnte...
Born to Boogie 28.02.2011
4. Titel wurde aberkannt
Sieht aus wie Keith Richards nach einer Wurmkur.
Sieht aus wie Keith Richards nach einer Wurmkur.
luca duca conte 28.02.2011
5. ...
der sieht ja aus wie Andreas Hofer!
der sieht ja aus wie Andreas Hofer!

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