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Wissenschaft

Skandinavien

Menschliche DNA in 10.000 Jahre altem Kaugummi entdeckt

Wie sich die ersten Menschen in Skandinavien ausgebreitet haben gibt Forschern bis heute Rätsel auf. Hinweise liefert nun ein uraltes Kaugummi.

Natalija Kashuba/Stockholm University/dpa

Uraltes Kaugummi: Erbgut von zwei Frauen und einem Mann entdeckt

Mittwoch, 15.05.2019   17:44 Uhr

Vor mehr als 10.000 Jahren ließen sich die ersten Menschen in Skandinavien nieder. Wie sie sich dort ausgebreitet haben, ließ sich bisher kaum nachvollziehen, weil Forscher nur wenige Knochenspuren entdeckt haben. Und genetische Analysen waren nicht möglich, weil kaum DNA gefunden wurde. Nun haben Wissenschaftler Erbgut von gleich drei Menschen aus der Zeit gefunden - in historischem Kaugummi.

Damals kaute man auf kleinen Klumpen Birkenrindenpech - aus dem Material konnten die Forscher um Natalija Kashuba von der schwedischen Uppsala University DNA von zwei Frauen und einem Mann isolieren, die als erste Siedler in Skandinavien Fuß fassten. Es handle sich um die ältesten sequenzierten DNA-Stücke von Menschen aus der Region, berichtete die Universität Stockholm.

Gefunden hatten Wissenschaftler die Kaugummis bereits in den frühen Neunzigerjahren in Huseby-Klev nördlich von Göteborg, wo in der frühen Mittelsteinzeit Jäger und Fischer zu Hause waren. Bis vor wenigen Jahren gab es noch keine Möglichkeit, alte menschliche DNA zu analysieren. Das haben die Forscher um Kashuba nun nachgeholt, wie sie im Fachmagazin "Communications Biology" berichten.

Einfluss aus Russland

Die Ergebnisse der Untersuchungen zeigten, dass die Kaugummikauer recht eng verwandt sind mit anderen Jäger- und Sammlergruppen in Schweden sowie weiteren frühen mittelsteinzeitlichen Populationen aus dem eiszeitlichen Europa. Die Werkzeuge, die Forscher am Fundort der Kaugummis entdeckt hatten, wurden allerdings mit einer Technik aus dem heutigen Russland hergestellt.

Dass die dortige Bevölkerung die Menschen auf dem Gebiet des heutigen Schweden kulturell und genetisch beeinflusst hat, hatten Forscher schon vermutet. Die Genanalyse habe dies nun bestätigt.

"DNA aus diesen alten Kaugummis hat nicht nur ein enormes Potenzial, um die Herkunft und Bewegung der Menschen vor langer Zeit nachzuvollziehen, sondern auch, um Einblicke in ihre sozialen Beziehungen, Krankheiten und Lebensmittel zu erhalten", sagte Mitautor Per Persson vom Museum für Kulturgeschichte in Oslo.

jme/dpa

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