Schrift:
Ansicht Home:
Wissenschaft

Meteorologen

Risiko von Starkregen in Teilen Deutschlands unterschätzt

Eine neue Auswertung von Radardaten zeigt: In Teilen Deutschlands kann es deutlich öfter zu Starkregen kommen als bisher vermutet. Dies zeigt die Auswertung von Radardaten.

DPA

Regen bei einem Gewitter in Leipzig (im Sommer 2014)

Montag, 18.03.2019   17:32 Uhr

Das Risiko von Starkregen ist nach Ansicht von Meteorologen in manchen Teilen Deutschlands bislang deutlich unterschätzt worden. Die Auswertung von Radardaten zeige, dass bei der Risikobewertung in einigen Regionen von einer neuen Gefährdungslage ausgegangen werden müsse, teilte die Deutsche Meteorologische Gesellschaft zum Start einer Fachtagung am Montag in Garmisch-Partenkirchen mit.

Dort beraten bis Freitag rund 450 Wissenschaftler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz über neueste Erkenntnisse aus den Bereichen Meteorologie und Klimaforschung.

Eines der Themen dabei ist die Prognose von Starkregenereignissen: Demnach muss in Teilen von Nord- und Ostdeutschland mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit mit Starkregen gerechnet werden als bisher angenommen. Dies sei auch wegen der begrenzten Kapazitäten der Siedlungsentwässerung bedeutsam, warnen Meteorologen. Die Siedlungsentwässerung sorgt dafür, dass Abwässer aller Art über die Kanalisation abgeleitet werden, also Abwässer aus privaten Haushalten oder Industriebetrieben ebenso wie Niederschlagswasser.

Das könnte Sie auch interessieren

Zugleich ist die hinreichend genaue und rechtzeitige Vorhersage von Starkregen nach Ansicht der Experten unbefriedigend. "Wir sind bei der Prävention gegen Starkregen 'auf Kante genäht' und daher ausgesprochen anfällig, wenn es um Anstiege und Änderungen im Zuge des Klimawandels geht", warnen die Meteorologen Andreas Becker und Tanja Winterrath vom Deutschen Wetterdienst.

"Kleinräumige, starke Gewitter nicht erfasst"

Wie kommen Becker und seine Kollegin nun aber zu ihren Ergebnissen? Bisher, so erklärt der Meteorologe im Gespräch, habe man für die Vorhersage von Starkregenereignissen mit den Daten der etwa 2000 im Bundesgebiet verteilten Wetterstationen gearbeitet. Positiv sei, dass die Aufzeichnungen Jahrzehnte zurückreichten. Allerdings hätten die Stationen im Schnitt jeweils einen Abstand von 40 bis 50 Kilometern. "Damit wurden viele kleinräumige, starke Gewitter nicht erfasst", so Becker.

Auf Basis der bisherigen Daten sei man bisher von einem erhöhten Starkregenrisiko etwa an den Mittelgebirgen und im Alpenvorland ausgegangen. Dieses Bild ändere sich aber, wenn man statt der Stationsdaten auf die Radarmessungen des Wetterdienstes setze. Diese seien deutlich feiner aufgelöst, etwa auf einen Quadratkilometer genau. "Damit erwischt man eigentlich alles", sagt Becker.

Bei der Analyse der Radarmessungen aus den vergangenen 17 Jahren habe man nun herausgefunden, dass Starkregenereignisse relativ gleich in Deutschland verteilt seien. Und das wiederum bedeute, dass das Problem deutlich stärker auch im flachen Norden und Osten des Bundesgebiets auftritt.

Becker schränkt allerdings ein, dass eine 17 Jahre lange Datenreihe nicht eben lang sei. Deswegen sei es auch nicht möglich, auf Basis dieser Messungen die Frage zu beantworten, ob der Klimawandel für mehr Starkregen in Deutschland verantwortlich ist. Mit den bisherigen Daten lässt sich solch ein Trend nicht nachweisen.

Langfristig steht zu erwarten, dass es in den kommenden Jahren häufiger zu Dürrephasen und zu Starkregenereignissen in Deutschland kommen wird. Zwar soll die jährliche Niederschlagsmenge in Deutschland etwa gleich bleiben, allerdings könnte sich die Verteilung ändern. Das hieße: Mehr heftige lokale Unwetter mit Starkregen, die Zerstörungen anrichteten könnten.

chs/AFP

Verwandte Artikel

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP