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Wissenschaft

Weltraum-Veteran

"Deep Space 1" geht in den Ruhestand

Good bye, "Deep Space 1": Der Weltraum-Aufklärer schoss Nahaufnahmen eines Kometen und testete revolutionäre Technologien. Nun hat die Nasa den Ionenantrieb der Sonde abgeschaltet.

Von Martin Paetsch
Mittwoch, 19.12.2001   12:43 Uhr

Am Dienstag war es schließlich soweit: Die Bodenkontrolle der US-Raumfahrtbehörde Nasa schickte ein letztes Signal an "Deep Space 1". Die überalterte Sonde schaltete ihren Ionenantrieb ab, dessen Treibstoff, das Edelgas Xenon, zu 90 Prozent verbraucht ist. Damit endet eine dreijährige Mission, die den Wissenschaftlern weit mehr Ausbeute brachte, als sie vor dem Start zu träumen gewagt hatten.

Im Oktober 1998 hatte die Nasa die mit 141 Millionen Dollar relativ billige Raumsonde als eine Art interplanetaren Testballon ins All geschossen. In nur drei Jahren Entwicklungszeit hatten die Ingenieure das Gefährt mit zwölf zukunftsweisenden Technologien ausgerüstet, die auf dem Flug erprobt werden sollten. Zur Ausstattung gehörte unter anderem eine Software zur autonomen Navigation: Das System kann Aufnahmen der Bordkamera auswerten, um selbständig Kurskorrekturen vorzunehmen.

Am meisten Aufsehen erregte jedoch der neuartige Ionenantrieb, mit dem "Deep Space 1" auf große Fahrt ging. Bei diesem Triebwerk werden mit Hilfe von Sonnenenergie Edelgas-Atome ionisiert und ins All geschleudert. Durch den äußerst geringen Rückstoß wird das Gefährt zwar langsam, aber stetig und vor allem sparsam beschleunigt. Nach dem erfolgreichen Langzeittest durch "Deep Space 1" gilt die Technologie als mögliche Antriebsform für künftige Marsflüge.

"Ursprünglich war 'Deep Space 1' nur als elfmonatige Mission geplant", erinnert sich Colleen Hartman, Direktorin der Nasa-Abteilung für die Erforschung des Sonnensystems. "Aber es lief so gut, dass wir sie um ein paar Jahre verlängerten, um den Ionenantrieb weiter zu erproben - und als Bonus noch Nahaufnahmen eines Kometen zu erhalten."

Während der eigentlichen Mission war die Raumsonde bereits am Asteroiden Braille vorbeigeflogen, und nach einem Ausfall des Orientierungssystems sah es 1999 bereits nach einem jähen Ende der "Deep Space 1"-Karriere aus. Allerdings konnten die Nasa-Techniker den Fehler beheben und den Weltraum-Veteranen zum Kometen Borrelly schicken. Die beim Rendezvous im September 2001 entstandenen Aufnahmen zeigen sogar noch eisige Hügel und Täler auf dem acht Kilometer langen Kometenkern.

Nach diesem spektakulären Abschluss fällt auch den beteiligten Forschern der Abschied leichter: "Ich bin nicht traurig über das Ende der Mission, sondern glücklich, dass wir so viel erreicht haben", resümiert Marc Rayman, Projektmanager für "Deep Space 1" am Jet Propulsion Laboratory der Nasa. Und völlig abgeschaltet ist die Sonde, die nun für die nächsten Jahrtausende still die Sonne umkreist, schließlich auch nicht: Die Ingenieure ließen einen Radioempfänger an, falls künftige Generationen noch einmal Kontakt mit "Deep Space 1" aufnehmen wollen.

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