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Regenwald in Flammen

von Anna-Lena Kornfeld und Ferdinand Kuchlmayr

Etwa 36.300 Brände wurden von Januar bis Juli 2019 im brasilianischen Amazonasgebiet registriert.

Im August verdoppelte sich diese Zahl auf über 86.000 Feuer
Stand: 29. August

Es sind die schlimmsten Feuer seit Jahren, die derzeit am Amazonas lodern. Betroffen sind Gebiete in Bolivien, Peru und Paraguay, im Fokus steht aber der brasilianische Regenwald. Die Auswirkungen sind selbst in der 2000 Kilometer entfernten Millionenstadt São Paulo zu spüren: Rauchschwaden und Aschepartikel verdunkelten dort zeitweise den Himmel, Bewohner berichteten von schwarzem Regen. Auf dem brasilianischen Nachrichtenportal G1 war zu lesen, dass zwei Universitäten in Untersuchungen Brandrückstände im Regenwasser nachweisen konnten.


Der Himmel über São Paulo am 19. August. (Andre Lucas/dpa)


Warum brennt es?


Waldbrände können auf natürlichem Wege etwa durch Blitzeinschläge ausgelöst werden. Auch der Klimawandel begünstigt die Entstehung von Waldbränden, er spielt etwa bei den großen Bränden in Alaska und Sibirien eine Rolle. Die Feuer am Amazonas sind nach Expertenmeinung aber nicht natürlichen, sondern menschlichen Ursprungs.


Es ist in der Region gängige Praxis, bereits gerodetes Ackerland durch Feuer vor der Nutzung von Bewuchs zu befreien. Viele Brände werden aber auch gelegt, um mehr Platz für Soja- und Zuckerrohrplantagen oder Flächen für die Viehwirtschaft zu schaffen. Umweltschützer kritisieren in diesem Zusammenhang den brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro. Er habe mit seiner Politik ein Klima geschaffen, das zur verstärkten Abholzung und Brandrodung von Regenwald führe.


Tatsächlich gilt Bolsonaro als Freund der Agrarlobby. Er denkt laut darüber nach, bis dato geschützte Urwaldregionen landwirtschaftlich zu erschließen, und plant, Umweltkontrollen zu lockern. Offizielle Zahlen des Nationalen Instituts für Weltraumforschung (Inpe) geben den Kritikern des Präsidenten Recht: Zwischen Mai und Juli dieses Jahres ging deutlich mehr Regenwaldfläche verloren als jeweils im selben Zeitraum in den drei vorhergehenden Jahren.






Bolsonaro nannte diese Zahlen irreführend und feuerte nach deren Veröffentlichung kurzerhand den Chef der Behörde.



Kein Rekordjahr


Im langjährigen Vergleich bewegt sich die Zahl der Brände zwar nicht auf Rekordniveau. Dennoch wüteten etwa auf dem Gebiet des Amazonas-Bioms dieses Jahr bisher deutlich mehr Feuer als in den vergangenen Jahren.






Das Grundproblem ist freilich nicht neu, die massive Abholzung des Regenwalds kein neues Phänomen unter Bolsonaro. Seit dem Jahr 2000 sind in Brasilien laut der Organisation Global Forest Watch insgesamt 538.000 Quadratkilometer Wald verschwunden. Der größte Teil fiel wirtschaftlicher Nutzung zum Opfer, wie eine Analyse aus dem Jahr 2015 zeigt:





Im gesamten brasilianischen Amazonasgebiet ist die Rodung von Regenwald in den vergangenen Jahren zurückgegangen.





Laut Daten der Inpe war 1995 das verheerendste Jahr im Amazonas: Über 29.000 Quadratkilometer des brasilianischen Regenwalds gingen damals verloren – das entspricht in etwa der Fläche Brandenburgs. Nachdem die Rodung 2004 mit 27.772 Quadratkilometern noch mal ein ähnliches Niveau erreichte, sinkt die Rate seitdem. Es bleibt zu hoffen, dass sich dieser Trend nicht langfristig umkehrt.

TEAM


Autor: Ferdinand Kuchlmayr

Dokumentation: Maximilian Schäfer

Grafiken: Anna-Lena Kornfeld, Ferdinand Kuchlmayr

Programmierung: Chris Kurt

Entwicklung: Max Heber

Redaktion: Olaf Heuser

Schlussredaktion: Katrin Zabel



Videomaterial: Reuters