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Wissenschaft

Ausbruch des Eyjafjallajökull

Vulkanasche war gefährlich für Flugzeuge

Der isländische Vulkan Eyjafjallajökull sorgte 2010 für ein Flugverbot über Europa. War diese Vorsichtsmaßnahme nötig? Eine neue Studie zeigt, dass die Aschepartikel gefährlich waren - aus zwei Gründen.

AFP

Eyjafjallajökull (20. April 2010): Aschewolke legte Europas Flugverkehr lahm

Dienstag, 26.04.2011   09:58 Uhr

Ist es wirklich erforderlich gewesen, nach Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull im April vergangenen Jahres den Luftraum über Europa zu sperren? Eine gemeinsame Studie der Universität von Island und der Universität von Kopenhagen kommt zum Schluss, dass die Beschaffenheit der Asche ein Flugverbot rechtfertigte: Die Aschepartikel waren so hart und scharfkantig, dass sie Flugzeugfenster und Aluminiumflächen ähnlich wie ein Sandstrahl hätten schädigen können.

Beim Ausbruch des Vulkans am 14. April 2010 hatte Gletschereis das aufsteigende Magma blitzschnell abgekühlt und es in kleinste Partikel zerrissen, woraufhin Eyjafjallajökull eine riesige Aschewolke mehrere Kilometer hoch in die Luft geschleudert hatte. Die Forscher hatten am 15. und am 27. April auf Island Asche für die Experimente eingesammelt.

Die Aschepartikel, die das Team um Sigurdur Gislason von der Universität von Island analysiert hat, waren "hart genug, um ein Pilotenfenster undurchsichtig werden zu lassen", wenn sie darauf aufschlagen, heißt es im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences" . Die ungewöhnlich scharfen Kanten der Teilchen seien auch dann nicht merklich runder geworden, wenn die Asche zwei Wochen lang ununterbrochen in Wasser gerührt wurde. Daher hätten auch Nebel und Regen die Partikel nicht abgestumpft und damit unschädlich gemacht.

Im Labor seien die Aschepartikel bei unter 1150 Grad Celsius flüssig geworden, "also würden sie auch leicht im Motor eines Düsenflugzeugs schmelzen, der Temperaturen von 1500 bis 2000 Grad erreicht." Geschmolzene Ascheteilchen können sich anschließend auf den kühleren Turbinenschaufeln ablagern und so allmählich die Triebwerke der Maschinen zerstören: "Daher waren die Bedenken um den Lufttransport berechtigt."

Keine Gesundheitsgefahr auf dem europäischen Kontinent

Wenigstens ein Fünftel der Vulkanaschepartikel, die zu Beginn der Eruption ausgestoßen wurden, sei gefährlich für die Lungen von Menschen und Tieren in der Nähe des Vulkans gewesen. Denn geraten die Fremdkörper in die Lunge, setzen sie sich dort fest und lösen Husten, Luftnot und Lungenvernarbungen aus. Als die Wolke den europäischen Kontinent erreichte, sei die Vulkanasche aber schon so verdünnt gewesen, dass dort keine Gefahr für die Gesundheit der Menschen bestanden habe.

Nachdem das Magma nicht mehr von Gletscherwasser abgeschreckt wurde, änderte sich die Form der Aschepartikel, fanden die Wissenschaftler: Gleich zu Beginn des Ausbruchs sei die Asche grau und ungewöhnlich feinkörnig gewesen: "weich und pudrig, mit der Konsistenz von Mehl". Zwei Wochen später hatte der Vulkan hingegen Asche ausgespuckt, die für Vulkanausbrüche typisch sei, schwarz und grobkörnig wie "trockener Sand".

Ob derart weiträumige Flugverbote nötig waren, kann diese Studie allerdings nicht beantworten. Eine vor kurzem vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt veröffentlichte Untersuchung hatte ergeben, dass der festgelegte Grenzwert von zwei Milligramm Asche pro Kubikmeter über Deutschland zu an keinem Tag überschritten worden war.

wbr/dpa

insgesamt 20 Beiträge
Zorpheus 26.04.2011
1. Naja
Ok die Teilchen waren gefährlich. Aber die Frage ist doch auch die Konzentration. Ein paar Partikel bringen noch kein Flugzeug zum Absturz. Meiner Meinung nach hätte man kein so totales Flugverbot erteilen dürfen. Man hat ja [...]
Ok die Teilchen waren gefährlich. Aber die Frage ist doch auch die Konzentration. Ein paar Partikel bringen noch kein Flugzeug zum Absturz. Meiner Meinung nach hätte man kein so totales Flugverbot erteilen dürfen. Man hat ja so getan, als ob die Flugzeuge gleich beim ersten Flug runterfallen könnten, aber damit war überhaupt nicht zu rechnen. Man hätte gleich einzelne Flüge machen müssen, und nach jedem Flug überprüfen müssen, welche Schäden auftreten. Aber dadurch dass gleich garnichts mehr geflogen ist, wusste man nicht, welche Gefahr überhaupt besteht. Das unglaublichste an der Sache ist finde ich, dass keiner der Politker fürs Nichtstun abgestraft wurde. Keiner hat sich getraut, das minimale Risiko von ein paar Flügen einzugehen, weil sie bei einem Absturz Probleme bekommen hätten. Aber für das ganze Chaos und die wirtschaftlichen Schäden die es dadurch gab werden sie nicht verantwortlich gemacht.
Gani 26.04.2011
2. Lustig
Deine Meinung ist aber unfundiert, basiert auf keinerlei empirischen Daten und Fakten und zählt in dieser Sache deshalb zum Glück nicht. Das Du dann noch nicht darauf verzichtest ein bisschen Politiker-Bashing zu [...]
Zitat von ZorpheusOk die Teilchen waren gefährlich. Aber die Frage ist doch auch die Konzentration. Ein paar Partikel bringen noch kein Flugzeug zum Absturz. Meiner Meinung nach hätte man kein so totales Flugverbot erteilen dürfen. Man hat ja so getan, als ob die Flugzeuge gleich beim ersten Flug runterfallen könnten, aber damit war überhaupt nicht zu rechnen. Man hätte gleich einzelne Flüge machen müssen, und nach jedem Flug überprüfen müssen, welche Schäden auftreten. Aber dadurch dass gleich garnichts mehr geflogen ist, wusste man nicht, welche Gefahr überhaupt besteht. Das unglaublichste an der Sache ist finde ich, dass keiner der Politker fürs Nichtstun abgestraft wurde. Keiner hat sich getraut, das minimale Risiko von ein paar Flügen einzugehen, weil sie bei einem Absturz Probleme bekommen hätten. Aber für das ganze Chaos und die wirtschaftlichen Schäden die es dadurch gab werden sie nicht verantwortlich gemacht.
Deine Meinung ist aber unfundiert, basiert auf keinerlei empirischen Daten und Fakten und zählt in dieser Sache deshalb zum Glück nicht. Das Du dann noch nicht darauf verzichtest ein bisschen Politiker-Bashing zu betreiben, weil die angeblich zu viel Angst hatten deiner abstrusen Theorie zu folgen, das setzt dem ganzen die Krone auf.
lichtschalter 26.04.2011
3. anderer Zweck
Das Flugverbot wird einem anderen Zweck gedient haben: 2 Wochen keine künstliche Cirrus-Bewölkung werden der Wissenschaft erlaubt haben, den Einfluss der Fliegerei auf das Klima besser einzuschätzen. Der dürfte beträchtlich [...]
Das Flugverbot wird einem anderen Zweck gedient haben: 2 Wochen keine künstliche Cirrus-Bewölkung werden der Wissenschaft erlaubt haben, den Einfluss der Fliegerei auf das Klima besser einzuschätzen. Der dürfte beträchtlich sein. Vielleicht kommt dann endlich die Kerosin-Steuer.
Stefanspiegelt 26.04.2011
4. @Zorpheus
Auch die Passagiere hätten ein Problem bekommen: sie wären gestorben. Ach ja, richtig, wirtschaftliche Schäden gilt es zu vermeiden, steht ja schon so in Art.1 GG
Zitat von ZorpheusOk die Teilchen waren gefährlich. Aber die Frage ist doch auch die Konzentration. Ein paar Partikel bringen noch kein Flugzeug zum Absturz. Meiner Meinung nach hätte man kein so totales Flugverbot erteilen dürfen. Man hat ja so getan, als ob die Flugzeuge gleich beim ersten Flug runterfallen könnten, aber damit war überhaupt nicht zu rechnen. Man hätte gleich einzelne Flüge machen müssen, und nach jedem Flug überprüfen müssen, welche Schäden auftreten. Aber dadurch dass gleich garnichts mehr geflogen ist, wusste man nicht, welche Gefahr überhaupt besteht. Das unglaublichste an der Sache ist finde ich, dass keiner der Politker fürs Nichtstun abgestraft wurde. Keiner hat sich getraut, das minimale Risiko von ein paar Flügen einzugehen, weil sie bei einem Absturz Probleme bekommen hätten. Aber für das ganze Chaos und die wirtschaftlichen Schäden die es dadurch gab werden sie nicht verantwortlich gemacht.
Auch die Passagiere hätten ein Problem bekommen: sie wären gestorben. Ach ja, richtig, wirtschaftliche Schäden gilt es zu vermeiden, steht ja schon so in Art.1 GG
Zyklotron 26.04.2011
5. blue
Aber der blaue Himmel in dieser Zeit war schön. Es sollte öfter flugbefreite Wochen geben. :D
Aber der blaue Himmel in dieser Zeit war schön. Es sollte öfter flugbefreite Wochen geben. :D

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