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Wissenschaft

Gefährliche Pflanzenkrankheit

Die Banane ist vom Aussterben bedroht

Der Pflanzenschädling TR4 hat Kolumbien erreicht. Weil es kein Gegenmittel gibt, könnte die Banane bald ganz aus dem Obstregal verschwinden. Eine alternative Sorte ist nicht in Sicht.

iStockphoto/ Getty Images

Bananen im Supermarkt: Alternativen zur derzeit angebauten Sorte gibt es bisher nicht

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Dienstag, 03.09.2019   15:19 Uhr

Wer die Mangelwirtschaft in der ehemaligen DDR an einem einzigen Produkt illustrieren will, wählt gerne die im Osten Deutschlands früher notorisch selten erhältliche Banane. Inzwischen ist sie nach dem Apfel das zweitbeliebteste Obst der Deutschen - und an Versorgungsengpässe in hiesigen Supermärkten muss niemand mehr einen Gedanken verschwenden. Das könnte sich jedoch bald ändern.

Seit den Neunzigerjahren breitet sich weltweit eine tödliche Pilzkrankheit aus und hat nun mit dem ersten Nachweis in Kolumbien auch Südamerika erreicht - die Region aus der fast alle Bananen in deutschen Supermärkten stammen. Mittel- und Südamerika liefern 99 Prozent der Bananen, die hierzulande zu finden sind, knapp eine Million Tonnen im Jahr, berichtet der Deutsche Fruchthandelsverband (DFHV).

"Zu befürchten ist, dass in absehbarer Zeit keine Bananen der Sorte Cavendish für den deutschen Markt mehr zur Verfügung stehen werden", so der DFHV. 90 Prozent der nach Deutschland importierten Bananen gehören zu dieser Sorte. Verantwortlich ist die sogenannte Panamakrankheit. Es wäre nicht das erste Mal, dass ihretwegen eine Bananensorte knapp wird.

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Unter dem Begriff Panamakrankheit werden Varianten des Pilzes Fusarium oxysporum f. sp. cubense zusammengefasst, die auf unterschiedliche Bananensorten spezialisiert sind. Die erste bekannte Form des Erregers sorgte dafür, dass in den Sechzigerjahren die damals am weitesten verbreite Bananensorte Gros Michel aus dem Angebot verschwand - und die Cavendish überhaupt erst zur Standardbanane wurde.

Stirbt die Cavendish bleiben kaum noch Alternativen

Gros Michel, in den USA auch "Big Mike" genannt, schmeckte intensiver als die Cavendish und ließ sich wegen ihrer dickeren Schale besser transportieren. Das nutzte allerdings nichts, als vor etwa sechzig Jahren in Panama erstmals der tödliche Erreger Tropical Race 1 (TR1) auftauchte. Ein Mittel, das die Pflanzen vor dem Pilz schützen kann, gibt es bis heute nicht.

So breitete sich TR1 von Mittelamerika nach Südamerika, Afrika, Asien und Australien aus. Befallene Plantagen mussten gerodet werden und waren für den Bananenanbau anschließend nicht mehr zu gebrauchen. Farmern blieb nichts anderes übrig, als Gros Michel durch die Cavendish zu ersetzen, die wir heute essen.

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Sie hatte sich als TR1-resistent erwiesen. Doch der Schadpilz, der die Panamakrankheit auslöst, kann sich an verschiedene Bananensorten anpassen und bringt nun auch die Cavendish in Gefahr. Diesmal gibt es allerdings keine resistente Sorte, die stattdessen angebaut werden könnte.

Weltweit wichtigste Bananen-Exportregion betroffen

Tropical Race 4 (TR4), wie der neuere Erreger heißt, wurde zunächst vereinzelt in Südostasien gefunden. Mit der Zeit breitete er sich in den Mittleren Osten, nach Australien und Afrika aus. Mit Indien und China sind heute bereits die weltweit größten Bananenproduzenten betroffen.

In Südamerika könnte TR4 bald Brasilien und Ecuador erreichen, die dritt- und viertgrößten Bananenhersteller weltweit (siehe Grafik). Südamerika ist mit einem jährlichen Verkaufswert von sechs Milliarden Dollar insgesamt die wichtigste Exportregion.

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Zwar versuchen die betroffenen Staaten seit Jahren, den Schädling durch Schutzmaßnahmen einzudämmen, doch noch keinem Land ist das langfristig gelungen. Auch Kolumbien hat nach dem Fund den nationalen Notstand ausgerufen und angekündigt, die 170 Hektar betroffenes Farmland niederzubrennen. An Häfen, Flughäfen und Grenzen soll es verstärkt Kontrollen geben.

Doch hat der Erreger eine Region einmal erreicht, lässt er sich kaum mehr aufhalten. TR4 lebt im Boden. Eine mit Erde verschmutzte Schuhsohle oder ein Pflanzenteil reichen aus, um den Pilz von einer Plantage in die nächste zu tragen. Auch im Wasser überlebt der Erreger. Ist er einmal im Boden kann er noch Jahre später Bananenstauden infizieren.

Der Pilz dringt über die Wurzeln in das Gefäßsystem der Bananen ein und breitet sich dort aus, bis die Pflanze verhungert und verdurstet - äußerlich ist das an gelben, hängenden Blättern zu erkennen. Für den Menschen ist die Panamakrankheit keine Gefahr.

"Die schlimmste, verrückteste Monokultur der Welt"

Dass sie so schwer einzudämmen ist, liegt auch an der Art und Weise, wie Bananen angebaut werden. Im Gegensatz zu wilden Bananen können sich die modernen Kultursorgen nicht eigenständig vermehren, weil sie keine Samen haben. Diese wurden aus Geschmacksgründen herausgezüchtet. Vermehrt werden die Pflanzen nun, indem Farmer abgeschnittene Triebe in die Erde stecken.

Alle Cavendish-Bananen sind deshalb genetisch identische Klone. "Bananen sind die schlimmste, verrückteste Monokultur der Welt", sagte der Bananen-Spezialist Gert Kema von der niederländischen Universität Wageningen dem SPIEGEL im Jahr 2016. Die Klone haben Krankheitserregern so gut wie nichts entgegenzusetzen. Gelingt es einem Pilz, eine einzige solche Pflanze zu befallen, ist die gesamte Population in Gefahr.

Wie schnell sich die Krankheit nun in Südamerika ausbreiten wird, lässt sich schwer abschätzen. Meist dauert es eine Weile. So brauchte TR4 beispielsweise knapp 20 Jahre, um vom Northern Territory in Australien, wo es 1997 erstmals entdeckt wurde, bis in den Norden des Nachbarbundesstaates Queensland zu gelangen.

"Diese Epidemien entwickeln sich langsam", sagte Randy Ploetz, Pflanzenpathologe an der University of Florida der Newsseite des Fachmagazin "Nature". "Aber irgendwann wird es nicht mehr möglich sein, Cavendish für den internationalen Handel zu produzieren." Dann könnten tatsächlich Bananen-Regale auch und erst Recht in deutschen Supermärkten leer bleiben.

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"Die Banane, die wir kennen, ist extrem bedroht - und ein Nachfolger nicht in Sicht", warnte Kema bereits vor drei Jahren. Zwar ist es denkbar, dass sich noch einmal eine TR4-resistente Bananensorte züchten lässt, indem man verschiedene Sorten kreuzt. Bislang war das allerdings wenig Erfolg versprechend.

Experten setzen ihre Hoffnung daher verstärkt auf Versuche mit der Genschere Crispr. Wissenschaftler der Universität Queensland haben festgestellt, dass die Cavendish ein Gen in sich trägt, dass eine Sorte Wildbananen vor dem gefährlichen TR4-Pilz schützt. Dieses wird in der Kulturpflanze aber kaum abgelesen. Sie wollen die Aktivität des Gens nun mithilfe von Crispr steigern.

Ob das gelingt, ist noch unklar. Aber selbst falls das Projekt Erfolg hat, wird es Deutschland die Versorgung mit Bananen nicht sichern. Im Juli 2018 hat der Europäische Gerichtshof festgestellt, dass mit Crispr genetisch veränderte Pflanzen unter das strenge europäische Gentechnikrecht fallen. Der Import einer mit der Technik hergestellten TR4-resistenten Banane nach Europa müsste daher zunächst beantragt werden. Ob die Verbraucher die Früchte kaufen würden, ist fraglich.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels hieß es, der Import von Crispr-Bananen nach Europa sei verboten. Wir haben die Passage korrigiert.

insgesamt 42 Beiträge
MatthiasPetersbach 03.09.2019
1. Bananen ....
...sind super, gesund und schmecken gut. Aber das, was bei uns wächst, eben auch. So gesehen trifft das wohl die Erzeuger (oder deren Ausbeuter) mehr als uns Verbraucher. Und vielleicht gibts dann irgendwann bei uns auch [...]
...sind super, gesund und schmecken gut. Aber das, was bei uns wächst, eben auch. So gesehen trifft das wohl die Erzeuger (oder deren Ausbeuter) mehr als uns Verbraucher. Und vielleicht gibts dann irgendwann bei uns auch Bananen aus der unheimlichen Vielfalt dieser Fruchtfamilie, die noch besser schmecken und wg Seltenheit und Preis eben nur alle Vierteljahre auf den Tisch kommen. Einen Verlust sehe ich darin wirklich nicht.
specialsymbol 03.09.2019
2. So schlimm wird es schon nicht sein
Erstens ist das noch alles weit in der Zukunft. Wer weiß ob es wirklich so kommt, es gibt keine Indizien dass sich der Pilz in Südamerika genauso ausbreitet wie in Australien. Außerdem findet die Wissenschaft sicher eine [...]
Erstens ist das noch alles weit in der Zukunft. Wer weiß ob es wirklich so kommt, es gibt keine Indizien dass sich der Pilz in Südamerika genauso ausbreitet wie in Australien. Außerdem findet die Wissenschaft sicher eine Möglichkeit die Katastrophe abzuwenden, auch ohne Gentechnik. Und wenn nicht können wir doch einfach eine neue Sorte züchten. Oder man baut Gros MIchel wieder an, die schmeckt sowieso besser. Wäre das wirklich so schlimm hätte die Politik längst wirksame Maßnahmen getroffen um die Verbreitung einzuschränken. Einfach so kommt der Pilz doch nicht nach Südamerika, der kann schließlich nicht fliegen. Und dass die Industrie das Problem als nicht so schlimm ansieht merkt man bereits daran, dass sie ebenfalls keine Vorsichtsmaßnahmen getroffen hat. Für alles mögliche muß man die Schuhe, Werkzeug oder Berufskleidung wechseln, dann wäre das in so einem Fall auch möglich gewesen. Schon aus Gründen der Gewinnsicherung. Aber die Industrie hat nichts unternommen, vermutlich weil bereits die nächste Sorte in der Zucht ist. So unverantwortlich würde niemand handeln, erst recht kein gewinnorientiertes Unternehmen mit Interesse an langfristigem Erfolg.
hw7370 03.09.2019
3. Irrefuehrung
Die Banane ist nicht vom Aussterben bedroht. Es gibt etwa 600 essbare Bananensorten, aber die EU-Richtlinien haben sich auf nur eine Sorte eingeschossen. Banana-Creole etwa ist eine der feinsten Sorten, doppelt suess, aber auch [...]
Die Banane ist nicht vom Aussterben bedroht. Es gibt etwa 600 essbare Bananensorten, aber die EU-Richtlinien haben sich auf nur eine Sorte eingeschossen. Banana-Creole etwa ist eine der feinsten Sorten, doppelt suess, aber auch doppelt sensibel. Die Unsitte die kaufbare Banane zu entsamen, (damit der Deutsche sie besser zu Bananenmilch puerieren kann?), obwohl sich geschmacklich nichts aendert, ist schuld an dieser Art menschengemachter Naturmanipulation. Darum: Esst mehr Platanos (Kochbanenen die beim backen wahnsinnig suess wird).
The Restless 03.09.2019
4. In Südasien
kann man jede Menge verschiedener Bananensorten finden. Auch wilde Sorten, die sich noch eigenständig fortpflanzen können. Wieso sollen die nicht so gut schmecken? Im Gegenteil!
kann man jede Menge verschiedener Bananensorten finden. Auch wilde Sorten, die sich noch eigenständig fortpflanzen können. Wieso sollen die nicht so gut schmecken? Im Gegenteil!
HerrPeterlein 03.09.2019
5. Grenze der Monokultur, nicht der Banane
Irgendwann kommt jede Monokultur durch Krankheiten an ihre Grenze und (Fast)Ausrottung. Dann muss man auf andere (Wild)Bananen setzen, die haben kein Problem mit dem Erreger, nur ist das Endprodukt dann teuer.
Irgendwann kommt jede Monokultur durch Krankheiten an ihre Grenze und (Fast)Ausrottung. Dann muss man auf andere (Wild)Bananen setzen, die haben kein Problem mit dem Erreger, nur ist das Endprodukt dann teuer.

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