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Wissenschaft

Artenschutzkonferenz Cites

Das Ende der legalen Elfenbeinmärkte

Seit 1989 ist der internationale Handel mit Elfenbein tabu, nun gilt das auch auf nationaler Ebene. Zudem verschärfte die Weltartenschutzkonferenz den Schutz vieler Reptilien, die durch Haustierhalter in der EU gefährdet werden.

DPA

Elefanten trinken im Tsavo-Nationalpark in Kenia

Dienstag, 04.10.2016   10:46 Uhr

Elfenbein darf in Zukunft nicht mehr gehandelt werden, weder national noch international. Zu diesem Beschluss kam die Weltartenschutzkonferenz (Cites) in Johannesburg. Damit lehnte sie nicht nur Anträge von Namibia und Simbabwe zur Lockerung des internationalen Handelsverbots ab. Sie verschärfte mit dem nationalen Verbot auch noch die Regelung.

"Die Entscheidung ist ein Riesenschritt für einen besseren Elefantenschutz", erklärte WWF-Artenschutzexperte Arnulf Köhncke. "Gerade auf schlecht kontrollierten legalen Märkten findet sich immer wieder gewildertes und damit illegales Elfenbein." Die Artenschutzkonferenz hatte bereits 1989 beschlossen, den internationalen Handel mit Elfenbein zu verbieten.

Kein strengerer Schutz für afrikanische Elefantenpopulationen

Am Flughafen der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi wurden erst am Wochenende 300 Kilogramm Elfenbein beschlagnahmt. Auch in Deutschland sind Schmuggler aktiv: Im September wurden bei einem Doppelfund in Rheinland-Pfalz und Potsdam 1,2 Tonnen unter anderem zu Schmuckdosen und Salatbesteck verarbeitetes Elfenbein sichergestellt.

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Sichergestellte Gegenstände aus Elfenbein in Berlin

Anträge für einen strengeren Schutz der Elefantenpopulationen von Südafrika, Botsuana, Namibia und Simbabwe lehnten die Teilnehmer in Johannesburg aber ab. Auch die EU stimmte dagegen, die Elefanten in eine höhere Schutzkategorie einzustufen. Arnulf Köhncke, Artenschutzreferent beim WWF Deutschland, kann die Entscheidung nachvollziehen.

Der Nutzen hätte sich auf die Symbolik beschränkt, so Köhncke. "Hinzu kommt, dass die betroffenen Länder einen nationalen Vorbehalt gegen die Hochstufung hätten geltend machen können, wovon zumindest Namibia laut eigener Ankündigung Gebrauch gemacht hätte", erklärte Köhncke. Dadurch hätte das Land die Möglichkeit gehabt, aus dem Cites-Abkommen für Elefanten ganz auszusteigen.

EU-Bürger als Reptilienschmuggler

Bei anderen Tieren hingegen wurden die Richtlinien zu ihrem Schutz erfolgreich hochgestuft, darunter 55 Reptilienarten. "Nie zuvor wurden so viele verschiedene Reptilien, die für den europäischen Heimtierhandel geplündert werden, unter Schutz gestellt", sagte Sandra Altherr von Pro Wildlife. Oft seien die Schmuggler EU-Bürger. Die Szene treffe sich auf Reptilienbörsen.

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Artenschutzkonferenz: Entscheidungen über Leben und Tod

Die Weltartenschutzkonferenz einigte sich zudem darauf, den Handel mit Löwenprodukten zu beschränken. Verboten ist künftig der kommerzielle Handel mit Knochen und anderen Skelettteilen von Löwen aus freier Natur. Artenschützer kritisieren, dass die Ausfuhr von Produkten gezüchteter Tiere erlaubt bleibt.

"Um den boomenden Handel zu beenden, hätte es konsequentere Schutzmaßnahmen gebraucht", sagte Daniela Freyer von Pro Wildlife. Der Ausbeutung von Löwen in afrikanischen Zucht- und Jagdfarmen sei kein Riegel vorgeschoben worden. Der Handel mit Löwenknochen nahm demnach in den vergangenen Jahren enorm zu, weil sie als Ersatz für Tigerknochen in der sogenannten Traditionellen Medizin eingesetzt werden.

Vertreter aus 183 Ländern tagen noch bis zum 5. Oktober in Johannesburg, um Regeln für den Handel mit gefährdeten Arten zu erstellen. Die Beschlüsse vom Wochenende und vom Montag müssen in den kommenden Tagen noch endgültig verabschiedet werden.

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irb/dpa

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