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Wissenschaft

Cosmic Crisp

Hype um Super-Apfel

Jahrzehntelang tüftelten US-Wissenschaftler an einem Apfel, der ein Jahr lang haltbar sein soll. Nun kommt das begehrte Obst auf den US-Markt.

Cosmic Crisp

Cosmic Crisp: Die Wunderäpfel sollen noch in dieser Woche auf den Markt kommen

Dienstag, 03.12.2019   04:43 Uhr

Unzählige Schlagzeilen, eine Baum-Lotterie und ein Werbebudget von mehr als zehn Millionen Dollar: Selten wurde eine Frucht so gehypt wie der Cosmic Crisp. Die neue Apfelsorte soll gekühlt bis zu einem Jahr haltbar sein, kaum braun anlaufen, wenn man sie aufschneidet, und süß schmecken.

Entwickelt wurde der Apfel an der Washington State University (WSU). Für jeden verkauften Baum bekommt die Universität eine Lizenzgebühr. Über 20 Jahre hinweg tüftelten die Forscher an der perfekten Kreuzung zwischen den Sorten "Honeycrisp" und "Enterprise".

Heraus kam der sogenannte Cosmic Crisp, der auf reiner Züchtung basiert, Gentechnik kam nicht zum Einsatz. Der Apfel bekam den Namen, weil seine tiefrote Schale von weißen Punkten gesprenkelt sei wie der Nachthimmel. Der Zusatz "crisp" verspricht, dass die Frucht besonders frisch und knackig bleibt. Der wissenschaftliche Name lautet "WA38".

Kritiker sehen Apfel als Marketing-Gag

2017 wurden die ersten kommerziellen Cosmic-Crisp-Bäume gepflanzt. Die Nachfrage war damals so groß, dass die begehrten Bäume verlost wurden. Seitdem sind laut "BBC" zwölf Millionen Exemplare gepflanzt worden, alle ausschließlich im US-Bundesstaat Washington.

Der US-Bundesstaat ist der größte Apfelproduzent in den USA und hat bekannte Sorten wie den Golden Delicious hervorgebracht. In den vergangenen Jahren wuchs jedoch die Konkurrenz durch andere Sorten wie Pink Lady und Royal Gala. Daher musste eine neue Apfelsorte her. Der Sortenschutz gilt noch bis 2027.

In dieser Woche wird die erste kommerzielle Ernte in US-Supermärkten zu kaufen sein. 450.000 Kisten werden dafür ausgeliefert, 2020 sollen es schon 2,1 Millionen sein. Mit umgerechnet neun Euro pro Kilogramm wird der Apfel jedoch deutlich teurer sein als andere Sorten.

Ob das Wunder-Obst hält, was es verspricht, muss sich erst noch zeigen. Kritiker wittern vor allem einen Marketing-Gag. Allein die Werbekampagne für den neuen Apfel kostete mehr als zehn Millionen Dollar.

Laut "Financial Times" sei es geradezu absurd, ausgerechnet in einer Zeit einen neuen Apfel zu züchten, in der sich viele nach authentischen Lebensmitteln direkt vom Erzeuger sehnten. Wie wichtig Marketing für einen Apfel sein kann, zeigt jedoch das Beispiel Pink Lady. Der weltweit verkaufte Apfel hat seinen Ursprung in Australien und löste einen ähnlichen Hype aus, als er auf den Markt kam.

In Europa wird die neue Apfelsorte erst im kommenden Jahr zu kaufen sein. Gerade der Markt in Deutschland könnte lukrativ werden. Der Apfel ist hierzulande das beliebteste Obst. Statistisch betrachtet isst jeder Mensch in Deutschland 30 Kilogramm Äpfel pro Jahr.

koe

insgesamt 10 Beiträge
kmussfeldt 03.12.2019
1. Noch so ein Hype
Allein schon die Aussage "läuft nicht braun an" lässt vermuten, dass die Sorte wie "PinkLady" keine oder keine nennenswerte Menge an Plyhenole enthält, der Stoff, der mit dafür sorgt, dass Äpfel als gesund [...]
Allein schon die Aussage "läuft nicht braun an" lässt vermuten, dass die Sorte wie "PinkLady" keine oder keine nennenswerte Menge an Plyhenole enthält, der Stoff, der mit dafür sorgt, dass Äpfel als gesund gelten. Also wahrscheinlich genauso gesund wie das "Milch"sandwich, da hauptsächlich Zucker ohne wertvolle Inhaltsstoffe enthalten sind. Ein weiteres Element sur allgemeinen Obesität. Und wer hast erfunden? Das Weltmeisterland im Übergewicht.
karlsiegfried 03.12.2019
2. Ich verzichte gerne darauf
Ich mag keine Äpfel aus der Retorte. Ich mag Äpfel wie sie vom Baum fallen, bereits seit Hunderten von Jahren. Hat die Menschheit wirklich keine andere Sorgen mehr als neue Apfelsorten zu züchten. Waren die alten Sorten nicht [...]
Ich mag keine Äpfel aus der Retorte. Ich mag Äpfel wie sie vom Baum fallen, bereits seit Hunderten von Jahren. Hat die Menschheit wirklich keine andere Sorgen mehr als neue Apfelsorten zu züchten. Waren die alten Sorten nicht mehr gut genug?
realheadache 03.12.2019
3. wissenschaftlicher Name
dürfte wohl eher malus domestica sein und W38 ist der Variantenname. 3s Arbeit mit Wikipedia.
dürfte wohl eher malus domestica sein und W38 ist der Variantenname. 3s Arbeit mit Wikipedia.
permissiveactionlink 03.12.2019
4. Ein Apfel für Prepper !
Ich persönlich brauche keine Äpfel, die sich ein Jahr halten. Auf einer benachbarten Streuobstwiese, für die sich niemand mehr verantwortlich fühlt, wachsen ein paar uralte Apfel- und Birnensorten. Will keiner haben, die Ernte [...]
Ich persönlich brauche keine Äpfel, die sich ein Jahr halten. Auf einer benachbarten Streuobstwiese, für die sich niemand mehr verantwortlich fühlt, wachsen ein paar uralte Apfel- und Birnensorten. Will keiner haben, die Ernte macht Mühe ! Und sie sind auch nicht so ansehnlich. Aber schmecken tun die : da kann man jeden Designerapfel und jede Discounter-Birne gegen vergessen ! Und haltbar machen kann man sie auch : Als Apfelmus oder Birnenkompott ! Ich persönlich habe nichts gegen die unablässige Weiterzüchtung von Apfelsorten, auch nicht gegen die Veredelung uralter Sorten auf jungen Apfelbäumen, oder die Kombination wertvoller Merkmale (Geschmack, Inhaltsstoffe, Schädlingsresistenz etc.) mit modernen gentechnischen Verfahren wie Crispr-Cas. Aber ein jahrelang haltbarer Apfel, der zuckerig nach 0815 schmeckt, gehört nicht zu meinen Begehrlichkeiten. Es gibt soviele gute alte Sorten : Cox Orange, Rubinette, Boskoop, usw., da findet sich für jeden etwas vorausgesetzt, die alten Sorten werden bewahrt wie kostbare Schätze !
wurzelpurzel 03.12.2019
5.
Endlich kann man sich Äpfel kaufen, um sie zu lagern, und nicht, um sie zu essen.
Endlich kann man sich Äpfel kaufen, um sie zu lagern, und nicht, um sie zu essen.

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