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Wissenschaft

Diskussion über gepimpte Hurrikan-Karte

Unter Trump wird selbst das Wetter politisch

Hurrikan "Dorian" werde Alabama treffen, warnte Donald Trump. Meteorologen kassierten die Warnung zunächst, sprangen dem US-Präsidenten dann aber bei. Wissenschaftler fürchten nun um die Unabhängigkeit der Wettervorhersage.

Evan Vucci/ AP

Ein Kringel - gezeichnet mit Filzstift - reichte, um eine politische Debatte loszutreten

Dienstag, 10.09.2019   14:05 Uhr

Eine Behauptung, ein Dementi und das Dementi vom Dementi: Das ist der Verlauf im Skandal um die gepimpte Hurrikan-Karte von Donald Trump. War der Streit zunächst eher amüsant, zeigt sich jetzt: Das Weiße Haus übt offenbar Druck auf US-Behörden aus - und Wissenschaftler fühlen sich gegängelt.

Angefangen hatte alles mit einem Tweet des US-Präsidenten vom 1. September. Darin warnte er, die Auswirkungen von Hurrikan "Dorian" könnten mehrere US-Bundesstaaten deutlich härter treffen als erwartet und nannte dabei auch Alabama.

Minuten später gab der zuständige Wetterdienst Entwarnung. "Wir wiederholen, in Alabama werden keine Auswirkungen des Hurrikan 'Dorian' zu spüren sein", heißt es in einem Tweet des National Weather Service von Birmingham im US-Bundesstaat Alabama.

Doch Trump beharrte auf seiner Meinung. Zum Beweis präsentierte er drei Tag später, am 4. September, eine Karte mit "Dorians" wahrscheinlichem Verlauf. Das Gebiet war offenbar nachträglich mit einem schwarzen Filzstift vergrößert worden, sodass nun auch Alabama betroffen war. (Mehr zu den politischen Folgen lesen Sie hier.)

Während sich die Welt über die gepimpte Karte des Präsidenten amüsierte, sprang die US-Meteorologiebehörde NOAA dem Präsidenten überraschend bei.

In einem Statement vom 6. September heißt es, Prognosen hätten tatsächlich darauf hingedeutet, dass Alabama von "Dorian" getroffen werden könnte. Die Entwarnung des Wetterdienstes in ihrer absoluten Formulierung lasse "Wahrscheinlichkeiten der derzeit besten Vorhersagesysteme" außer Acht. Verwiesen wird auf Vorhersagen zwischen dem 28. August und 2. September, die zeigten, dass Alabama mit einer Wahrscheinlichkeit von bis zu 30 Prozent getroffen werden könnte.

Übte die Regierung Druck aus?

Das Brisante: Die NOAA widersprach damit ihren eigenen Wissenschaftlern, die Wetterdienste sind ihr unterstellt. Meteorologen reagierten empört und werfen der Behörde vor, aus politischen Gründen zurückgerudert zu sein.

Laut Berichten der "New York Times" soll Handelsminister Wilbur Ross persönlich gedroht haben, hochrangige Mitarbeiter zu entlassen, wenn der Widerspruch zu den Aussagen des Präsidenten nicht ausgeräumt werde. Das Handelsministerium bestreitet das.

Zuvor hatte die "Washington Post" berichtet, NOAA-Mitarbeiter seien nach Trumps Tweet aufgefordert worden, sich auf Vorhersagen zu beschränken und keine Meinungen mitzuteilen. Die Aufforderung sei wiederholt worden, nachdem Trump die manipulierte Karte präsentiert hatte.

"Entscheidung aus politischen Gründen"

Craig McLean, Chefwissenschaftler der NOAA, kündigte an, die Vorwürfe zu prüfen. Laut Medienberichten schrieb er in einer E-Mail: "Nach meinem Verständnis beruhte die Entscheidung, den Vorhersagen zu widersprechen, nicht auf wissenschaftlichen Überlegungen, sondern auf äußeren Faktoren wie Ansehen und Wahrnehmung oder einfach gesagt: politischen Gründen." Die NOAA müsse lebensrettende Informationen, die die öffentliche Sicherheit betreffen, politisch unabhängig verbreiten dürfen.

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Diese Auffassung soll jedoch nicht die einzige Lesart des Skandals sein, wie die "New York Times" weiter berichtet. Demnach vermutet ein hochrangiger Verwaltungsmitarbeiter, der Wetterdienst Alabama habe den US-Präsidenten bloßstellen wollen und dabei einen Fehler gemacht, den die NOAA später korrigieren musste. Belegen konnte er die These laut "New York Times" nicht.

Fest steht: Alabama blieb von Hurrikan "Dorian" verschont. Die aktuelle Diskussion offenbart jedoch, wie sehr die Präsidentschaft Trumps die USA politisiert hat - selbst bei der Wettervorhersage.

koe

insgesamt 31 Beiträge
DougStamper 10.09.2019
1. Politisiert?
"Die aktuelle Diskussion offenbart jedoch, wie sehr die Präsidentschaft Trumps die USA politisiert hat - selbst bei der Wettervorhersage." Politisiert? Verblödet! Entweder man huldigt donnie oder man wird gefeuert. Und auf der [...]
"Die aktuelle Diskussion offenbart jedoch, wie sehr die Präsidentschaft Trumps die USA politisiert hat - selbst bei der Wettervorhersage." Politisiert? Verblödet! Entweder man huldigt donnie oder man wird gefeuert. Und auf der anderen seite verdammt man ihn oder wird beschimpft. Die USA ist gespalten wie seit dem Bürgerkrieg nicht mehr. Und ich gehe davon aus, dass donnie das white house nicht einfach verlässt wenn er tatsächlich die nächste Wahl verliert. Trump treibt die Staaten in einen neuen wahrscheinlich noch größeren Bürgerkrieg, diesmal nicht Nord gegen süd, sondern rot gegen blau. Ich müsste mich wirklich täuschen wenn seine Follower eine Abwahl einfach hinnehmen.
geri&freki 10.09.2019
2. Politisches Marionetten-Theater
Wie tief muss die politische Kultur in den USA noch sinken, bis man diesem Kasperle-Theater endlich ein Ende macht? Selbst die wissenschaftliche Wertfreiheit einer ganz normalen Wettervorhersage wird mittlerweile zum Politikum und [...]
Wie tief muss die politische Kultur in den USA noch sinken, bis man diesem Kasperle-Theater endlich ein Ende macht? Selbst die wissenschaftliche Wertfreiheit einer ganz normalen Wettervorhersage wird mittlerweile zum Politikum und mittels massiver Repressionen so lange zurechtmanipuliert, bis sie dem - qua Amtes - allerhöchsten Wetterpropheten des Landes ins eigene Welt- und Selbstbild passt.
Frank N. Stein 10.09.2019
3. Trump ist ihr bestes Vorhersagesystem?
Das schließe ich zumindest aus diesem Abschnitt: Prognosen hätten tatsächlich darauf hingedeutet, dass Alabama von "Dorian" getroffen werden könnte. Die Entwarnung des Wetterdienstes in ihrer absoluten Formulierung [...]
Das schließe ich zumindest aus diesem Abschnitt: Prognosen hätten tatsächlich darauf hingedeutet, dass Alabama von "Dorian" getroffen werden könnte. Die Entwarnung des Wetterdienstes in ihrer absoluten Formulierung lasse "Wahrscheinlichkeiten der derzeit besten Vorhersagesysteme" außer Acht. Könnte er nicht auch mal sechs Zahlen plus Zusatzzahl mit seinem Filzstift auf ein Blatt Papier schreiben?
KingTut 10.09.2019
4. Wissenschaft im Dienste Trumps
Das ganze Theater findet nur statt, weil Trump nicht zugeben kann, dass er sich bei seiner Prognose auf eine überalterte Wetterkarte stützte. Um Recht zu behalten, verplemperte er - während der Sturm an der US-Ostküste wütete [...]
Das ganze Theater findet nur statt, weil Trump nicht zugeben kann, dass er sich bei seiner Prognose auf eine überalterte Wetterkarte stützte. Um Recht zu behalten, verplemperte er - während der Sturm an der US-Ostküste wütete - seine Zeit damit, die Öffentlichkeit vom Gegenteil zu überzeugen. Bei einem Dutzend habe ich aufgehört, seine Tweets zu diesem Thema zu zählen. Zu Wilbur Ross: das ist doch dieser unsensible Multimillionär, der während des government shutdown den unbezahlten Staatsbediensteten allen Ernstes empfahl, einen Bankkredit aufzunehmen, um über die Runden zu kommen. Ich wäre jedenfalls nicht überrascht, wenn er auf Weisung Trumps Druck auf den nationalen Wetterdienst ausgeübt hätte. Für die Wissenschaft ist diese Tendenz jedenfalls nicht gut. Ich hoffe, sie wehren sich vehement.
Gluehweintrinker 10.09.2019
5. Rechtspopulismus vs. Fakten. Populismus gewinnt?
In US-Behörden und Institutionen regiert nur noch die pure Angst, vom Irren im Weißen Haus gefeuert zu werden. Hier geht der Orangene bekanntlich über Leichen. Wer ihm widerspricht, verliert den Job. Die Wahrheit wird seit 2017 [...]
In US-Behörden und Institutionen regiert nur noch die pure Angst, vom Irren im Weißen Haus gefeuert zu werden. Hier geht der Orangene bekanntlich über Leichen. Wer ihm widerspricht, verliert den Job. Die Wahrheit wird seit 2017 im Oval Office gemacht, vom Größten US-Präsidenten aller Zeiten, der nach eigenen Worten so schlecht behandelt werden wie noch kein anderer Präsident vor ihm. Gut, er hat jene vergessen, die ermordet wurden, aber - hey - die Wahrheit wird schließlich im Oval Office gemacht.

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