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Wissenschaft

Hurrikan-Jäger

Im Auge des Sturms

Um genaue Vorhersagen über Stürme wie "Dorian" erstellen zu können, begeben sich Meteorologen mit Spezialflugzeugen in deren gewaltiges Zentrum. Der Job der "Hurricane Hunters" ist alles andere als ungefährlich.

DPA

Blick ins Auge von Hurrikan "Dorian", aufgenommen von der Internationalen Raumstation ISS

Mittwoch, 04.09.2019   10:09 Uhr

Was es bedeutet, wenn ein Hurrikan der Kategorie fünf über die Köpfe hinwegfegt, haben Menschen im Norden der Bahamas jüngst am eigenen Leib gespürt. Auf der Inselgruppe hat "Dorian" schwere Schäden hinterlassen - mindestens fünf Menschen kamen ums Leben.

Den Astronauten an Bord der Internationalen Raumstation ISS bietet sich dagegen ein ganz anderes Bild. Aus dem Weltraum wirken Dorians mächtige Wolkenberge zwar beeindruckend, aber harmlos. Auf der Erdoberfläche tobt der Sturm dagegen derzeit immer noch mit Windgeschwindigkeiten von etwas unter 200 Stundenkilometern. Zuletzt hatte sich Dorian weiter abgeschwächt und wurde von Kategorie fünf auf Kategorie zwei herabgestuft, wie das US-Hurrikan-Zentrum in Miami mitteilte.

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Noch friedlicher erscheint das Sturmmonster einigen Piloten der US-Air-Force und Wissenschaftlern der US-Meteorologiebehörde National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA). Diese als Hurricane Hunters bekannten Spezialisten fliegen direkt in das Auge des Sturms, um Daten für Vorhersagen zu sammeln und ihn zu beobachten. Die Hurrikan-Jäger der NOAA verwenden dafür spezielle Flugzeuge: Beispielsweise Cessna Citations, Gulfstream IV oder zwei Lockheed WP-3D. Dabei handelt es sich um propellergetriebene Aufklärungsmaschinen, die mit verschiedenen Messeinrichtungen ausgestattet sind.

REUTERS

Im Inneren des Hurrikans scheint die Sonne

Auf einem Foto, das am Sonntag aus einem fliegenden Labor aufgenommen wurde, scheint die Sonne direkt in das Zentrum des Sturms. In der Zone herrscht extrem niedriger Luftdruck, es ist fast windstill. Damit die Forscher dorthin kommen, bringen die Piloten die Maschine auf rund 3000 Meter Höhe. Viele der gesammelten meteorologischen und geografischen Daten während des Fluges, wie Geschwindigkeit und Stärke des Sturms, werden für Computermodelle verwendet. So lässt sich der Weg des Hurrikans in etwa vorhersagen.

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Damit Hurrikane entstehen können, braucht es verschiedene Faktoren: Ein windstilles Tiefdruckgebiet über dem Meer und warme Wassertemperaturen über 26 Grad. Dann steigt verdunstetes Wasser auf, kondensiert und bildet sich zu großen Wolken aus.

Vereinfacht gesagt, nimmt der Sturm durch das Wasser riesige Energiemengen auf: Durch das Aufsteigen und Kondensieren entsteht ein Unterdruck, der ihn vorwärts treibt. In der Folge strömt immer mehr Luft nach oben und wird schließlich herumgewirbelt. Ein ausgeprägter Hurrikan kann eine Energieleistung von 50 bis 200 Billionen Watt freisetzen. Rotiert die Luft mit einer Windgeschwindigkeit von etwa 120 Kilometern pro Stunde, spricht man von einem Hurrikan der Kategorie eins.

Ungefährlich sind die bis zu zehn Stunden langen Einsätze der Hurricane Hunters übrigens nicht. Seit dem Beginn der Erkundungsflüge in den Vierzigerjahren sind schon mehrere Maschinen abgestürzt. Mehr als 50 Menschen kamen ums Leben.

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Foto: REUTERS

joe

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