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Wissenschaft

Fund in Wiesbaden

Exotische Mückenart siedelt sich in Hessen an

In Deutschland hat sich offenbar eine Stechmückenart aus den Tropen angesiedelt. Forscher konnten die Tiere in Wiesbaden nachweisen. Sie seien potenzielle Krankheitsüberträger.

Dorian D. Dörge / Senckenberg & Goethe-Universität

Ein Weibchen der neu in Wiesbaden entdeckten Mückenart

Mittwoch, 06.03.2019   13:13 Uhr

Sie reisen in Blumenkübeln, in Stapeln von Altreifen oder in Zügen: In den vergangenen Jahren sind mindestens zwei exotische Mückenarten nach Deutschland eingewandert.

Und obwohl sie eigentlich aus tropischeren Gefilden kommen, können die Larven der Asiatischen Tigermücke und der Asiatischen Buschmücke auch in kälterer Umgebung überleben. Wie es aussieht, haben die Insekten nun Gesellschaft von einer weiteren Mückenart derselben Gattung bekommen.

Forscher der Senckenberg Gesellschaft und der Goethe-Universität Frankfurt am Main berichten im Fachmagazin "Parasitology Research" von Beobachtungen aus Wiesbaden. Dort scheint sich die tagaktive, blutsaugende Mückenart Aedes koreicus über mehrere Jahre etabliert zu haben. "Es ist wahrscheinlich, dass in Hessen eine ganze Population überwintert hat und diese Mücke langsam anfängt, sich in Deutschland auszubreiten", sagt Sven Klimpel, einer der beteiligten Wissenschaftler.

Eine einzelne Mücke der betreffenden Art war bereits 2015 in der Nähe von Augsburg gefunden worden. In den Jahren 2017 und 2018 konnten Klimpel und Kollegen das Insekt dann im Rahmen des bundesweiten Stechmücken-Monitorings in Hessen nachweisen, 400 Kilometer nordwestlich des ersten Fundorts.

Erster Nachweis in Belgien

In anderen Ländern Europas haben Forscher die Art Aedes koreicus bereits nachgewiesen, darunter in einem Industriegebiet in Belgien. Hier gab es 2008 die erste Beobachtung. Später wurden die Tiere unter anderem auch in Italien und Ungarn nachgewiesen. (Eine Übersichtskarte des Europäischen Seuchenzentrums ECDC zur Verbreitung finden Sie hier.)

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Ausbreitungspotenzial und klimatischen Vorlieben von Aedes koreicus ähnelten denen der bereits in Deutschland heimischen Asiatischen Tigermücke und Asiatischen Buschmücke, so Antje Steinbrink, Co-Autorin des Artikels. Die Insekten kommen eigentlich aus Ostasien und sind in unter anderem in Korea, Japan, China und in Teilen Russlands zu finden.

Die Mücken sind potenzielle Krankheitsüberträger, so können sie das Virus der Japanischen Enzephalitis übertragen, die in einem schweren Verlauf zu einer Gehirnentzündung führen kann. Laborversuche belegten auch die Verbreitung des Chikungunya-Virus, so die beteiligten Wissenschaftler. Darüber hinaus könnten die Mücken Menschen auch mit Fadenwürmern (Dirofilarien) infizieren. (Eine längere Analyse zur Gefahr der Krankheitsübertragung durch exotische Mücken finden Sie hier.)

Die Wissenschaftler wollen die Mückenpopulation von Wiesbaden genau im Blick behalten. Derzeit sei es auch noch denkbar, gezielt gegen die Tiere vorzugehen. "Haben sich die Mücken erst großflächig ausgebreitet, ist diese Chance jedoch vertan", so Forscher Klimpel.

Beim Kampf gegen Stechmücken ist ein klassischer Ansatz, den Tieren die Brutplätze zu entziehen, dazu gehören jegliche Wasseransammlungen wie etwa Regentonnen. Forscher hatten außerdem versucht, die Tigermücke in Süddeutschland mit einer Massensterilisationzurückzudrängen.

chs

insgesamt 21 Beiträge
Mikrohirn 06.03.2019
1. Die Malaria
war in Europa heimisch und wurde erst durch die großflächige Trockenlegung von Sümpfen ausgerottet (Mücken als Krankheitsüberträger wurde der Lebensraum entzogen). Naturschützer legen heute wieder in großem Stil [...]
war in Europa heimisch und wurde erst durch die großflächige Trockenlegung von Sümpfen ausgerottet (Mücken als Krankheitsüberträger wurde der Lebensraum entzogen). Naturschützer legen heute wieder in großem Stil "Feuchtbiotope" an. Im Zuge der Klimaerwärmung werden dann nicht nur die im Artikel beschriebenen Mückenarten Fuß fassen, sondern auch andere nebst den von ihnen übertragenen Tropenkrankheiten. Naturschutz und Unverstand sind siamesische Zwillinge.
permissiveactionlink 06.03.2019
2. #1, Mikrohirn
Es gab und gibt in der Bundesrepublik sechs verschiedene Anopheles-Arten, die alle geeignet sind, Malaria-Parasiten (Plasmodium) von Mensch zu Mensch zu übertragen. In dem Artikel geht es aber gar nicht um die Gattung Anopheles, [...]
Es gab und gibt in der Bundesrepublik sechs verschiedene Anopheles-Arten, die alle geeignet sind, Malaria-Parasiten (Plasmodium) von Mensch zu Mensch zu übertragen. In dem Artikel geht es aber gar nicht um die Gattung Anopheles, die weltweit vorkommt, und nur auf einigen Pazifik- und Atlantikinseln fehlt. Dem oben erwähnten Kleinstorgan ist offenbar auch entgangen, dass die Vertreter der im Artikel thematisierten Gattung Aedes gar keine Moore oder Feuchtgebiete zur Fortpflanzung und Vermehrung benötigen, sondern nur ein paar Pfützen oder gefüllte Blumenschalen. Andernfalls ist auch kaum erklärbar, warum sich gerade Aedes eher in Ballungsräumen ansiedelt und fortpflanzt. Meines Wissens gibt es Moore und ausgedehnte Feuchtflächen in Städten eher weniger, allenfalls in den angelegten Tümpeln von Gartenbesitzern. Die Malaria ist heute z.B. am Oberrhein kein Problem mehr, obwohl es dort nach wie vor Anopheles-Mücken gibt. Die brauchen zum Überleben keine Malariaerreger, umgekehrt benötigen letztere zum Überleben beide : Wirt (Mensch) und Vektor (Malaria-Stechmücke). Die Malaria lässt sich natürlich durch Trockenlegung aller Feucht- und Überschwemmungsgebiete sowie den großflächigen Einsatz von DDT bekämpfen, aber sowas machen heute nur noch Vollidioten. Mit dem Einsatz von BTI-Toxin, der medikamentösen Behandlung und Quarantäne von Malariinfizierten nach Tropenreisen, sowie der Nutzung von Repellent und Insektizidbeschichteten Mückennetzen ist die Malariabehandlung und -prophylaxe heute deutlich umweltschonender möglich. Zu Ihren verhasst-aggressiven Absonderungen bezüglich Umweltschützern, und der Anlage von Feuchtbiotopen durch diese höchst verantwortungsvollen Mitbürger , die auch geeignet ist, der Atmosphäre dauerhaft Kohlenstoff zu entziehen, möchte ich mich auf Grund der gebotenen Nettiquette nicht äußern und verweise auch hier auf Ihr perfekt gewähltes Pseudonym...
noalk 06.03.2019
3. Derzeit sei es auch noch denkbar, gezielt gegen die Tiere vorzugehen.
Aha! Denkbar. Und warum wird nicht zur Tat geschritten? Ach ja, es ist noch zu früh für eine solche Entscheidung. Wir müssen abwarten, bis es zu spät ist.
Aha! Denkbar. Und warum wird nicht zur Tat geschritten? Ach ja, es ist noch zu früh für eine solche Entscheidung. Wir müssen abwarten, bis es zu spät ist.
hansulrich47 06.03.2019
4. Dieses Insekt kann heftige Probleme bereiten!
Die Tigermücke ist auch tagaktiv und verbreitet in Asien das Dengue-Fieber. Damit infiziert, findet man sich üblicherweise auf der Intensivstation wieder. Hab ich mit einem Kollegen in Sumatra erlebt Aber es muss ja auch heute [...]
Die Tigermücke ist auch tagaktiv und verbreitet in Asien das Dengue-Fieber. Damit infiziert, findet man sich üblicherweise auf der Intensivstation wieder. Hab ich mit einem Kollegen in Sumatra erlebt Aber es muss ja auch heute fast jeder eine eigene Moskitozucht in seinem Garten haben!
permissiveactionlink 06.03.2019
5. #3, noalk
Was schlagen Sie denn diebezüglich so an Maßnahmen vor ? Die großflächige Einnebelung Wiesbadens mit Phosphororganischen, speziell kaltblütertoxischen Kampfstoffen ? Speziell über Kindergärten, Grundschulen, Krankenhäusern [...]
Was schlagen Sie denn diebezüglich so an Maßnahmen vor ? Die großflächige Einnebelung Wiesbadens mit Phosphororganischen, speziell kaltblütertoxischen Kampfstoffen ? Speziell über Kindergärten, Grundschulen, Krankenhäusern ? Oder doch eher eine Mücken-Task Force Wiesbaden, die mit geschulterter Kampfmittelsprühflasche sämtliche Grundstücke im Stadtgebiet samt ihrer Bewohner und Haustiere natürlich ohne Haussuchungsbeschluss o.ä. üppig mit den giftigsten Pestiziden sättigt ? Auf Verdacht hin ? Sozusagen mit Gefahr im Verzuge ? Obwohl noch nicht einmal Krankheitserreger heimisch wurden, sondern zunächst nur deren Vektoren ? Ist das schon Hysterie, oder hat es doch Methode ?

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