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Wissenschaft

Paläontologie-Fund

Das Urvieh, das Elefanten fraß

Dieser Räuber war wohl größer als ein Eisbär und jagte andere Giganten. In Kenia sind Forscher auf die Reste von Simbakubwa kutokaafrika gestoßen. Das Urzeitvieh war einer der größten Raubsäuger der Geschichte.

Mauricio Anton/ Eurekalert/ dpa

Illustration von Simbakubwa kutokaafrika

Donnerstag, 18.04.2019   16:57 Uhr

Diesem Tier wäre man ungern im Dunklen begegnet: In Kenia haben Forscher eines der größten fleischfressenden Säugetiere entdeckt, die jemals auf der Erde gelebt haben. Das löwenähnliche Tier sei wahrscheinlich bis zu 1500 Kilogramm schwer und "möglicherweise größer als ein Eisbär" gewesen, berichteten Forscher um Matthew Borths von der Ohio University in den USA.

Zu seinen Lebzeiten war das Tier der vorherrschende Fleischfresser seines Lebensraums und konnte wahrscheinlich Tiere jagen, die heutigen Elefanten und Nilpferden ähneln. Es lebte vor etwa 23 Millionen Jahren in Eurasien, Nordamerika und Teilen von Afrika und der arabischen Welt.

Die neue Spezies wurde Simbakubwa kutokaafrika getauft, wie die Wissenschaftler im "Journal of Vertebrate Paleontology" schreiben. "Simba" bedeutet in der ostafrikanischen Sprache Suaheli "Löwe", "kubwa" bedeutet "groß" und "kutokaafrika" "aus Afrika".

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Das Tier ist aber nicht vollständig erhalten, es wurde nur anhand eines unvollständigen Unterkiefers sowie Zähnen und Knochenfragmenten identifiziert. Diese wurden bereits vor Jahrzehnten in der Fundstelle Meswa Bridge im Westen Kenias ausgegraben. Simbakubwa kutokaafrika war nicht mit heutigen Raubkatzen verwandt, sondern gehörte zu einer ausgestorbenen Säugetiergruppe, so die Forscher.

Lange dachten Wissenschaftler, der Fund zählte zu einer kleineren Spezies. Die neuen Untersuchungen am Nationalmuseum von Nairobi zeigten aber, dass es sich um eine neue Tierart handelt. Die Zähne und Knochenfragmente stammten demnach wahrscheinlich von einem jungen männlichen Tier. Das Alter machen die Forscher daran fest, dass die Zähne wenig abgenutzt sind.

Die Wissenschaftler glauben, dass die Größe des Tiers mit seiner Umwelt zu tun hatte. Veränderungen in der Natur während dieser Zeit führten dazu, dass größere Pflanzenfresser auf der Erde lebten. Diese wiederum konnten von größeren Fleischfressern gejagt werden. Große Fleischfresser wie Simbakubwa existierten demnach mehrere Millionen Jahre lang.

joe/dpa

insgesamt 6 Beiträge
permissiveactionlink 18.04.2019
1. Einer der größten Carnivoren,
zweifellos, aber nicht der größte. Die Superlative sind auch immer mit einer gewissen Zurückhaltung zu betrachten, weil wir möglicherweise (bzw. ganz sicher) noch nicht alle Carnivoren, die mal auf dem Festland jagten, als [...]
zweifellos, aber nicht der größte. Die Superlative sind auch immer mit einer gewissen Zurückhaltung zu betrachten, weil wir möglicherweise (bzw. ganz sicher) noch nicht alle Carnivoren, die mal auf dem Festland jagten, als Fossilien gefunden haben. Und es kommt auch immer auf die jeweilige geologische Epoche an, auf die man sich bezieht. Die so genannten Creodonten (Urraubtiere, nicht mehr gültiges Taxon) brachten furchterregende Arten mit Scherengebissen hervor, die man heute in Hyaenodontidae (Hunde- bzw. Hyänenähnlich) und Oxyaenidae (Katzenähnlich) einteilt. Die hatten aber keine nähere Verwandtschaft zu den heutigen Raubtieren (Carnivora), die man wieder in Canoidea (Hundeartige) und Feloidea (Katzenartige) unterteilt. Die beinhalten aber weit mehr als Hunde und Katzen, sondern alle rezenten Raubtiere, die plazentale Säugetiere sind. Das größte Landraubtier, dass zu den (plazentalen) Säugetieren gehörte, war vor 43 Millionen Jahren ein Huftier (Mesonychidae, verwandt mit Paarhufern und Walen !), der 4m lange und 2m hohe Andrewsarchus, dessen Schädellänge 80 cm (!) übertraf. Eine Besonderheit unter den größten Landraubtieren der letzten 65 Millionen Jahre bildet Australien : neben zahlreichen Raubbeutlern (Thylacinus und Thylacoleo) und fleischfressenden Kängurus war das gefährlichste ein Reptil, der über 6m lange Großwaran Megalania. Dem möchte man auch nicht im Outback begegnet sein ! Die Magazine sind voll mit den merkwürdigsten Raubtieren, die auch Säugetiere waren, von Nimraviden über Barbourofeilden bis zu Säbelzahnkatzen und Säbelzahnbeutlern (Thylacosmilus aus Südamerika, starb nach der Bildung des Istmus von Panama und dem nachfolgenden Faunenwechsel aus). Jetzt ist eine neue, angeblich größte Art entdeckt worden : Furchterregender als der nordamerikanische Kurzschnauzen-Eiszeitbär (Bulldoggenbär, Arctodus simus), den noch die ersten Menschen dort mit Schrecken kennenlernten, und seine Opfer zu Tode hetzte, dürfte der im Artikel beschriebene Creodont aber auch nicht gewesen sein. Wirklich beängstigend werden Raubtiere auch erst dann, wenn sie in Rudeln jagen, selbst wenn sie relativ klein sind !
Profdoc1 18.04.2019
2. Superlative....
halte ich, wissenschaftlich betrachtet, für fragwürdig. Ob Simbakubwa das 'größte', 'größer als' oder nur 'groß' war, ist als formale Aussage vollkommen nebensächlich. Welche Species wann, wo und wie entdeckt werden, [...]
halte ich, wissenschaftlich betrachtet, für fragwürdig. Ob Simbakubwa das 'größte', 'größer als' oder nur 'groß' war, ist als formale Aussage vollkommen nebensächlich. Welche Species wann, wo und wie entdeckt werden, darüber lässt sich keine Aussage treffen. Insoweit sollten sich auch Wissenschaftsjournalist*innen immer vor Superlativen hüten!
Sissy.Voss 19.04.2019
3. Das ist Quatsch...
Das ist Quatsch, dann würde ja kein Leser, der im Prinzip an Naturgeschichte nicht interessiert ist, jemals einen solchen Artikel anklicken. Und das hat in der Paläontologie schließlich Tradition. Nur gruselt sich heute [...]
Zitat von Profdoc1halte ich, wissenschaftlich betrachtet, für fragwürdig. Ob Simbakubwa das 'größte', 'größer als' oder nur 'groß' war, ist als formale Aussage vollkommen nebensächlich. Welche Species wann, wo und wie entdeckt werden, darüber lässt sich keine Aussage treffen. Insoweit sollten sich auch Wissenschaftsjournalist*innen immer vor Superlativen hüten!
Das ist Quatsch, dann würde ja kein Leser, der im Prinzip an Naturgeschichte nicht interessiert ist, jemals einen solchen Artikel anklicken. Und das hat in der Paläontologie schließlich Tradition. Nur gruselt sich heute keiner mehr, wenn von "Schreckensechsen" (deinos sauros, Dinosaurier) die Rede ist. Da kommen einem heute die Wissenschaftler, die diesen Terminus prägten, altertümlicher vor als ihre Studienobjekte.
zia-zaruba 19.04.2019
4. egal wie groß
das Tier angeblich gewesen sein mag. Sich mit einer Elefantenherde oder gar einem Flußpferd anzulegen. Ich hab da meine zweifel. Oder gab es damals noch keine Zebras, Gazellen und andere Kleintiere ?
das Tier angeblich gewesen sein mag. Sich mit einer Elefantenherde oder gar einem Flußpferd anzulegen. Ich hab da meine zweifel. Oder gab es damals noch keine Zebras, Gazellen und andere Kleintiere ?
jamguy 22.04.2019
5.
Die Lebensfülle vielleicht verkannt und größere Fleischfresser vermute ich eher als überwiegende Aasfresser aber mit Möglichkeit dem Muss gerecht werden zu können aus Energiespargründen?
Zitat von zia-zarubadas Tier angeblich gewesen sein mag. Sich mit einer Elefantenherde oder gar einem Flußpferd anzulegen. Ich hab da meine zweifel. Oder gab es damals noch keine Zebras, Gazellen und andere Kleintiere ?
Die Lebensfülle vielleicht verkannt und größere Fleischfresser vermute ich eher als überwiegende Aasfresser aber mit Möglichkeit dem Muss gerecht werden zu können aus Energiespargründen?

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