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Wissenschaft

Globale Bilanz

Weltwirtschaft wächst - CO2-Ausstoß bleibt trotzdem stabil

Der CO2-Ausstoß wird in diesem Jahr weltweit kaum steigen, China sei Dank. Zu diesem Ergebnis kommt eine globale Studie. Die Autoren warnen aber auch: Für Jubel sei es noch zu früh.

DPA

Schornstein in Frankfurt am Main

Montag, 14.11.2016   13:52 Uhr

Trotz Wirtschaftswachstums ist der weltweite Ausstoß an Kohlendioxid (CO2) aus fossilen Brennstoffen das dritte Jahr in Folge kaum gestiegen. Das könne möglicherweise Zeichen einer Trendwende gegenüber dem Jahrzehnt vor 2013 sein, in dem die Emissionen jährlich um 2,3 Prozent gestiegen waren, erklärte der Forschungsverbund Global Carbon Project. Für Jubel sei es aber noch zu früh - es bleibe abzuwarten, ob der Trend anhalte.

Im vergangenen Jahr sei der Ausstoß an Kohlendioxid weltweit stabil geblieben, heißt es in dem Bericht, der am Montagmorgen in der Fachzeitschrift "Earth System Science Data" veröffentlicht wurde. 2014 sei der CO2-Ausstoß um 0,7 Prozent gestiegen. Für das laufende Jahr rechnen die Wissenschaftler mit einem Zuwachs von 0,2 Prozent.

In den vergangenen drei Jahren wurden den Autoren zufolge durchschnittlich jeweils etwa 36,4 Milliarden Tonnen Kohlendioxid ausgestoßen. Die Stabilisierung ist den Wissenschaftlern zufolge vor allem einem geringeren Kohleverbrauch in China zu verdanken, das mit einem Anteil von 29 Prozent weltweit das meiste CO2 in die Atmosphäre pustet.

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"Das ist eine große Hilfe im Kampf gegen den Klimawandel, aber es ist nicht genug", sagte Corinne Le Quéré von der britischen Universität von East Anglia, die an der Studie beteiligt war. "Die weltweiten Emissionen müssen jetzt rasch abnehmen, nicht nur aufhören zu wachsen."

Doch trotz ermutigender Anzeichen reicht die aktuelle Entwicklung den Forschern zufolge nicht aus, um die gefährliche Erderwärmung auf unter zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen. Selbst wenn der chinesische CO2-Ausstoß sich stabilisiere, drohten Zuwächse in Entwicklungsländern die Einsparungen in den USA, der EU und anderen Industriestaaten zunichte zu machen, warnte Mit-Autor Peters.

Zudem wurde 2015 so viel CO2 wie nie zuvor in der Atmosphäre gemessen. Denn Weltmeere und Pflanzen als natürliche Speichersysteme (Senken) konnten wegen Hitze und Dürre, die das Wetterphänomen El Niño mit sich gebracht hat, weniger CO2 aufnehmen. Das derzeitige Niveau von 400 ppm (parts per million, Teilchen pro Million) "wird weiter wachsen und den Planeten erwärmen, bis die Emissionen auf nahezu Null gekürzt werden", meint Wissenschaftlerin Le Quéré.

aar/dpa/Reuters

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