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Wissenschaft

Nasa-Studie

Gletscher in Grönland wächst plötzlich wieder

Über Jahrzehnte ist der Jakobshavn-Gletscher in Grönland geschrumpft. Nun nimmt seine Eisdecke auf einmal wieder zu. Forscher sind dem Rätsel auf die Spur gekommen.

Foto: John Sonntag / OIB / NASA
Freitag, 29.03.2019   07:37 Uhr

Abertausende Eisberge sind bereits vom Jakobshavn-Gletscher in Grönland ins Meer gerutscht. Einer von ihnen soll 1912 die "Titanic" versenkt haben. Der Gletscher ist gewaltig, knapp sieben Prozent des gesamten grönländischen Eises fließen über ihn ab - und das so schnell wie an keinem anderen. Seit 20 Jahren schrumpft der Jakobshavn-Gletscher mit großer Geschwindigkeit und trägt so zum Anstieg des Meeresspiegel bei.

Doch nun gibt es eine überraschende Kehrtwende, berichtet die amerikanische Weltraumbehörde Nasa. Der Gletscher fließe nun langsamer und werde wieder dicker, hieß es. Statt sich zunehmend ins Inland zurückzuziehen, bewege er sich in Richtung Meer. Entwarnung gibt es aber nicht: Laut den Forschern lässt das Eis des Jakobshavn die Ozeane weiter ansteigen - nur nicht mehr ganz so stark.

"Am Anfang konnten wir es gar nicht glauben", sagt Ala Khazendar von der Nasa. "Wir sind eigentlich davon ausgegangen, dass es so weiter geht wie in den vergangenen 20 Jahren."

Langfristig wird der Gletscher wieder schrumpfen

Die Wissenschaftler führen die Veränderung am Gletscher auf eine Meeresströmung im Atlantik zurück. Sie habe das Wasser dort in den vergangenen drei Jahren auf Temperaturen abgekühlt, die zuletzt Mitte der Achtzigerjahre erreicht wurden, schreiben die Forscher im Fachmagazin "Nature Geoscience"

Die sogenannte Nordatlantische Oszillation hat das kalte Wasser in Bewegung gebracht. Dabei handelt es sich um Schwankungen des Luftdrucks zwischen Island und den Azoren, die den Atlantik ungefähr alle 5 bis 20 Jahre aufheizen und wieder abkühlen. Ein solcher Umschwung hat gerade stattgefunden und den Atlantik insgesamt abgekühlt.

Auch das Wasser vor Grönlands Südwestküste ist so 2016 deutlich kälter geworden und die Westküste hinauf Richtung Jakobshavn-Gletscher gewandert. Zwischen 2013 und 2016 sank die Wassertemperatur in der Nähe des Gletschers um einen Grad.

Gerettet ist der Gletscher damit jedoch nicht. Sobald sich die Nordatlantische Oszillation wieder umkehrt und der Ozean wärmer wird, wird das Eis aller Voraussicht nach wieder schrumpfen. "Langfristig wärmt sich der Ozean auf - und dass das einen so großen Einfluss auf die Gletscher hat, ist kein gutes Zeichen für Grönlands Eisdecke", sagt Nasa-Forscher Josh Willis.

Gletscher schrumpft seit Anfang der Nullerjahre

Für die Studie hatten die Forscher Daten der Wassertemperatur um Grönland ausgewertet. Um herauszufinden, woher das Wasser kam, verfolgten sie die Strömung in Computersimulationen über fast tausend Kilometer.

Die Nasa beobachtet den Jakobshavn-Gletscher seit vielen Jahren. Sie geht davon aus, dass sein schnelles Schwinden Anfang der Nullerjahre begonnen hat. Damals brach das Schelfeis ab, also der Teil des Gletschers, der auf dem Meer schwimmt. Dieser verringert üblicherweise die Fließgeschwindigkeit eines Gletschers. Fehlt das Schelfeis, fließt der Gletscher sehr viel schneller.

So gab auch der Jakobshavn-Gletscher immer mehr Eis ins Meer ab, er wurde immer dünner - zwischen 2003 und 2016 um 152 Meter.

jme

insgesamt 19 Beiträge
Cugel 29.03.2019
1. Ein Schelm
Die NASA ist sehr engagiert in der Klimaforschung. Ob sie dafür weiterhin die nötigen Ressourcen haben wird, wenn sie alles daran setzen muss, in fünf Jahren auf dem Mond zu sein?
Die NASA ist sehr engagiert in der Klimaforschung. Ob sie dafür weiterhin die nötigen Ressourcen haben wird, wenn sie alles daran setzen muss, in fünf Jahren auf dem Mond zu sein?
peterka60 29.03.2019
2. Genauer gesagt: Man spekuliert weiter
Das Motto heisst: Nachher ist man immer gescheiter als vorher, wenigstens in der Regel. Wenn man den Artikel liest, hat man immer das Gefühl "Zuerst konnten wir es gar nicht glauben" dass die Forscher eher raten.
Das Motto heisst: Nachher ist man immer gescheiter als vorher, wenigstens in der Regel. Wenn man den Artikel liest, hat man immer das Gefühl "Zuerst konnten wir es gar nicht glauben" dass die Forscher eher raten.
boscoverde 29.03.2019
3. Langfristig
wird der Gletscher wieder schrumpfen. Wenn es die NASA damals schon gegeben hätte, wäre ihr das auch in Norwegen aufgefallen. Ich frage mich immer, wer, was und warum sich in vielen Fragen die Menschen derart polarisieren [...]
wird der Gletscher wieder schrumpfen. Wenn es die NASA damals schon gegeben hätte, wäre ihr das auch in Norwegen aufgefallen. Ich frage mich immer, wer, was und warum sich in vielen Fragen die Menschen derart polarisieren (lassen)? Ich möchte, Nein ich will mich bei solch kontrovers betrachteten Angelegenheiten schlicht und ergreifend sachlich und fachlich informieren können, einen fairen Diskurs feststellen können. Offensichtlich alles nicht möglich. Steckt hinter "Klimawandel" tatsächlich nur das Wetter in all seinen Spielarten an sich, oder ist eine fast schon hysterische Panik angemessen? Wo ist der befriedende Mediator auf diesem Schlachtfeld der Meinungen?
nwz86 29.03.2019
4. Langfristige Betrachtungen
Langfristig wird der Gletscher schrumpfen. Kein Wunder, langfristig geht auch der aktuelle Eiszeit-Zyklus seinem Ende zu und es wird wieder wärmer. Ob der Mensch das vielleicht beschleunigt? Mag sein. Kann er es verhindern? Nein. [...]
Langfristig wird der Gletscher schrumpfen. Kein Wunder, langfristig geht auch der aktuelle Eiszeit-Zyklus seinem Ende zu und es wird wieder wärmer. Ob der Mensch das vielleicht beschleunigt? Mag sein. Kann er es verhindern? Nein. Genausogut könnte man die Plattentektonik aufhalten wollen oder den Weg der Erde um die Sonne. Da kann Gretchen noch soviel goldene Kameras abstauben, es wird nichts daran ändern, dass der Mensch der Erde ausgeliefert ist und nicht umgekehrt.
mats1963 29.03.2019
5. teilweise Widerspruch zu #2, #3, #4
@peterka60: Wissenschaft geht immer zuerst vom Nichtwissen aus, von der Spekulation eben. Aber je präziser die Messungen und die Modelle, desto kleiner die Spekulationen, auch wenn noch Reste davon bleiben. Das Raten bleibt, wird [...]
@peterka60: Wissenschaft geht immer zuerst vom Nichtwissen aus, von der Spekulation eben. Aber je präziser die Messungen und die Modelle, desto kleiner die Spekulationen, auch wenn noch Reste davon bleiben. Das Raten bleibt, wird kleiner, aber die Gewissheit wächst. @boscoverde: Ja, leider sollten wir die Panik langsam mal wirklich in unser Handlungsrepertoire einkehren lassen, wie z.B. Greta Thunberg empfiehlt. Allerdings nicht hysterisch, sondern gezielt auf Nachhaltigkeit und Überleben auf unserer blauen Murmel ausgerichtet. @nwz86: Plattentektonik liegt wahrscheinlich nicht in unserem Einflussbereich, aber die Luft die wir atmen und durch unsere Technik fließen lassen, ist durchaus verbesserbar. Insofern ist das Schmelzen vielleicht gerade noch zu verhindern.

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