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Wissenschaft

Indonesien

Ölbohrung könnte schlafenden Schlammvulkan geweckt haben

Sprudelnde braune Brühe, kochend heiß - so viel, dass man damit jeden Tag 50 olympische Schwimmbecken füllen könnte: Forscher glauben, dass eine missglückte Ölbohrung im Jahr 2006 zum Ausbruch eines Schlammvulkans in Indonesien geführt hat. Die Ölfirma meint: Ein Erdbeben ist schuld.

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Montag, 03.11.2008   14:42 Uhr

Seitdem der Schlammvulkan Lusi auf der indonesischen Insel Java vor fast zweieinhalb Jahren ausgebrochen ist, brodelt er ununterbrochen - bis heute. Rund 30.000 Menschen verloren bisher ihr Heim, weil ihre Dörfer von den Schlammmassen überflutet wurden.

Bisher war nicht geklärt, was im Mai 2006 zu dem verheerenden Ausbruch führte, bei dem der heiße Schlamm teilweise bis zu 50 Meter hoch schoss. Experten der "American Association of Petroleum Geologists" haben nun laut einem Bericht der BBC bei einer Konferenz in Südafrika neue Forschungsergebnisse ausgewertet. Demnach hat mit großer Wahrscheinlich eine nahe gelegene Ölbohrung der Firma Lapindo Brantas das Unglück ausgelöst. Die Wissenschaftler hatten Daten ausgewertet, die Sensoren bei der "Banjar-Panji-1"-Bohrung in den letzten 24 Stunden vor dem Ausbruch gesammelt hatten.

Richard Davis von der britischen Durham University erklärte, er sei sich sicher, dass sich im Bohrloch in rund 2800 Metern Tiefe ein besonders starker Druck aufgebaut habe, der zu Rissen im umliegenden Stein geführt habe. Rund 150 Meter entfernt sei dann der Schlammvulkan ausgebrochen. Von den 74 anwesenden Experten teilten bei einer Abstimmung 42 diese Auffassung. Nur drei Wissenschaftler hingegen schlossen sich der Argumentation an, die von der Ölfirma Lapindo Brantas vorgebracht wurde: Ein Erdbeben, das zwei Tage zuvor die 280 Kilometer entfernte Gegend um die Stadt Yogyakarta erschüttert habe, sei Schuld an dem bis heute andauernden Schlammaustritt.

Nach Ansicht von Geologen könnte der Schlammvulkan noch mehrere Jahre oder sogar Jahrzehnte lang weitersprudeln. Notdürftig versuchen die indonesischen Behörden bisher, seine Schlammmassen hinter rund 15 Meter hohen Dämmen festzuhalten. Ein Versuch, die Austrittsstelle mit Betonkugeln zu verschließen, ist fehlgeschlagen. Seit dem Ausbruch kämpfen die Anwohner um Entschädigungszahlungen seitens der Ölfirma. Insgesamt fordern sie nach Angaben der BBC rund 70 Millionen Dollar. Die Firma hat auch bereits Millionensummen gezahlt, ohne sich jedoch schuldig zu bekennen. Die indonesische Polizei befasst sich seit Sommer 2006 mit dem Fall.

chs

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