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Wissenschaft

Neue Klimastudie

Forscher warnen vor dramatischem Temperaturanstieg am Mittelmeer

20 Prozent schneller als im globalen Durchschnitt steigt die Temperatur im Mittelmeerraum. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie. Sie warnt: Einige Inseln könnten komplett verschwinden.

Clara Margais/ DPA

Palma de Mallorca: Am Mittelmeer droht ein Temperaturanstieg von 2,2 Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit

Freitag, 11.10.2019   11:57 Uhr

Der Klimawandel hat im Mittelmeerraum deutlich stärkere Auswirkungen als im weltweiten Durchschnitt.

Wie aus einer am Donnerstag von der Union für das Mittelmeer (UfM) in Barcelona vorgestellten Studie hervorgeht, stiegen die Temperaturen in der Region bislang um 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter. Der globale Temperaturanstieg lag im selben Zeitraum bei durchschnittlich 1,1 Grad.

Mehr als 600 Wissenschaftler aus 35 Ländern haben für die Untersuchung Daten zum Klima am Mittelmeer ausgewertet. Das Projekt läuft unter dem Dach der UfM und des Umweltprogramms der Vereinten Nationen UNEP. Der deutsche Geograf und Ökologe Wolfgang Cramer koordiniert die teilnehmenden Wissenschaftler. In Barcelona wurden nun erste Ergebnisse präsentiert.

Demnach bedroht der Klimawandel die Mittelmeerregion wie kaum ein anderes Gebiet der Erde. Der Temperaturanstieg schreite dort aktuell um 20 Prozent schneller voran als im globalen Durchschnitt, hieß es.

"Ground Zero" des Kampfes gegen den Klimawandel

Wenn sich an den Bedingungen und am Ausstoß von Treibhausgasen nichts ändere, werde sich die Durchschnittstemperatur auf Mallorca und Korsika, in Barcelona und Rom bis 2040 um 2,2 Grad im Vergleich zum Wert der vorindustriellen Zeit erhöhen, warnen die Forscher.

Im Pariser Klimaabkommen verpflichteten sich die Uno-Mitgliedsländer, die globale Erwärmung bei deutlich unter zwei Grad zu stoppen, wenn möglich noch bei 1,5 Grad. Diese Marke, die anderswo erst für 2030 bis 2050 erwartet wird, habe die Region schon erreicht, hieß es bei der Vorstellung der Studie in Barcelona. In den nächsten Jahren könne sich die Lage noch verschlechtern, wenn die Weltgemeinschaft ihre Emissionen nicht einschränkt, so die Forscher weiter.

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Sizilianische Insel Pantelleria zuerst vom Meeresspiegelanstieg betroffen

Als Erstes vom steigenden Meeresspiegel betroffen wäre die sogenannte "schwarze Perle" des Mittelmeers, die sizilianische Insel Pantelleria, berichten die Forscher. Dieses Eiland vulkanischen Ursprungs wird von Touristen vor allem wegen der zahlreichen Naturattraktionen besucht.

Drohende Versalzung des Grundwassers

Laut der Studie besteht außerdem die Gefahr, dass in nur zwei Jahrzehnten rund 250 Millionen Menschen - knapp die Hälfte der Bevölkerung der Mittelmeerregion - wegen des Klimawandels an Wasserarmut leiden könnte. Der Grund: Der Anstieg des Meeresspiegels versalzt das Grundwasser. Auch die Landwirtschaft würde das zu spüren bekommen. Die Produktion könnte sich bis zum Jahr 2100 um ein Drittel verringern.

Die Wissenschaftler warnten in Barcelona auch vor einem Massensterben der Meeresfauna, vor mehr und immer häufigeren Hitzewellen, zunehmenden Dürreperioden und häufigeren Stürmen.

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Mit dem Klimawandel verbreiteten sich auch die Asiatische Tigermücke und andere Krankheitsüberträger in Europa, es werde mehr gesundheitliche Probleme geben, sagte Cramer. Nicht nur davon würden "die Älteren, die kleinen Kinder, die Armen am schlimmsten betroffen sein."

Der Klimawandel treffe zudem nicht nur die Ökosysteme. Er befeuere den vorliegenden Erkenntnissen zufolge auch soziale und politische Konflikte und die Migration, so Cramer, der von 2003 bis 2011 Professor für Globale Ökologie an der Uni Potsdam war.

Die UfM wurde 2008 ins Leben gerufen. Ihr gehören die 28 Staaten der Europäischen Union, 13 andere Mittelmeer-Anrainerstaaten sowie Jordanien und Mauretanien an.

jme/dpa

insgesamt 183 Beiträge
herrsturzbach 11.10.2019
1.
Dann würde ich sagen: schnell noch mal Pantelleria bereisen, so lange die Insel noch da ist.
Dann würde ich sagen: schnell noch mal Pantelleria bereisen, so lange die Insel noch da ist.
MarkusW77 11.10.2019
2.
versalzung des Grundwassers bedeutet dann auch, was wir schon in den 80 er gehört haben, Kampf um das Trinkwasser. Nur hat man immer gesagt, wir seien nicht betroffen, da wir genug davon hätten. Ich frage mich immer, mit wem die [...]
versalzung des Grundwassers bedeutet dann auch, was wir schon in den 80 er gehört haben, Kampf um das Trinkwasser. Nur hat man immer gesagt, wir seien nicht betroffen, da wir genug davon hätten. Ich frage mich immer, mit wem die Menschen denn um das Wasser kämpfen sollen, wenn nicht mit denen, die welches haben?
Jesse_Punkman 11.10.2019
3. So beunruhigend diese Nachrichten sind..
Dennoch bin ich fast froh, daß krasse Auswirkungen der Klimakrise quasi vor unserer Haustür für die Menschen sichtbar werden. Denn so viel wir, die das Ausmaß der drohenden Katastrophe anerkannt haben und dagegen auf die [...]
Dennoch bin ich fast froh, daß krasse Auswirkungen der Klimakrise quasi vor unserer Haustür für die Menschen sichtbar werden. Denn so viel wir, die das Ausmaß der drohenden Katastrophe anerkannt haben und dagegen auf die Straße gehen, auch reden und appellieren: Die meisten Menschen begreifen Klimakrise erst, wenn sie es sehen und spüren. Vom Untergang bedrohte Südostpazifikinseln oder verhungernde Schwarzafrikaner kümmern den mettessenden, mallorcaurlaubenden SUV-Pendler schlicht nicht.
herrschläfer 11.10.2019
4. das Beste
... ist die Easyjet- Werbung im Artikel. Komische Welt.
... ist die Easyjet- Werbung im Artikel. Komische Welt.
santamarinello 11.10.2019
5. Finde den Fehler
Wieso soll Pantelleria verschwinden? Die Insel ist bis zu 836 m hoch und insgesamt eine Art Hochebene, lediglich der Hafen von Pantelleria-Stadt ist logischerweise auf Meereshöhe. Mal wieder eine teure "Studie" für [...]
Wieso soll Pantelleria verschwinden? Die Insel ist bis zu 836 m hoch und insgesamt eine Art Hochebene, lediglich der Hafen von Pantelleria-Stadt ist logischerweise auf Meereshöhe. Mal wieder eine teure "Studie" für die Tonne!
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