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Wissenschaft

CO2-Reduzierung unzureichend

11.000 Wissenschaftler warnen vor weltweitem Klimanotstand

Forscher haben untersucht, was die Staaten der Welt bisher für den Klimaschutz tun wollen. Ihr Fazit ist ernüchternd: Wenn sich nichts grundlegend ändere, drohe "unsägliches menschliches Leid".

Joe Raedle / Getty Images / AFP

Eine Forscherin an einem schmelzenden Gletscher in Alaska

Dienstag, 05.11.2019   18:02 Uhr

Die Pläne der meisten Staaten für das Pariser Klimaschutzabkommen reichen einem neuen Bericht zufolge nicht aus, um die schneller werdende Erderhitzung zu bremsen.

Fast drei Viertel der 184 von den Ländern eingereichten Zusagen zum Einsparen von Treibhausgasen sind demnach nicht ehrgeizig genug. Gemessen am Ziel, den Ausstoß von klimaschädlichen Substanzen bis 2030 um mindestens 40 Prozent zu reduzieren, seien nur die 28 EU-Staaten und sieben weitere Länder auf Kurs. Das geht aus einer Auswertung von fünf Forschern hervor, von denen vier auch schon für den Weltklimarat IPCC gearbeitet haben.

Zeitgleich warnen mehr als 11.000 Wissenschaftler, darunter rund 900 aus Deutschland, in einer gemeinsamen Erklärung vor einem weltweiten "Klima-Notstand". Wenn sich das menschliche Verhalten beim Treibhausgasausstoß und anderen den Klimawandel begünstigenden Faktoren nicht grundlegend und anhaltend verändere, sei "unsägliches menschliches Leid" nicht mehr zu verhindern, heißt es. "Wissenschaftler haben eine moralische Pflicht, die Menschheit vor jeglicher katastrophaler Bedrohung zu warnen", sagte Co-Autor Thomas Newsome von der University of Sydney.

Die Forscher fordern in ihrem Beitrag im Fachjournal "BioScience" Veränderungen vor allem in sechs Bereichen:

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Im Pariser Abkommen haben sich fast alle Staaten der Welt das Ziel gesetzt, die Erderhitzung auf deutlich unter zwei Grad und möglichst 1,5 Grad zu begrenzen, um katastrophale Folgen wie Hitzewellen und Dürren, extreme Regenfälle und den Anstieg der Meeresspiegel einzudämmen. Ginge es weiter wie bisher, läge der Anstieg Ende dieses Jahrhunderts wohl bei rund drei Grad.

Es ist schon lange klar, dass die nationalen Klimaschutz-Pläne in der Summe nicht ausreichen, um den globalen Klimawandel einzudämmen. Alle fünf Jahre sollen sie deshalb nachgeschärft werden. 2020 ist es soweit, dann sollen neue Maßnahmen beschlossen werden.

Es ist festgelegt, welcher Staat welchen Anteil erbringen muss. Allgemein gilt, dass reiche Industriestaaten und solche, die historisch betrachtet viel zum Klimawandel beigetragen haben, mehr Verantwortung übernehmen müssen. Die nächste Klimakonferenz findet in der ersten Dezemberhälfte in Madrid statt. Zuvor hatte der vorher geplante Ausrichter Chile wegen innenpolitischer Probleme abgesagt.

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"Die Zusagen sind schlicht viel zu wenig und zu spät", kommentierte Co-Autor Robert Watson, bis 2002 im Vorstand des Weltklimarats, den von der US-Organisation Universal Ecological Fund veröffentlichten Bericht zu den Klimaschutzzielen. "Sogar wenn alle freiwilligen Klima-Zusagen voll umgesetzt werden, erreichen sie nur die Hälfte dessen, was notwendig ist, um die Beschleunigung des Klimawandels im nächsten Jahrzehnt zu begrenzen."

Besonders im Fokus der Autoren stehen vier Nationen, die zusammen mehr als die Hälfte der weltweiten Treibhausgase ausstoßen:

Das bevölkerungsreichste Land China hat einen Anteil von rund 27 Prozent - und die Emissionen von Kohlendioxid (CO2) und anderen Klimagasen dort nähmen wegen des Wirtschaftswachstums weiter zu, heißt es im Bericht. Zugesagt hat Peking bisher nur, dass sie nicht im gleichen Maße zunehmen sollen wie das Bruttoinlandsprodukt. Das gelte auch für Indien, das einen Anteil von sieben Prozent am globalen Treibhausgas-Ausstoß habe. Allerdings stapelt China beim Klimaschutz nach Ansicht von Beobachtern oft tief und liefere dann bessere Ergebnisse.

Die USA haben sich inzwischen auch offiziell aus den internationalen Bemühungen im Kampf gegen den Klimawandel verabschiedet: Die US-Regierung habe ihre Kündigung für das Klimaabkommen von Paris eingereicht, teilte Außenminister Mike Pompeo am Montag mit.

"Weiter gemacht wie vorher"

Die ursprünglichen Zusagen der Vereinigten Staaten mit ihrem Anteil von gut 13 Prozent am globalen Treibhausgas-Ausstoß bewerten die Autoren des Berichtes noch als "in der Schwebe" - aber die aktuelle Politik reiche nicht aus. Russland, dessen Anteil bei knapp fünf Prozent liege, habe noch gar keine Pläne eingereicht. Immerhin ist das Land im September dem Pariser Abkommen formell beigetreten.

Die 28 Staaten der EU haben gemeinsam einen Anteil von neun Prozent - und sind dem Bericht zufolge mit ihren Plänen auf Kurs. Bis 2030 könnte der CO2-Ausstoß 58 Prozent unter dem Wert von 1990 liegen. Daneben werten die Autoren nur noch Island, Liechtenstein, Monaco, Norwegen, Moldawien, die Schweiz und die Ukraine als Länder, deren aktuelle Zusagen zum jetzigen Zeitpunkt ausreichen.

"Obwohl global seit 40 Jahren verhandelt wird, haben wir weiter gemacht wie vorher und sind diese Krise nicht angegangen", sagte William Ripple, der den Zusammenschluss der gut 11.000 Wissenschaftler mit seinem Kollegen Christopher Wolf von der Oregon State University in den USA anführt. "Der Klimawandel ist da und er beschleunigt sich rascher als viele Wissenschaftler erwartet hatten."

chs/dpa

insgesamt 388 Beiträge
tyll.spiegel 05.11.2019
1. So langsam ...
... sollten es alle Klimawandel-Ignoranten hier mal zur Kenntnis nehmen: Die anthropogene Verursachung des aktuellen Klimawandels ist wirklich exzellent belegt - leugnen zwecklos. Und auch das übliche Selbstberuhigungs-Geseier [...]
... sollten es alle Klimawandel-Ignoranten hier mal zur Kenntnis nehmen: Die anthropogene Verursachung des aktuellen Klimawandels ist wirklich exzellent belegt - leugnen zwecklos. Und auch das übliche Selbstberuhigungs-Geseier "Wird schon nicht soo schlimm werden, zumindest nicht bei uns" kann nun endgültig als verantwortungsloser wissenschaftsferner Unsinn eingestuft werden. Wenn 11000 Wissenschaftler weltweit warnen, sollten wir vielleicht doch mal in die Puschen kommen!
udo l 05.11.2019
2. Ich bin ein mal gespannt wie lange
es dauert, bis hier Kommtare erscheinen, welche alle 11000 Wissenschaftler als unfähig, oder zumindest gesteuert sehen von irgendwelchen Mächten, die nur unser Geld wollen.
es dauert, bis hier Kommtare erscheinen, welche alle 11000 Wissenschaftler als unfähig, oder zumindest gesteuert sehen von irgendwelchen Mächten, die nur unser Geld wollen.
spon_1980133 05.11.2019
3. Zukunft?
Was wurde in den vergangenen Wochen Greta Thunberg von der uneinsichtigen Klientel mit Spott und Hohn überschüttet. Dumm, ignorant, aufrührerisch, verblendet sind noch die harmlosen Attribute, mit denen versucht wurde diese [...]
Was wurde in den vergangenen Wochen Greta Thunberg von der uneinsichtigen Klientel mit Spott und Hohn überschüttet. Dumm, ignorant, aufrührerisch, verblendet sind noch die harmlosen Attribute, mit denen versucht wurde diese junge Frau zu diffamieren oder ins Lächerlich zu ziehen. Und nun? Liegt Greta wirklich so daneben? Ja, ich weiss, sie bietet keine Lösung an. Aber das ist auch nicht ihre Aufgabe. Es ist vielmehr Aufgabe aller Menschen, für einen bewohnbaren Planeten auch für die zukünftigen Generationen Sorge zu tragen. Aber die Ewiggestrigen, Verantwortungslosen, Besitzstandwahrer und Klimaleugner werden wohl einstweilen die Oberhand behalten. So lange jedenfalls, bis Millionen Menschen vor den Grenzen Europas stehen, weil deren Heimat dann keine Lebensgrundlage mehr bietet: Verdorrte und versteppte Länder, versiegte Brunnen und unerträgliche Temperaturen. Und diese entwurzelten Menschen werden vor den Türen Europas nicht um Asyl betteln! Sie werden zu Legionen kommen. Dagegen ist das aktuelle Flüchtlingsproblem ein Klacks.
KingTut 05.11.2019
4. Resümee
Unabhängig davon, dass mich die Situationsbeschreibung nicht überrascht, komme ich zu dem Schluss, dass die Menschheit sich unverändert in Richtung Abgrund bewegt. Daran ändert auch nichts, wenn die Schlagzahl etwas verringert [...]
Unabhängig davon, dass mich die Situationsbeschreibung nicht überrascht, komme ich zu dem Schluss, dass die Menschheit sich unverändert in Richtung Abgrund bewegt. Daran ändert auch nichts, wenn die Schlagzahl etwas verringert wird, was aber auch noch zu hinterfragen wäre. Vor diesem Hintergrund ist das, was Deutschland als relativ kleiner Verursacher an Maßnahmen getroffen hat, beachtlich. Schlimm finde ich, dass die USA sich aus dem Pariser Klimaabkommen verabschiedet haben, weil Trump vorgibt, es handle sich beim Thema Klimanotstand um einen "hoax". Und wenn in Kalifornien aufgrund der extremen Trockenheit die Wälder brennen, dann macht er aus politischen Kalkül die regierenden Demokraten verantwortlich. Mit solchen Typen als Staatslenker bin ich sehr skeptisch, ob wir es schaffen werden, unser langfristiges Überleben zu sichern.
bigroyaleddi 05.11.2019
5. Es ist schlicht furchtbar
wie wir - und da meine ich speziell die Menschen aus den emittierenden Ländern - ins Messer laufen. Warnungen hat es doch schon ewig gegeben. Aber dann wird ständig wieder rumlaviert, sei doch alles nicht so schlimm u.ä. - Ich [...]
wie wir - und da meine ich speziell die Menschen aus den emittierenden Ländern - ins Messer laufen. Warnungen hat es doch schon ewig gegeben. Aber dann wird ständig wieder rumlaviert, sei doch alles nicht so schlimm u.ä. - Ich bedaure meine Enkel. Denn diese werden die Folgen voll auszubaden haben. Den eigenen Anteil an dieser Misere versuchen schon viele durch ihr Konsumverhaltennklein zu halten. Jetzt bekommen wir es schriftlich: es reicht nicht. Und hier wird sich ausgetobt in der Diskussion über E-Mobilität. Man könnte laut darüber lachen, wenn dieses Szenario nicht so schrecklichwäre.
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