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Wissenschaft

Auswertung von Spionage-Bildern

Gletscher im Himalaya schwinden rapide

Der Klimawandel bedroht die Gletscher im Himalaya. Schätzungen zufolge ist bereits ein Viertel des Eises verschwunden - ein Trend, der sich zuletzt beschleunigt hat.

Josh Maurer

Gletscher Changri Nup: "Dies ist das bislang klarste Bild, wie schnell die Himalayagletscher schmelzen"

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Donnerstag, 20.06.2019   09:59 Uhr

Einer aktuellen Studie zufolge ist die Zukunft der Himalayagletscher düster: Sie schwinden immer schneller. Zuletzt schmolzen demnach jährlich durchschnittlich acht Milliarden Tonnen Eis. In weiten Teilen Asiens sei die Wasserversorgung gefährdet, warnen Wissenschaftler. Rund 800 Millionen Menschen sind davon betroffen. Wie stark sich die Region verändert hat, zeigen jahrzehntealte Fotos von US-Spionagesatelliten.

Ein Viertel des Himalaya-Eises könnte in den vergangenen fünf Jahrzehnten verschwunden sein, schätzt Joshua Maurer von der Columbia University. Seine Analyse im Fachblatt "Science Advances" zeigt, dass die Gletscher in der Region seit 2000 jährlich im Schnitt 43 Zentimeter dünner geworden sind. In den Jahrzehnten zuvor war der Wert nur halb so groß. "Dies ist das bislang klarste Bild, wie schnell die Himalayagletscher schmelzen und warum", so Maurer.

Derzeit umfasst der Eisschild des Himalaya rund 600 Milliarden Tonnen, sein Schwinden ist seit Längerem Gegenstand von Untersuchungen. Allerdings beschränkten sich diese meist auf kürzere Zeiträume oder nur einzelne Gletscher und führten teils auch zu widersprüchlichen Ergebnissen. Die neue Studie erfasst nun Daten von 650 Gletschern der gesamten Großregion und reicht von den Beobachtungen der Spionagesatelliten vom Typ Big Bird aus den Siebzigerjahren bis zur Gegenwart.

Josh Maurer/ LDEO

Aufnahme eines Spionagesatelliten aus dem Jahr 1976

Rückgang um bis zu fünf Meter pro Jahr

Das genaue Ausmaß des Eisschwundes ist sehr unterschiedlich: Generell konzentriere er sich eher auf niedrigere Lagen, dort konstatieren die Autoren sogar Verluste von bis zu fünf Metern pro Jahr. Der Gletscherschwund im Himalaya erinnere an den viel genauer untersuchten Eisverlust in den Alpen, so die Wissenschaftler. Zwar schmelze der Himalaya nicht so schnell wie die Alpen, aber die allgemeine Entwicklung sei durchaus ähnlich.

Eine kürzlich erschienene Publikation hatte bereits ergeben, dass rund 800 Millionen Menschen zumindest teilweise auf die Himalayagletscher angewiesen sind. Der Süßwasserkreislauf in vielen asiatischen Ländern wird vom Schmelzwasser aus den Gletschern des Himalaya gespeist.

In diesen Ländern hängt sowohl die Versorgung mit Trinkwasser als auch die landwirtschaftliche Bewässerung an den Schmelzwasserströmen der Gletscher. Vielerorts wird das Wasser zudem genutzt, um Strom aus Wasserkraft zu gewinnen. Sollten die Gletscher also weiter in ähnlich schnellem Maße abschmelzen, würde auch die Menge des Schmelzwassers abnehmen.

Wasserversorgung gefährdet

Der Zugang zum Schmelzwasser der Himalayagletscher stabilisiere ganze Gesellschaften, warnen die Forscher. Sollten die Gletscher weiter an Masse verlieren, könnten die Menschen künftigen auch Dürren nur noch wenig entgegensetzen.

Schon heute gingen vom vielen Schmelzwasser Gefahren aus, so die Forscher weiter. In vielen Hochgebirgslagen könnten Schmelzwasserseen überlaufen und hangabwärts menschliche Siedlungen überschwemmen.

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Verantwortlich für das Abschmelzen der Gletscher machen die Wissenschaftler steigende Temperaturen. In den Jahren seit dem Jahrtausendwechsel lagen die Werte in den betreffenden Gebieten durchschnittlich um ein Grad Celsius über dem Zeitraum von 1970 bis 2000.

"Wir sehen erstmals auf dieser langen Zeitbasis, dass das Abschmelzen sich in jüngerer Zeit deutlich beschleunigt hat", sagt Dirk Scherler vom Deutschen Geoforschungszentrum GFZ in Potsdam, der nicht an der Studie beteiligt war. Etienne Berthier vom Labor für Geophysik LEGOS in Toulouse ergänzt: "Die Studie zeigt, wie gefährdet der Himalaya ist, wenn sich der Klimawandel in den kommenden Jahrzehnten in gleichem Tempo fortsetzt."

insgesamt 23 Beiträge
hartamwind 19.06.2019
1. übliches Gerede
> Klimaveränderungen sind normal. aber nicht in der Geschwindigkeit > Der Mensch wird sich anpassen. aber nicht unsere Zivilisation mit der gesamten Infrastruktur, wird also teuer > Eine Warmzeit war in der [...]
> Klimaveränderungen sind normal. aber nicht in der Geschwindigkeit > Der Mensch wird sich anpassen. aber nicht unsere Zivilisation mit der gesamten Infrastruktur, wird also teuer > Eine Warmzeit war in der Vergangenheit immer ein Motor für die Entwicklung. auch Quark, aber wenn wir Maßnahmen dagegen ergreifen könnte es ein Motor sein. > Wir haben das Glück in solch einer Epoche zu leben. Gut so. sagen die zukünftigen Generationen garantiert nicht.
Little_Nemo 19.06.2019
2. Voll normal eyh!
Juhuu, endlich entwickeln sich die Menschen mal wieder. Wenn alles gut läuft werden sie dabei vielleicht sogar klüger und kapieren endlich, das natürliche Warmzeiten nicht annähernd so schnell entstehen wie unsere [...]
Juhuu, endlich entwickeln sich die Menschen mal wieder. Wenn alles gut läuft werden sie dabei vielleicht sogar klüger und kapieren endlich, das natürliche Warmzeiten nicht annähernd so schnell entstehen wie unsere derzeitige, und dass natürliche Warmzeiten auch natürliche Ursachen haben - im Gegensatz zu unserer derzeitigen.
egonv 19.06.2019
3.
Die ärmeren Länder wird es selbstverständlich zuerst treffen. Zum ersten Kommentar: "Der Mensch" wird sich sicher anpassen. Vermutlich wird sich "der Mensch" auch nach einem Atomkrieg anpassen können. Ich [...]
Die ärmeren Länder wird es selbstverständlich zuerst treffen. Zum ersten Kommentar: "Der Mensch" wird sich sicher anpassen. Vermutlich wird sich "der Mensch" auch nach einem Atomkrieg anpassen können. Ich denke aber kaum, dass es darum geht, dass ein Bruchstück der Menschheit überlebt und sich die Population nach einigen hundert Jahren wieder erholt. Wir sollten auch an diejenigen Milliarden denken, die sterben werden, und diese Zahl möglichst klein halten. Mal ganz zu schweigen von der persönlichen Ebene: Ich bin noch jung und so ein durchschnittlicher Sommertag macht mir zu schaffen. Wenn ich 30 Jahre älter bin und es im Schnitt nochmal 4 Grad wärmer ist, dann gute Nacht. ALSO HÖRT AUF, DEN KLIMAWANDEL STÄNDIG ZU RELATIVIEREN! WIR HABEN EIN ERNSTES PROBLEM UND DAS IST NICHT MEHR ZU LEUGNEN!
Frank A 19.06.2019
4. Sie haben Glück
, dass dieser "schnelle" Wandel für Sie zu spät kommt. Bis dahin können Sie gemütlich den Wasserhahn aufdrehen. Sicherlich gab es schon Klimawandel, doch gab es da keine 8 Milliarden Menschen auf der Erde. So gab es Platz [...]
, dass dieser "schnelle" Wandel für Sie zu spät kommt. Bis dahin können Sie gemütlich den Wasserhahn aufdrehen. Sicherlich gab es schon Klimawandel, doch gab es da keine 8 Milliarden Menschen auf der Erde. So gab es Platz zum Ausweichen. Menschen mit Ihrer Einstellung möchte ich sehen wie Sie auf das "Glück" reagieren, wenn sich nur ein verschwindend kleiner Teil der betroffenen 800 Millionen auf den Weg macht, um der Wasserknappheit und den damit verbundenen Auswirkungen zu entkommen.
schmuella 20.06.2019
5. Wärmephasen und kulturelle Entwicklung
Ein interessanter Spiegel-Artikel von 2013 mit dem Titel "Klimadaten erklären Niedergang von Hochkulturen" gibt es hier: [...]
Ein interessanter Spiegel-Artikel von 2013 mit dem Titel "Klimadaten erklären Niedergang von Hochkulturen" gibt es hier: https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/temperatur-daten-klima-der-vergangenen-2000-jahre-fuer-alle-kontinente-a-895356.html 78 Forscher haben nach 7-jähriger Forschung ihre Arbeit veröffentlicht, in der sie die Daten der letzten 2000 Jahre ausgewertet und mit "unerreichter Genauigkeit ... die Klimaentwicklung über einen solch langen Zeitraum für alle Weltregionen" rekonstruiert haben. Darin heißt es (Auszug): "Abgesehen von wenigen Erholungsphasen wurde das Klima weltweit immer kühler. Schuld waren vor allem schwächelnde Sonnenstrahlung und starke Vulkanausbrüche. Erst seit dem 19. Jahrhundert haben sich alle Kontinente mit Ausnahme der Antarktis deutlich erwärmt, die Nordhemisphäre doppelt so stark wie der Süden. Der Zeitraum 1971 bis 2000, mit dem die Studie endet, war in den meisten Regionen der wärmste. In Europa aber war es zur Römerzeit im ersten Jahrhundert noch milder. Das Mittelalterliche Klimaoptimum setzte auf der Südhalbkugel später ein als im Norden: Dort dauerte die milde Episode von der Mitte des zwölften bis weit ins 14. Jahrhundert, hier von etwa 830 bis 1100. Auch die Kleine Eiszeit, die im späten Mittelalter Hunger und Seuchen nach Europa brachte, kam im Süden später." Der Artikel geht in dieselbe Richtung wie die Aussage im ersten Forumbeitrag: "Blütezeiten des Römischen Reiches und des Deutschen Reiches fielen in regenreiche Warmzeiten; schlechte Zeiten wie Völkerwanderungen, Pest und Dreißigjähriger Krieg ereigneten sich in Phasen rauen Klimas. ... Auch in Nordamerika ließ die mittelalterliche Warmphase, in der es ähnlich mild war wie derzeit, das Leben erblühen. ... Die Abkühlung brachte Dürre."
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