Schrift:
Ansicht Home:
Wissenschaft

Marshallinseln

Atomsarg im Pazifik wird undicht

Hochradioaktives Material von Atombombentests wurde in der Südsee vor Jahrzehnten unter einem Betonmantel vergraben. Doch der werde nun brüchig, warnt der Uno-Vorsitzende.

The Asahi Shimbun/ Getty Images

Eniwetok-Atoll: Der Betondeckel (oben links) soll radioaktive Substanzen einschließen

Mittwoch, 22.05.2019   19:23 Uhr

Eine oberirdische Deponie für hochradioaktiven Atommüll auf dem Eniwetok-Atoll, das zu den Marshallinseln gehört, droht undicht zu werden. Davor warnte Uno-Generalsekretär Antonio Guterres bei einem Besuch auf den Fiji-Inseln.

67 Atombomben hatten die US-Streitkräfte zwischen 1946 und 1958 zu Testzwecken in der Südsee gezündet. Auf die Bevölkerung und Natur in der Region wurde dabei wenig Rücksicht genommen.

Der Betonverschluss war in den Siebzigerjahren auf der Insel Runit im Eniwetok-Atoll errichtet worden, um die Kontamination der Umwelt mit strahlenden Stoffen aus den Atomtests zu verhindern. Unter der behelfsmäßig errichteten Betonkuppel liegen Zehntausende Kubikmeter Schutt, die mit radioaktivem Plutonium verstrahlt sind. Vor gut 40 Jahren wurden bei Aufräumarbeiten Boden und Asche mit knapp einem halben Meter Beton versiegelt.

Risse im Beton

Die Kuppel, die den Strahlenmüll "wie in einer Art Sarg" schütze, sei vermutlich bereits Leck geschlagen, sagte der Uno-Generalsekretär während seines Besuchs in Fiji, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet. Die Radioaktivität drohe in den Pazifik zu gelangen. Die Präsidentin der Marshallinseln, Hilda Heine, habe ihm gegenüber ihre Besorgnis über mögliche radioaktive Leckagen ausgedrückt.

Beim Bau vor mehr als 40 Jahren wurden der Untergrund des Depots nicht versiegelt, die Einrichtung war als vorübergehende Lösung für das Problem geplant. Pläne für ein dauerhaftes Endlager wurden aber nie weiter verfolgt. Risse im Beton schüren die Sorge, dass auch der Deckel des Atomsargs undicht werden könnte, beispielsweise beim Durchzug eines Tropensturms.

Zahllose Inselbewohner waren Mitte des 20. Jahrhunderts gegen ihren Willen umgesiedelt worden, viele blieben der Radioaktivität der Explosionen ausgesetzt. "Die Konsequenzen waren ziemlich dramatisch für die Gesundheit und auch für die Meeresumwelt", sagte Guterres . Es bleibe "Vieles zu tun". Konkrete Maßnahmen nannte er nicht.

boj

insgesamt 12 Beiträge
lupo44 22.05.2019
1. Das musste ja so kommen und das ist nur der Anfang......
Für diese Umweltkiatastrophe die sich da anbahnt sollte sich der gesammte Erdball erheben und die Verantwortlichen Staaten sofort zum handeln zwingen.Dafür sollte man auf die Straße gehen und der Politik gehörig zusetzen.Hier [...]
Für diese Umweltkiatastrophe die sich da anbahnt sollte sich der gesammte Erdball erheben und die Verantwortlichen Staaten sofort zum handeln zwingen.Dafür sollte man auf die Straße gehen und der Politik gehörig zusetzen.Hier sind Millionen Menschenleben zu schützen.Und gerade unsere deutschen Politiker müssen den Druck verschärfen und diese Staaten wie USA und Russland zum sofortigen handeln zwingen. Und voe allenDingen das neue Wettrüsten bekämpfen .Damit schützen sie zukünftigen Generationen.
fassadensprayer 22.05.2019
2. 50 cm Abdeckung
Das soll alles sein??? Lächerlich! Die Bodenplatten von vielen Häusern sind um ein vielfaches dicker! Keine Abschirmung gegen Durchströmung, Keine zusätzliche Abdichtung gegen eindringendes Wasser in Haarrisse??? Wohl kein [...]
Das soll alles sein??? Lächerlich! Die Bodenplatten von vielen Häusern sind um ein vielfaches dicker! Keine Abschirmung gegen Durchströmung, Keine zusätzliche Abdichtung gegen eindringendes Wasser in Haarrisse??? Wohl kein Geld mehr gehabt, - alles fürs Plutonium rausgehauen? Die Verantwortlichen sollten zu längerem Zwangsurlaub vor Ort verpflichtet werden! Hirn wird dabei jedenfalls nicht mehr geschädigt und Rückgrat war ja eh nicht da.
mhwse 22.05.2019
3. wenn jetzt der Meeresspiegel
um 2,35 m steigt - dann macht der ganze Beton eh wenig Sinn. Ein Hurricane/Taifun - der dann länger über der Insel liegt - und wir bekommen alle unsere Plutonium Dosis .. (ja es gibt keine Klimakrise .. linkes Gefasel) Die [...]
um 2,35 m steigt - dann macht der ganze Beton eh wenig Sinn. Ein Hurricane/Taifun - der dann länger über der Insel liegt - und wir bekommen alle unsere Plutonium Dosis .. (ja es gibt keine Klimakrise .. linkes Gefasel) Die Realität sollte die Erkenntnis Verweigerer aber trotzdem gelehrt haben, dass es meist noch schlimmer kommt. Ich bin für eine Bundesstaat EU - und sehr strenge Umwelt Gesetze - für alle die, die uns was verkaufen wollen. Dagegen wären die trumpschen Handelsbeschränkungen dann Kinderkram. (und wenn die Idee links/grün ist - ist sie ggf. gar nicht mehr so verkehrt.)
#besserwisser 23.05.2019
4. 23 Milliarden - ein Schnäppchen ...
Man muss gar nicht in die Südsee reisen, um ein Gefühl für den ganz normalen Wahnsinn hierzulande zu bekommen. Die Energieriesen eon, Vattenfall, RWE kaufen sich mit 23 Milliarden Euro aus der Verantwortung, die sie so auf den [...]
Man muss gar nicht in die Südsee reisen, um ein Gefühl für den ganz normalen Wahnsinn hierzulande zu bekommen. Die Energieriesen eon, Vattenfall, RWE kaufen sich mit 23 Milliarden Euro aus der Verantwortung, die sie so auf den Steuerzahler abwälzen. Nach dieser einmaligen Zahlung übernimmt der Staat, hier mal ganz großzügig, die volle Verantwortung für den verstrahlten Restmüll. Und das, obgleich es bis heute gar kein schlüssiges Entsorgungskonzept gibt. Viele denken heute noch immer, die Castoren rollen nach Gorleben, um dort kilometertief in ewigen Salzstöcken eingelagert zu werden. In der Realität rollen die zwar nach Gorleben, werden dort aber dann oberirdisch geparkt. Denn eine Zulassung als Endlagerstätte hat der Salzstock bis heute nicht - und nach den neuesten wissenschaftlichen Arbeiten wird er sie auch nie erhalten. Wie lange muss der brave Bürger dann auf das brisante Erbe aufpassen? 100.000 Jahre, 500.000?! Das sind also etwa 50.000 Euro pro Jahr. Wie lange stehen die Pyramiden noch Mal? 4.000 Jahre? Da hat aber eine Regierung Weitsicht ...
manni0815 23.05.2019
5. darf's ein bisschen Krebs sein?
durch die vielen Atomwaffentests in den 60er -80er Jahren wurde derart viel spaltbares Material in der Umwelt verteilt, dass man sich nicht ueber die vielen Krebsfälle wundern muss, die selbst gesund lebende Menschen heimsuchen. [...]
durch die vielen Atomwaffentests in den 60er -80er Jahren wurde derart viel spaltbares Material in der Umwelt verteilt, dass man sich nicht ueber die vielen Krebsfälle wundern muss, die selbst gesund lebende Menschen heimsuchen. Der USA ist das insbesondere unter dieser Regierung wurscht, ob das Plutonium sich im Pazifik verteilt. Sie lässt sich ja nicht verklagen, wie bspw. Bayer.

Verwandte Artikel

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP