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Wissenschaft
Knochensplitter

Teures Fundstück

Nicolas Cage hat Pech mit geschmuggeltem Dino-Schädel

REUTERS

Nicolas Cage: Schauspieler und Fossiliensammler

Von
Donnerstag, 31.10.2013   09:44 Uhr

Fünf Jahre ist es her, dass der Schauspieler Nicolas Cage für 267.000 Dollar einen spektakulären Dinosaurierschädel ersteigerte. Jetzt muss er fürchten, den wieder zu verlieren - das Fossil war möglicherweise illegal in den Verkauf gekommen.

Cage liefert öfter Schlagzeilenfutter für die Boulevardpresse. So wie auch jetzt, dieses Mal allerdings wohl völlig schuldlos: Im Jahr 2007 lieferte sich Cage bei einer Auktion eine Bieterschlacht mit seinem Kollegen Leonardo DiCaprio. Zum Verkauf stand ein spektakulär großer und gut erhaltener Schädel eines zu den Tyrannosauriern gehörenden Tarbosaurus bataar. Cage bekam bei 267.000 Dollar den Zuschlag, seitdem schmückt der Schädel seine Sammlung.

Möglicherweise aber nicht mehr lang. Denn der Tarbosaurus-Schädel kam mit einiger Wahrscheinlichkeit auf illegalen Wegen in die USA und unter den Hammer. Dafür sprechen zwei Dinge: Zum einen ist der einzige Ort, an dem bisher Tarbosaurier gefunden wurden, die Mongolei - und die verbietet schon seit langem die Ausfuhr von Fossilien. Zum anderen war es kein geringerer als Eric Prokopi, der den Schädel zum Verkauf anbot.

Und der gilt inzwischen als berüchtigtster Fossilienschmuggler der vergangenen Jahrzehnte. 2012 versteigerte Prokopi in New York einen Tarbosaurus für eine Million Dollar, was kurz darauf erst zu diplomatischen Verwicklungen und bald danach zu Prokopis Verhaftung führte. Der Tarbosaurus wurde der Mongolei zurückgegeben, und Prokopi machte man den Prozess. Er gestand im Dezember 2012 und wartet noch auf ein Urteil: Ihm drohen bis zu 17 Jahre Haft. Noch allerdings laufen die Ermittlungen weiter.

Was dazu führen könnte, dass Cage bald Besuch bekommt. Denn die Fahnder folgen nicht nur den Spuren des Geldes, wie es so schön heißt, sondern auch den geschmuggelten Waren, die Prokopi auf den Markt gebracht hatte. Ganz oben auf der Liste der Fossilien, die sie sich gern ansehen würden: Der von Cage gekaufte Schädel und ein weiteres Tarbosaurus-Fossil, das sich in Großbritannien befinden soll.

In der Mongolei hat der Medienrummel um die geschmuggelten Tarbosaurier ein bisher nicht gekanntes Paläontologiefieber entfacht. Der zurückgeführte Tarbosaurier ist Mittelpunkt einer neu zusammengestellten Ausstellung. In den ersten vier Monaten zählte sie eine halbe Million Besucher. Bei einer Gesamtbevölkerung von nicht ganz 3,2 Millionen Einwohnern ist das im Vergleich so, als strömten fast 13 Millionen Deutsche in eine Dino-Ausstellung in Berlin. Für die Wissenschaft hat Prokopi so am Ende also einiges geleistet.

Wovon der Fossilien-begeisterte Cage natürlich nichts hätte. Sollte man "seinen" Schädel konfiszieren, könnte er sich nur per Klage wehren. Fossilienhandel bleibt ein Glatteis mit juristischen Risiken, gerade wenn es um besonders spektakuläre Stücke geht.

Apropos: Paläontologie ist gut für den Kopf

AP

Robert T. Bakker: Noch immer Kurator der Paläontologie am Houston Museum of Natural Science

Es soll ja Leute geben, die nicht verstehen, warum man im Boden wühlen sollte, um dort vor Jahrmillionen versteinerte Überreste von Pflanzen und Tieren zu finden. Robert T. Bakker lieferte auf einer Schulveranstaltung vergangene Woche auf diese Frage eine Antwort von seltener Originalität: "Sie sind gut für das Gehirn eines Kindes. Fossilien sind Starthilfekabel für den menschlichen Geist. Sie lehren uns, querzudenken."

Wozu man wissen muss, dass Bakker, Jahrgang 1945, die paläontologische Forschung der vergangenen Jahrzehnte geprägt hat wie kaum ein anderer - er ist definitiv ein "Querdenker".

Es waren Bakker und sein Doktorvater John Ostrom, die Schluss machten mit der Vorstellung von steifen, unbeweglichen Sauriern, die ihren Schwanz hinter sich her durch den Sand zogen: Bakker schlug die heute konsensfähige Vorstellung vom Saurier vor, der sich mit dem Gegengewicht seines Schwanzes quasi in Waage hält - und so im Falle der flinken Raptoren ganz erhebliche Geschwindigkeiten erreichen konnte.

Klar, dass solche Tiere warmblütig gewesen sein mussten, so Bakkers These, und mehr mit Vögeln als mit Leguanen gemein hatten. Dass viele dieser Saurier auch gefiedert waren, schlug Bakker vor, lang bevor erste entsprechende Funde gefiederter Raptoren seine These bewiesen.

Für ihn sei die Paläontologie aber mehr als nur geistige Gymnastik, erklärte er den Schülern: "Man hat mehr Freude an der Beobachtung von Dingen, wenn man versteht, was gerade passiert ist. Und man kann die heutige Welt mehr schätzen, wenn man versteht, was nicht mehr da ist."

So ist das: Es geht nicht um Knochen, sondern um Weltverständnis.

insgesamt 7 Beiträge
guteronkel 31.10.2013
1.
Da frage ich mich nur, warum wir über Tiere in der Vergangenheit so einen Zirkus machen wenn wir selbst heute noch nicht den Menschen verstanden haben?
Da frage ich mich nur, warum wir über Tiere in der Vergangenheit so einen Zirkus machen wenn wir selbst heute noch nicht den Menschen verstanden haben?
username987 31.10.2013
2.
ich dachte, nicholas cage sei schon lange pleite?
ich dachte, nicholas cage sei schon lange pleite?
halliburtonium 31.10.2013
3.
Ganz einfach, wir haben offensichtlich noch nicht genug "Zirkus" um die Tiere UND allem ANDEREN aus der Vergangenheit gemacht. Denn dann wären wir dem "Menschen" um einiges näher gekommen... Querdenken [...]
Ganz einfach, wir haben offensichtlich noch nicht genug "Zirkus" um die Tiere UND allem ANDEREN aus der Vergangenheit gemacht. Denn dann wären wir dem "Menschen" um einiges näher gekommen... Querdenken scheint zu helfen.
seele87 31.10.2013
4.
Wenn es einen Menschen nicht mehr auf der Erde geben wird, dann wird er möglicherweise Standpunkt von Wissenschaft sein :))
Wenn es einen Menschen nicht mehr auf der Erde geben wird, dann wird er möglicherweise Standpunkt von Wissenschaft sein :))
tutnet 31.10.2013
5.
Da wäre er besser bei Bildern geblieben. Ich hatte Nicholas Cage mal ca. 1997 bei Marcel Sitcoske in ihrer Galerie in der Post Street in San Francisco getroffen.
Da wäre er besser bei Bildern geblieben. Ich hatte Nicholas Cage mal ca. 1997 bei Marcel Sitcoske in ihrer Galerie in der Post Street in San Francisco getroffen.

Zum Autor

Zum Autor
  • Frank Patalong ist seit 1999 bei SPIEGEL ONLINE, bis 2011 als Leiter des Ressorts Netzwelt. Fossilien seiner Arbeit finden sich aber auch in den Archiven der Wissenschaft, Kultur, Politik und anderer Ressorts, denen er heute als Autor zuarbeitet. An der Paläontologie fasziniert ihn, wie sie über den Umweg der Popkultur Interesse an wissenschaftlichen Themen weckt und wachhält.
  • Bücher vom Autor bei Amazon.
  • Bei Thalia.

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