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Wissenschaft

Kirschessigfliege und Co.

EU will invasive Pflanzenschädlinge zurückdrängen

Eingeschleppte Schädlinge haben bereits Tausende Olivenbäume in Europa zerstört, regelmäßig gefährden sie Obsternten. Nun will die EU ihre Einfuhr eindämmen - unter anderem mit Quarantänezonen.

imago/ CTK Photo

Asiatische Laubholzbockkäfer wurden über Verpackungen eingeschleppt

Mittwoch, 26.10.2016   17:01 Uhr

Sie werden zusammen mit Pflanzen oder auch in Holzkisten nach Europa eingeschleppt und zerstören Olivenbäume oder ganze Obstplantagen - Schädlinge wie der Eschenprachtkäfer oder der Asiatische Laubholzbockkäfer. Nun will die EU den Schutz gegen solche Schädlinge verbessern. Darauf zielt eine Verordnung ab, die das Europaparlament in Straßburg verabschiedet hat.

Vertreter des Parlaments und der EU-Staaten hatten sich vorab auf einen Kompromiss geeinigt. Die Verordnung kann somit in Kürze in Kraft treten. Umgesetzt werden muss sie dann innerhalb von drei Jahren.

Die neuen Vorschriften sehen eine Ausweitung der Einfuhrkontrollen für Pflanzen und Vermehrungsmaterial wie Samen vor. Für Pflanzen, die als besonders risikoreich gelten, sollen beispielsweise Quarantänezonen eingerichtet werden. Mit diesen Maßnahmen soll verhindert werden, dass gefährliche Schädlinge heimische Pflanzen vernichten und so die Biodiversität gefährden.

30.000 Olivenbäume zerstört

Ein bekanntes Beispiel ist das Bakterium Xylella fastidiosa, das aus Amerika eingeschleppt wurde und in Südeuropa Olivenbäume und Zitrusfrüchte befallen hat. Alleine in Süditalien wurden dadurch nach Angaben des Europaparlaments rund 30.000 Olivenbäume zerstört. Für solche Fälle sieht die Verordnung auch Entschädigungen vor.

Verschärft werden sollen zudem die Vorschriften und die Kontrolle von Verpackungsmaterial - vor allem von Holzkisten - sowie von anderen Holzprodukten. Der Asiatische Laubholzbockkäfer etwa ist Experten zufolge über Holzverpackungen eingeschleppt worden.

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Ausbreitung ohne natürliche Feinde

Verstärkt wird die Gefahr noch durch die Erderwärmung, welche die Ausbreitung mancher Schädlinge fördert. Ein Beispiel dafür ist der Eichenprozessionsspinner, der sich aufgrund des Klimawandels mittlerweile in ganz Deutschland ausgebreitet hat. Er befällt Eichen nicht nur in Wäldern, sondern auch in Alleen und Parks von Städten. Zudem können ihre Gifthärchen bei direktem Kontakt mit menschlicher Haut allergische Reaktionen hervorrufen.

Der vor rund zehn Jahren aus Nordamerika eingeschleppte Eschenprachtkäfer wiederum tötet innerhalb kurzer Zeit Eschen. Er hat sich von Russland aus nach Westen ausgebreitet.

Obstbauern in Deutschland machen vor allem der aus Nordamerika stammende Rundköpfige Apfelbaumbohrer und die aus Ostasien eingewanderte Kirschessigfliege zu schaffen.

"Diese Schädlinge haben keine natürlichen Feinde in unseren Ökosystemen", erläuterte die SPD-Abgeordnete Maria Noichl. Den einheimischen Pflanzen fehle es zudem an natürlichen Abwehrmechanismen gegen die Krankheiten. Eine bessere Kontrolle sei daher dringend nötig.

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jme/AFP

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