Schrift:
Ansicht Home:
Wissenschaft

Pinguine

Weibchen schwimmen weiter - und stranden öfter

Nach der Brutzeit wandern Magellan-Pinguine entlang der Küste Südamerikas nach Norden. Unterwegs stranden allerdings viele Tiere. Nun haben Forscher untersucht, warum überdurchschnittlich oft Weibchen betroffen sind.

AFP

Magellan-Pinguine in einem Aquarium im kalifornischen Long Beach (Archivbild)

Montag, 07.01.2019   16:38 Uhr

Nach getaner Arbeit zieht es sie ins Warme: Die bis zu 70 Zentimeter großen und bis zu vier Kilogramm schweren Magellan-Pinguine leben im südlichen Südamerika. Den antarktischen Sommer verbringen die Tiere in ihren Brutkolonien an der Pazifik- und der Atlantikküste. Nach Ende der Brutsaison ziehen die Pinguine dann in mildere Gefilde nach Norden. Dabei stranden viele Tiere, meist weil ihr Gefieder verölt ist oder sie krank, verletzt oder durch Nahrungsmangel geschwächt sind.

Auffällig ist allerdings, dass viel mehr weibliche als männliche Magellan-Pinguine stranden. Ein japanisch-argentinisches Forscherteam hat das Phänomen an der Ostküste Südamerikas untersucht und berichtet im Fachblatt "Current Biology" nun von den Ergebnissen.

Das Team um Takashi Yamamoto von der Universität Tokio hatte die Bewegungsprofile von 14 Magellan-Pinguinen analysiert - acht Männchen und sechs Weibchen. Die Tiere beendeten die Brutsaison in Patagonien Ende Februar. In den folgenden Wochen zogen sie nach Norden und kehrten erst im September und Oktober wieder zurück.

Dabei legten die Weibchen größere Entfernungen zurück als ihre männlichen Artgenossen: Sie hielten sich während der Wintermonate überwiegend nördlich des 36. südlichen Breitengrades auf, die Männchen dagegen eher zwischen dem 38. und dem 41. Breitengrad. Die Weibchen zogen bis zu 1200 Kilometer weit, die Männchen maximal 1000 Kilometer.

Pinugine verraten sich durch Exkremente

Dabei seien die nördlicheren Gewässer für die Tiere riskanter, betonen die Forscher. Sie verweisen insbesondere auf die Verschmutzung durch Ölförderung, den intensiveren Schiffsverkehr sowie auf die Gefährdung durch Fischerei. Dass die Weibchen weiter nach Norden ziehen, erklären die Forscher damit, dass sie deutlich kleiner und leichter sind und daher möglicherweise wärmere und flachere Gewässer bevorzugen.

Tatsächlich tauchten diese Tiere meist nur 35 Meter tief, bei den Männchen waren es etwa 59 Meter. Zudem könne es sein, dass die Weibchen in den flacheren, küstennahen Gewässern stärker von der nach Norden gerichteten patagonischen Strömung mitgezogen würden.

Unterschiede im Tauchverhalten

"Das bestätigt, was wir schon an anderen Standorten und Jahreszeiten dokumentiert haben", sagt der Biologe Klemens Pütz. Unterschiede im Tauchverhalten seien auch während der Brutsaison beobachtet worden. Das sei sinnvoll, um ein größeres Nahrungsangebot nutzen zu können, sagt der wissenschaftliche Leiter des Antarctic Research Trust.

"Zudem hängt das Tauchvermögen von Pinguinen von der Körpergröße ab", so Pütz. Zwergpinguine würden unter hundert Meter tief tauchen, die großen Kaiserpinguine dagegen mehr als 500 Meter tief.

Für Aufsehen sorgte vor einigen Jahren der Magellan-Pinguin Dindim, der 2011 verölt und verletzt an einer Insel bei Rio de Janeiro strandete und seinen Retter danach jahrelang immer wieder besuchte.

Dindim war jedoch ein Männchen.

Walter Willems, dpa/chs

Verwandte Artikel

Mehr im Internet

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP