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Knochensplitter

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Dinosaurier-Auktion verspricht neuen Preis-Rekord

AP
Von
Dienstag, 19.11.2013   14:15 Uhr

Was macht der gemeine Cowboy eigentlich in seiner Freizeit? So mancher sucht Fossilien: Den Rancher Clayton Phipps dürfte das am Dienstag zum mehrfachen Millionär machen - da werden seine "Dinos im Duell" versteigert. Wenn es so läuft, wie er hofft, für den höchsten Preis aller Zeiten.

Phipps ist tatsächlich Cowboy und Besitzer einer für US-Verhältnisse kleinen Ranch in Montana. Wie viele andere unabhängige Viehzüchter schaffte es Phipps nicht mehr, mit dem Ranchbetrieb allein seine Familie durchzubringen. Der Nebenjob ist unter den Kleinranchern Standard, wer alternative Einnahmequellen findet, schätzt sich glücklich.

Phipps fand seine, als er auf der Weide von einem Fossiliensammler um Erlaubnis gebeten wurde, auf seinem Grund nach Knochen zu suchen. Der Mann zeigte ihm später mehrere kleine Saurierknochen und damit einen Weg, den Lebensunterhalt für seine Familie merklich aufzubessern.

Im Jahr 2003, als er erstmals ein vollständiges Schädel-Fossil eines Stygimoloch fand und später für 40.000 Dollar verkaufen konnte, wurde aus dem Hobby mit kleinen finanziellen Anreizen deutlich mehr als das. Der Quereinsteiger ohne relevanten akademischen Background gilt heute als kenntnisreicher Dino-Jäger, er pflegt Kontakte mit professionellen Paläontologen. Fachlich berät er sich unter anderem mit Robert T. Bakker, dem Kurator der Paläontologie am Houston Museum of Natural Science.

Generell aber tue sich die Fachwelt schwer mit kommerziellen Dino-Jägern, sagt Phipps in diesem Video-Interview (YouTube):

Clayton Phipps über die Ablehnung seiner "kommerziellen" Funde
Zufallsfund in Nachbars Acker

Im Jahr 2006 suchte der "Dino Cowboy", wie ihn die regionale Presse nennt, mit seinem Cousin Chad O'Connor und dem gemeinsamen Kumpel Mark Eatman mit Erlaubnis des Besitzers auf dem Gelände einer privaten Ranch in der berühmten Hell Creek Formation, die sich über Montana, die Dakota-Staaten und Wyoming erstreckt.

Sie fanden den Beckenknochen eines Vogelbeckendinosauriers, den sie schnell den Ceratopsia zuordnen konnten. Es folgten Wochen, in denen sich die Drei Stück um Stück in den Fels vorarbeiteten.

Nach rund drei Wochen dann folgte ein Fund, der ihnen umgehend klar machte, dass sie über etwas wirklich Spektakuläres gestolpert waren: Inmitten der Knochen des später als Chasmosaurus ceratopsian identifizierten Pflanzenfressers - eine dem bekannten Triceratops sehr ähnliche Spezies - fanden sie die abgebrochene Kralle eines Raubsauriers von respektabler Größe.

Phipps behauptet, dass auch abgebrochene Zähne des Räubers im Fleisch des Chasmosauriers gesteckt hätten. Für ihn gibt es deshalb keinen Zweifel daran, dass das Fossilpaar "Dinos im Duell" ("Dueling Dinosaurs") gewesen seien - also im Kampf miteinander gestorben.

Alter Streit: Forschung versus Kommerz

Geklärt ist das keineswegs, denn bisher hat an dem spektakulären Fund niemand forschen können. Mehrere Jahre boten Phipps und Co. das Doppelfossil amerikanischen Museen und Instituten an. Laut Phipps hätten sie es gern so verkauft, dass der Fund der Forschung zur Verfügung gestanden hätte. Angeblich sollen sie aber 9,8 Millionen Dollar dafür verlangt haben - viel zu viel für akademische Institutionen.

Der bisher teuerste Dino-Kauf durch ein Museum war 1997 der Ankauf des T-rex "Sue" durch das Field-Museum in Chicago: Der Preis von 7,6 Millionen Dollar konnte nur mit Hilfe privater Sponsoren aufgebracht werden, Sue gilt bis heute als teuerstes Fossil aller Zeiten.

Wenn es gut läuft für Cowboy Phipps und seine Partner, wird sich das am Dienstag ändern. Dann stehen die "Dueling Dinosaurs" beim New Yorker Auktionshaus Bonhams zum Verkauf. Erwartet wird der Zuschlag irgendwo zwischen sieben und neun Millionen Dollar.

Ob das Fossilpaar danach jemals der Forschung zur Verfügung stehen wird, hängt dann allein vom guten Willen des Käufers ab. Die Auktion wird die alte Diskussion um private Fossilienjäger und die berechtigten Interessen der Wissenschaft auf jeden Fall erneut befeuern.

Dass die alte Streitfrage um Vorfahrtregeln für Kommerz oder Forschung jemals pauschal beantwortet werden kann, ist aber unwahrscheinlich. Denn oft genug, machte der Bonner Paläontologe Martin Sander 2011 im Gespräch mit dem SPIEGEL klar, ist auch die kommerzielle Grabung höchst nützlich: "Wenn mehr Sammler suchen, wird auch mehr gefunden. Außerdem sind Ausgrabungen teuer, da kann es sinnvoll sein, wenn Privatleute oder Firmen mithelfen. Aber es kann auch passieren, dass bedeutende Funde der Wissenschaft nicht zugänglich werden, sondern dass Skelette bei reichen Sammlern im Wohnzimmer landen."

Für das angebliche Dino-Duell wird der Käufer allerdings ein großes Wohnzimmer mit hohen Decken brauchen. Im ursprünglichen Kontext zueinander aufgestellt haben die beiden Fossilien eine Gesamtlänge von über zehn und eine Höhe von über drei Metern. Rein quantitativ bekommt man also richtig was fürs Geld.

insgesamt 3 Beiträge
Larry 19.11.2013
1.
Schon komisch, dass in den USA millionen jahre alten Dino-Knochen immer 30 cm unter der Erden zu finden sind...
Schon komisch, dass in den USA millionen jahre alten Dino-Knochen immer 30 cm unter der Erden zu finden sind...
dimetrodon190 19.11.2013
2.
schon komisch, jeder alte Knochen in den Usa ist eine Schlagzeile wert. Aber wehe man versucht hier nur mal fünftausend Euro für ne Grabung zu beantragen, dann schlagen die Türen mit Wucht vor einem zu. Armes Land
schon komisch, jeder alte Knochen in den Usa ist eine Schlagzeile wert. Aber wehe man versucht hier nur mal fünftausend Euro für ne Grabung zu beantragen, dann schlagen die Türen mit Wucht vor einem zu. Armes Land
Frank Patalong 19.11.2013
3.
Tja, das sind die Wunder der Erosion. Die bewirkt, dass das, was irgendwann mal unten lag, wieder an die Oberfläche kommt. Kann man übrigens auch in etlichen europäischen Karstgebieten sehr schön sehen, wo Millionen Jahre alte [...]
Tja, das sind die Wunder der Erosion. Die bewirkt, dass das, was irgendwann mal unten lag, wieder an die Oberfläche kommt. Kann man übrigens auch in etlichen europäischen Karstgebieten sehr schön sehen, wo Millionen Jahre alte Muscheln etc. manchmal sogar direkt an der Oberfläche liegen. Daran ist nichts seltsam: Wer mit Evolution kein Problem hat, braucht auch keins mit Erosion zu haben.

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Fossilienhandel: Fünf Fragen an Stephan Schaal

Wie finden Sie das, wenn ein wichtiges Fossil in einer privaten Sammlung landet?
Stephan Schaal: Es kommen gemischte Gefühle auf - und letztendlich die Hoffnung, dass der neue Besitzer den Fund der Wissenschaft und der Öffentlichkeit zugänglich macht und sich rechtzeitig Gedanken über den Verbleib des Stückes nach seinem Tod macht. So haben vielleicht noch unsere Kinder etwas davon.
Aber zunächst würde ich gerne wissen: Wer hat gesagt, dass dieses Fossil für die Forschung sehr wichtig ist, vielleicht war es nur teuer? Erst wenn sich die Behauptung über den hohen wissenschaftlichen Wert bestätigt, muss hinterfragt werden, ob die Museen weltweit geschlafen haben, ob es ein Finanzierungsproblem war oder ob das Fossil illegal gehandelt wurde und deshalb nicht angekauft wurde. Im letzten Jahrzehnt haben sich weltweit viele Museen einem 'Code of Ethics' verschrieben, der den Erwerb von Naturschätzen unter bestimmten Voraussetzungen verbietet.
Und wenn das Fossil aus einem Land mit Exportverbot kam? Muss man dann nicht auch den Handel damit verbieten?
Stephan Schaal: Ein pauschales Verbot funktioniert hier nicht, weil dies auch von den Vorbesitzern der Fossilien abhängig ist. Viele Länder haben sich erst vor wenigen Jahren über Ausfuhrbestimmungen Gedanken gemacht und dabei z.T. rückwirkend erklärt, dass die Ausfuhr illegal war. Das macht die Sache schwierig, weil oft nicht gesagt werden kann, wann die Funde getätigt und exportiert wurden. Wenn sich also die Händler hier nicht stärker engagieren, dann bleibt nur die Hoffnung, dass es der Privatsammler oder der Gesetzgeber tut.
Sind Hobby-Sammler und private Händler auch in Deutschland ein Problem?
Stephan Schaal: Sie sind bei uns auch ein Thema. Es gibt aber sehr gut informierte, interessierte und ernst zu nehmende Sammler und Händler, die seriös mit den wissenschaftlichen Institutionen zusammen arbeiten.
Private Händler und Sammler behaupten, dass auch sie zur Wissenschaft beitragen. Stimmt das?
Stephan Schaal: Tatsächlich haben private Sammler mehr Zeit für die Fossilsuche in ihrer Freizeit, und die hohen Fundhäufigkeiten sprechen an sich schon dafür, dass die Weitergabe z.B. an Museen ein akzeptabler Weg ist. Allerdings passiert es regelmäßig, dass im Gelände keine genauen Befunddaten aufgenommen werden und somit ein wissenschaftlicher Schaden entsteht, oder der Fund sogar gänzlich an Aussage verliert. Auf der anderen Seite würde er möglicherweise nie entdeckt werden. Um den Nutzeffekt zu verbessern, muss ein Kontakt zwischen den Wissenschaftlern und den privaten Sammlern gepflegt werden. Das funktioniert teilweise sehr gut.
Wo sehen Sie die schädlichsten Effekte des privaten Handels mit Fossilien?
Stephan Schaal: Viele Privatsammler arbeiten gerne mit den Instituten zusammen. Ein schädlicher Effekt ist eher in der unvollständigen Bergung und der Gefahr der falschen Präparation zu sehen. In diesen Arbeitsschritten darf kein großer Zeitdruck entstehen, dem sich viele Händler und manche Sammler selbst aussetzen. Der schädliche Effekt wäre einerseits die oberflächliche Bergung, z.B. ohne die Aufnahme der notwendigen begleitenden Geländedaten. Andererseits passiert es immer wieder, dass die Funde unprofessionell geborgen, transportiert und präpariert werden. Hierbei geht oft viel Information verloren. Trotzdem sollte man die privaten legalen Aktivitäten keinesfalls einengen. Wie soll z.B. Nachwuchs für die Paläontologie gewonnen werden, wenn er nicht begeistert werden kann und keine Fossilien suchen darf?

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  • Frank Patalong ist seit 1999 bei SPIEGEL ONLINE, bis 2011 als Leiter des Ressorts Netzwelt. Fossilien seiner Arbeit finden sich aber auch in den Archiven der Wissenschaft, Kultur, Politik und anderer Ressorts, denen er heute als Autor zuarbeitet. An der Paläontologie fasziniert ihn, wie sie über den Umweg der Popkultur Interesse an wissenschaftlichen Themen weckt und wachhält.
  • Bücher vom Autor bei Amazon.
  • Bei Thalia.

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