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Wissenschaft

Baumsterben

Umweltministerin Schulze fordert Klimaprämie für Waldbesitzer

Klimaschutz statt Holzgewinnung: Umweltministerin Schulze will nach SPIEGEL-Informationen ökologische Waldbesitzer belohnen. Damit widerspricht die SPD-Politikerin ihrer Kabinettskollegin Klöckner.

DPA

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD)

Von
Freitag, 30.08.2019   18:00 Uhr

Dem deutschen Wald geht es miserabel. Nach zwei Jahren extremer Dürre in den Sommermonaten setzen ihm Waldbrände immer wieder zu. Die Borkenkäferplage vernichtet Kiefernwälder in nicht bekanntem Ausmaß. Deutsche Waldbesitzer sprechen angesichts der Situation von einer "Jahrhundertkatastrophe". Der Dachverband der Waldeigentümer geht davon aus, dass 2018 und 2019 insgesamt 70 Millionen Festmeter sogenannten Schadholzes anfallen - im Wesentlichen Käferholz und geschwächte Bäume, die bei Stürmen umgeknickt sind.

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Dieser Kahlschlag ist nicht gut, schließlich filtern Bäume CO2 aus der Luft. Deutschland, das bei seinen Klimazielen hinterherhinkt, könnte also intakte Wälder gut gebrauchen. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) will Waldbesitzer deshalb künftig dafür honorieren, wenn sie in ihrem Baumbestand mehr für den Klimaschutz tun. "Prämien sollte es für diejenigen geben, die ihren Waldumbau vor allem am Nutzen für die Natur und am Klimaschutz ausrichten und nicht an der Holzproduktion", sagte Schulze dem SPIEGEL. "Bäume müssen groß und alt werden dürfen."

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Damit widerspricht die Ministerin ihrer Kabinettskollegin, Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU), die mit Geldern für Aufforstaktionen vor allem die Holzgewinnung im Sinn hat. Schulze hingegen wünscht sich staatliche Anreize für die Funktion des Waldes, das Klima zu schützen. "Wenn der Staat mit Steuergeld privaten Waldbesitzern beim Wiederaufbau von Wäldern hilft, muss die Gesellschaft auch etwas davon haben", sagte sie dem SPIEGEL. Das Geld dürfe allerdings nicht mit der Gießkanne verteilt werden. Nötig seien deshalb klare Kriterien für die Förderung, erklärte Schulze. Ende September wird Schulze an dem Waldgipfel teilnehmen, den Landwirtschaftsministerin Klöckner einberufen hat.

Angesichts der verheerenden Zustände in deutschen Wäldern hat die Politik das Thema wieder verstärkt auf die Agenda gebracht. In Sachsen und Thüringen könnten knapp ein Drittel des Waldbestandes verloren gehen. Entsprechend wird das Waldsterben dort zum bestimmenden Thema im Wahlkampf. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer(CDU) traf sich im August mit Julia Klöckner (CDU), gemeinsam verabschiedeten sie die "Moritzburger Erklärung". Darin fordern sie 800 Millionen Euro, um den deutschen Wald den Klimaveränderungen anzupassen.

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insgesamt 70 Beiträge
regelaltersrentner 30.08.2019
1.
Bis jetzt war es so, dass das Holz verwertet wurde, sei es in der Industrie oder beim Häuserbau. Es sieht sicherlich schöner aus, wenn ein paar Birken im Wald stehen, wo schlägt man das Holz, das weiter benötigt wird? [...]
Bis jetzt war es so, dass das Holz verwertet wurde, sei es in der Industrie oder beim Häuserbau. Es sieht sicherlich schöner aus, wenn ein paar Birken im Wald stehen, wo schlägt man das Holz, das weiter benötigt wird? Brasilien?
moerre 30.08.2019
2. Nein!
Wenn Waldbesitzern das Besitzen zu viel wird, dürfen sie "ihren" Wald gerne abgeben an andere - zum Beispiel an den Staat, wo Wald am ehesten hingehört statt feudal (oder amerikanisch) privat. Wieso soll die [...]
Wenn Waldbesitzern das Besitzen zu viel wird, dürfen sie "ihren" Wald gerne abgeben an andere - zum Beispiel an den Staat, wo Wald am ehesten hingehört statt feudal (oder amerikanisch) privat. Wieso soll die Allgemeinheit BESITZ als solchen belohnen???
andregera 30.08.2019
3. Wo bleibt eigentlich mal
meine Prämie für jahrelanges Klimafreundliches verhalten?!
meine Prämie für jahrelanges Klimafreundliches verhalten?!
mborevi 30.08.2019
4. Eine lohnende Prämie ...
... nicht nur für Waldbesitzer, sondern auch für andere naturgemäß operierende Berufe, z.B. Schäfer und Ökobauern, wird von etlichen Wissenschaftlern seit fast 40 Jahren gefordert. Nichts ist geschahen. So haben wir heute [...]
... nicht nur für Waldbesitzer, sondern auch für andere naturgemäß operierende Berufe, z.B. Schäfer und Ökobauern, wird von etlichen Wissenschaftlern seit fast 40 Jahren gefordert. Nichts ist geschahen. So haben wir heute Schäfer, die finanziell auf dem letzten Loch pfeifen, und Wälder mit den falschen Baumarten. Fichte, Kiefer, Buche, und wohl auch Esche werden die nächsten 30 Jahre im Flachland nur in Ausnahmefällen überleben. Die Baumarten der Zukunft finden sich in den Waldsteppen Osteuropas, z.B. der ungarischen Puszta. Dort ist der Wald übrigens viel artenreicher als in Mitteleuropa. Man muss sich nur informieren. Viele Studierende der Biologie der letzten Jahrzehnte haben das an etlichen deutschen Universitäten gelernt und z.T. auch in der Natur gesehen. Man muss sie nur fragen.
mborevi 30.08.2019
5. Gerade weil man Holz ...
... weiter braucht, muss man die nicht lebensfähigen Baumarten wie Fichte, Kiefer, Buche, um nur die wichtigsten zu nennen, durch angepasste Baumarten ersetzen. Sonst sterben sie nämlich ab, bis im Flachland gar kein Wald [...]
Zitat von regelaltersrentnerBis jetzt war es so, dass das Holz verwertet wurde, sei es in der Industrie oder beim Häuserbau. Es sieht sicherlich schöner aus, wenn ein paar Birken im Wald stehen, wo schlägt man das Holz, das weiter benötigt wird? Brasilien?
... weiter braucht, muss man die nicht lebensfähigen Baumarten wie Fichte, Kiefer, Buche, um nur die wichtigsten zu nennen, durch angepasste Baumarten ersetzen. Sonst sterben sie nämlich ab, bis im Flachland gar kein Wald mehr existiert. Es bringt doch nichts, die Klimaveränderung nach Art des Vogel Straus zu ignorieren. Und dafür und auch für einige weitere Berufe, wie z.B. Schäfer, sind Ökoprämien nötig. Und zwar welche, die sich wirklich lohnen. Ich habe übrigens weder Wald noch bin ich Schäfer. Ich bin Wissenschaftler.

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