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Wissenschaft

Gen-Analysen

In Asien gibt es sechs Tiger-Unterarten

Wie viele Tiger-Unterarten gibt es? Nur zwei, glaubten Forscher zwischenzeitlich. Eine neue Studie legt nun nahe, dass es dreimal so viel sein könnten. Wichtig ist das auch für Strategien zum Überleben der Tiere.

DPA
Freitag, 26.10.2018   17:05 Uhr

Noch nicht einmal mehr 4000 freilebende Tiger gibt es auf der Welt. Und die leben auch nicht in einem Habitat, sondern verstreut auf einige Dutzend Gebiete - von der indonesischen Insel Sumatra bis ins mehr als 10.000 Kilometer entfernte Sibirien.

Wer die Tiere in Zucht-, Auswilderungs- und Umsiedlungsprogrammen schützen will, muss wissen, wie viele Unterarten es gibt. Denn nur so lassen sich brauchbare Regeln aufstellen, Mitglieder welcher Populationen sich mit welchen anderen paaren dürfen.

Zwischenzeitlich waren Forscher davon ausgegangen, dass hier nicht allzu viel Vorsicht von Nöten wäre. Sie hatten die Zahl der Unterarten 2015 von zuvor neun auf zwei heruntergestutzt, einen indonesischen Inseltiger und einen Festlandtiger. Doch Forscher um Shu-Jin Luo von der Peking University berichten nun im Fachmagazin "Current Biology", dass die Sache womöglich doch etwas komplizierter ist.

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Nachdem sie das komplette Genom von 32 repräsentativ ausgewählten Tigern sequenziert haben, gehen die Experten nun davon aus, dass es doch sechs verschiedene Unterarten gibt. Sie unterscheiden sich unter anderem in der Größe und beim Fell.

"Ganz eigene evolutionäre Geschichte"

Es gebe Königstiger, Sibirische Tiger, Sumatra-Tiger, Indochinesische Tiger, Malaysia-Tiger und den nur noch in Gefangenschaft vorkommende Südchinesischen Tiger. Drei weitere Unterarten - Kaspischer Tiger, Java-Tiger und Bali-Tiger - seien bereits komplett ausgestorben.

Zwischen den einzelnen heute existierenden Unterarten gebe es nur einen geringen Gentransfer, so die Forscher. Sie alle hätten ihre ganz eigene evolutionäre Geschichte. Damit unterscheide sich der Tiger von anderen Großkatzen. So habe es etwa beim Jaguar eine deutlich stärkere Vermischung der Varianten gegeben.

Die Genanalysen zeigen auch, dass es im Prinzip seit zwei bis drei Millionen Jahren Tiger auf der Erde gibt. Die existierenden Varianten gehen allerdings nur 110.000 Jahre zurück. Damals war die Populationen auf einem extrem niedrigen Niveau. Die Forscher sprechen von einem genetischen Flaschenhals.

chs

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