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Satellitenbild der Woche

Riesenstausee Lake Powell füllt sich mit Wasser - zumindest ein bisschen

Seit zwei Jahrzehnten entziehen extreme Dürreperioden einem der größten Stauseen der USA die Reserven. 2019 brachte etwas Entlastung, Entwarnung gibt es am Lake Powell jedoch noch nicht.

Montag, 07.10.2019   04:12 Uhr

Experten warnen, dass die Wasservorräte am Lake Powell abnehmen. Der Pegelstand sinkt seit etwa 20 Jahren kontinuierlich. Während der letzten großen Dürre in den USA im Jahr 2014 ging das Wasservolumen gegenüber dem Jahr 2000 allerdings um fast die Hälfte zurück. Erholt hat sich der wichtige Wasserspeicher bis heute nicht, das zeigen Satellitenbilder.

Der Lake Powell ist gemessen am Volumen das zweitgrößte Wasserreservoir in den USA. Er erstreckt sich durch den Südosten und den Nordosten der US-Bundesstaaten Utah und Arizona und dient rund 20 Millionen Menschen als Trinkwasservorrat. Gleichzeitig ist er ein beliebtes Naherholungsgebiet. Eingeweiht wurde der Stausee im Jahr 1963, der Glen Canyon Dam staut seither Wasser aus dem Colorado-River auf.

In den Achtzigerjahren erreichte der See seine größte Auslastung. Mehr als 30 Kubikkilometer Wasser befanden sich damals im Lake Powell. Zum Vergleich: Der komplette Bodensee fasst knapp 49 Kubikkilometer Wasser. Ende der Neunziger fiel der Wasserspiegel in dem See erstmals dramatisch - und hat seither nie mehr sein Maximum erreicht (siehe Grafik unten). Dabei gab es immer wieder Jahre, in denen sich die Lage zumindest etwas entspannt hat. Auch 2019 zählt dazu.

Zwischen März und Juli des Jahres stieg das Wasservolumen im See von 11 auf gut 17 Kubikkilometer. Verantwortlich dafür war starker Schneefall in den Rocky Mountains im Winter und Frühjahr. In Colorado blieben die Temperaturen bis in den Sommer hinein kühl. Im Juni lag die aus dem Schnee gewinnbare Wassermenge 40-mal höher als im langjährigen Juni-Schnitt des Bundesstaates.

Lake Powell derzeit zu etwa 55 Prozent gefüllt

Der Schneefall beendete eine lange Trockenphase, während der der Colorado River nur zu gut 40 Prozent gefüllt war. Das Bureau of Reclamation (USBR), die US-Behörde, die den Fluss überwacht, schätzt, dass die zufließende Wassermenge dieses Jahr 122 Prozent des langjährigen Durchschnitts betragen wird.

Die Nasa-Erdbeobachtungssatelliten "Landsat 5" und "Landsat 8" haben die Zuflüsse zum Stausee im April 2012 und Mai 2019 aufgenommen (siehe Schieber unten). Das Bild von vor sieben Jahren zeigt den Lake Powell kurz bevor er den höchsten Frühjahrs-Wasserpegel seit dem Jahr 2000 erreicht hatte. Der Colorado River ist im Bild deutlich mit Wasser gefüllt. Auf der Aufnahme aus 2019 sind dagegen Teile des Flussbetts zu erkennen.

Am 1. Mai 2019, bevor das Schmelzwasser den See erreichte, betrug das Wasservolumen im See 12,75 Kubikkilometer. Nachdem das Schmelzwasser in den See gelangt war, wuchs die Zahl bis Anfang September auf 16,38 Kubikkilometer an.

Lauren Dauphin/ Joshua Stevens/ NASA

Aufnahme vom 31. August 2019

Ein drittes Satellitenbild (unten) zeigt die Region um den See am 31. August 2019. Im Colorado-River ist deutlich mehr Wasser zu erkennen als Anfang des Jahres. Derzeit ist der Stausee zu etwa 55 Prozent gefüllt - am Glen Canyon Dam steht das Wasser aber immer noch mehr als 30 Meter tiefer als bei vollem Wasserstand.

Helfen, den Wasserspeicher zu stabilisieren

Das wasserreiche Jahr 2019 werde helfen, den Wasserspeicher zu stabilisieren, berichtet die Nasa. Es werde aber weitere Jahre mit reichlich Schnee und Regen brauchen, um den Rückgang der vergangenen 20 Jahre auszugleichen. Noch im Jahr 2000 sei der See zu 94 Prozent gefüllt gewesen. Doch mit der zunehmenden Trockenheit in den Jahren darauf hat auch der Wasserbedarf im Südwesten der USA zugenommen. So wurde der Damm doppelt belastet.

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Satellitenbild der Woche: Schnappschüsse aus dem All

"Zwischen 2000 und 2018 lag die in den Lake Powell fließende, unregulierte Wassermenge nur in vier Jahren über dem Durchschnitt", schreibt das USBR in einem aktuellen Statusbericht. In dem Zeitraum habe der durchschnittliche Wasserstand so niedrig gelegen wie nie zuvor, seit der Glen Canyon Dam 1963 errichtet wurde.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels hieß es, der Stausee liege im US-Bundesstaat Kalifornien - er befindet sich im Grenzgebiet von Utah und Arizona.

jme

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