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Wissenschaft

Extremwetter

Wirbel aus der Arktis schockfrostet die USA

Im Mittleren Westen der USA herrscht bittere Kälte. Experten warnen vor lebensbedrohlichen, arktischen Winden. Wie kommt die eisige Polarluft so weit nach Süden?

NASA

Lufttemperatur am 29. Januar 2019

Von
Mittwoch, 30.01.2019   19:09 Uhr

In den USA ist es so kalt, dass sich Präsident Donald Trump bereits die von ihm gern geleugnete Erderwärmung herbeiwünscht. Minus 34 Grad Celsius und weniger werden im Mittleren Westen für die kommenden Tage erwartet. Der Nationale Wetterdienst (NWS) warnt zudem vor "lebensbedrohlichen, arktischen Winden". Einige Bundesstaaten haben den Katastrophenfall ausgerufen.

Die Situation erinnert an den Januar 2014, als im Norden der USA Temperaturen von bis zu 50 Grad unter null das öffentliche Leben in Teilen lahmlegten. Und tatsächlich haben beide Ereignisse die gleiche Ursache. Die Warnung vor arktischer Kälte ist dabei wörtlich zu nehmen.

In den USA hat sich inzwischen der Begriff "Polar Vortex" als Bezeichnung für das Wetterphänomen, das auch schon in früheren Jahrzehnten vorkam, durchgesetzt - benannt nach seiner entscheidenden Ursache: dem Polarwirbel.

Wenn der Jetstream schwächelt

Genau genommen gibt es in der nördlichen Hemisphäre zwei übereinanderliegende Polarwirbel. Der untere ist auch bekannt als Jetstream. Dabei handelt es sich um die stärksten natürlich vorkommenden Winde. Sie wehen das ganze Jahr über in etwa zehn Kilometern Höhe von Westen nach Osten und werden durch globale Temperaturunterschiede und Hoch- und Tiefdruckgebiete angetrieben.

Fotostrecke

US-Kälte: "Arktische Winde" im Mittleren Westen

Weit oberhalb dieses Luftstroms - in etwa 50 Kilometern Höhe - befinden sich die Polarwirbel, auf die sich die Menschen in den USA im Zusammenhang mit der Extremkälte beziehen. Dabei handelt es sich um ein Tiefdruckgebiet, das sich im Winter über dem Nordpol bildet und sich wie der Jetstream gegen den Uhrzeigersinn bewegt.

Ist der Jetstream kräftig, kreist die kalte Polarluft eng um den Nordpol, wie eine Grafik der amerikanischen Ozeanbehörde NOAA zeigt. Er trennt so die kalte Luft am Nordpol von der wärmeren Luft im Süden. Wird der Jetstream schwächer - etwa weil die Temperaturunterschiede zwischen der Arktis und dem Äquator geringer sind als üblich - fasert seine Bahn allerdings aus.

NOAA

Die mäandernden Luftströme können dann auch den höher gelegenen Polarwirbel aus der Bahn bringen. Statt eng um den Nordpol zu kreisen, breitet sich die eiskalte Luft gen Süden aus. Einer dieser Kaltluftströme erreicht nun die USA, der Wind sorgt dafür, dass sich die ohnehin tiefen Temperaturen auf der Haut noch kälter anfühlen - von gefühlt um die minus 45 Grad Celsius ist die Rede.

Video: Kältewelle sorgt für Massenunfälle

Foto: REUTERS/Jason Coffelt

Ein Ort kälter, ein anderer wärmer

In Europa ist durch die arktische Kälte in den USA dagegen kein ungewöhnlich kaltes Wetter oder sogar wärmeres Wetter zu erwarten. Das liegt zum einen daran, dass kalte Luft auf dem Weg nach Europa auf ihrem Weg über das Nordmeer und die Nordsee auf den warmen Golfstrom trifft - und der mildert ihre Temperatur deutlich ab.

Zum anderen - und das ist im aktuellen Fall entscheidend - weht der gleiche Mechanismus, der zur Zeit kalte Luft in die USA treibt, gleichzeitig warme Luft aus den Tropen Richtung Norden. Während also gerade im Mittleren Westen der USA die Temperaturen im zweistelligen Minusbereich liegen, bewegen sie sich andernorts über dem langjährigen Durchschnitt.

ClimateReanalyzer.org / Climate Change Institute / University of Maine

Temperaturen am 30. Januar 2019 im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt (1979 bis 2000)

Anders als Trump in seinem Tweet suggeriert, taugt die Extremkälte somit nicht als Beleg dafür, dass es die Erderwärmung nicht gibt. Im Gegenteil: Wissenschaftler diskutieren, ob ein schwacher Jetstream sogar auf diese zurückzuführen ist - und arktische Kälte in den USA in den kommenden Jahren häufiger werden könnte.

insgesamt 174 Beiträge
frank.best 30.01.2019
1. Pseudowissenschaftler....
So was hört man gerne von Menschen, die keinerlei Ahnung vom Klima haben.... "Gestern war's doch kalt"... "so viel Schnee wie dieses Wochenende hatten wir doch lange nicht mehr"... "vier Wochen [...]
So was hört man gerne von Menschen, die keinerlei Ahnung vom Klima haben.... "Gestern war's doch kalt"... "so viel Schnee wie dieses Wochenende hatten wir doch lange nicht mehr"... "vier Wochen Eiseskälte ind Süddeutschland, wie passt das z7m Klimawandel"... es geht um globale Durchschnittstemperaturen, und die Extreme können in beide Richtungen stärker werden, solange der globale Durchschnitt steigt, haben wir weiterhin ein Klimaerwärmung. ist doch nicht so schwer....
richey_edwards 30.01.2019
2. Selbst wenn
Die Kälte auf die „globale Erwärmung“ zurückgeführt werden könnte ist es nicht das was vorhergesagt wurde. Jetzt ist es so: ist der Winter mild ist es die globale Erwärmung und ist er kalt dann auch. Jedes Wetter passt zum [...]
Die Kälte auf die „globale Erwärmung“ zurückgeführt werden könnte ist es nicht das was vorhergesagt wurde. Jetzt ist es so: ist der Winter mild ist es die globale Erwärmung und ist er kalt dann auch. Jedes Wetter passt zum Klimawandel. Das ganze ist nicht mehr falsifizierbar.
capote 30.01.2019
3. Immer die gleiche Leier....
Ein grosser Teil der US-Amerikaner wohnt in "Häusern", die wir als Gartenlaube bezeichen würden. Bei starkem Sturm fliegen die weg, vernünftige Heizungen in unserem Sinne gibt es nicht. Bei Kälteeinbrüchen wird es [...]
Ein grosser Teil der US-Amerikaner wohnt in "Häusern", die wir als Gartenlaube bezeichen würden. Bei starkem Sturm fliegen die weg, vernünftige Heizungen in unserem Sinne gibt es nicht. Bei Kälteeinbrüchen wird es jedesmal auch schwierig. In unseren Alpen, z.B. St. Moritz in der Schweiz sind jeden Winter Temperaturen unter -25 °C fällig, hört man nie was von. Weder das die Rhätische Eisenbahn ausfällt noch sonst was, Busyness as usual.
Airkraft 30.01.2019
4. Grad was?
-50 Grad Celsius entsprechen ca. -60 Grad Fahrenheit. Vielleicht doch besser immer dabei schreiben?!
-50 Grad Celsius entsprechen ca. -60 Grad Fahrenheit. Vielleicht doch besser immer dabei schreiben?!
memyselfeandi 30.01.2019
5. Major Warming
Die Störung des Polarwirbels ist auf ein Major Warming zurückzuführen. Was diese plötzliche Stratosphärenerwärmung hervorruft ist noch nicht endgültig geklärt. Für mich ist das Wetter und kein Beweis für oder gegen eine [...]
Die Störung des Polarwirbels ist auf ein Major Warming zurückzuführen. Was diese plötzliche Stratosphärenerwärmung hervorruft ist noch nicht endgültig geklärt. Für mich ist das Wetter und kein Beweis für oder gegen eine globale Erwärmung.
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