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Wissenschaft

Deutscher Wetterdienst

Neues Prognosemodell warnt Bauern vor Dürre

Anhaltende Trockenheit hat im vergangenen Sommer für Ernteausfälle in Milliardenhöhe gesorgt. Ob sich eine solche Dürre wiederholt, wollen Meteorologen künftig am Boden ablesen.

Carsten Rehder / DPA

Vertrockneter Winterroggen in Schleswig-Holstein: Auch im Winter ist die Dürre ein Problem

Dienstag, 26.03.2019   18:27 Uhr

Den vergangen Sommer dürften deutsche Landwirte nicht so schnell vergessen. Monatelang kein Regen - vertrocknete Felder und miserable Ernten waren die Folge. Laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD) erlebte das Land im vergangenen Jahr die längste Dürrephase seit Beginn der systematischen Wetteraufzeichnungen vor fast 140 Jahren.

Damit sich Landwirte besser auf solche trockenen Perioden einstellen können, will der DWD künftig vor Dürregefahren warnen. Die Behörde stellte in Berlin ein neues Prognosemodell vor, mit dem sie Wetterbedingungen nach eigenen Angaben auf sechs Wochen vorhersagen kann. Bauern sollen Ertragsausfälle so nach Möglichkeit vermeiden können.

Die bisher eingesetzten Wettervorhersagen decken nur maximal zwei Wochen ab - auf längere Sicht sind Niederschlagsprognosen äußerst ungenau. Die DWD-Meteorologen konzentrierten sich für ihr neues Modell daher auf die Bodenfeuchte. Diese ist weniger wechselhaft als die komplexen Wetterprozesse in der Erdatmosphäre.

"Für die Landwirtschaft ist nicht unbedingt entscheidend, wie viel Regen vom Himmel fällt", erklärte DWD-Vizepräsident Paul Becker. Viel wichtiger sei, dass die Pflanzen sich Wasser aus dem Boden ziehen könnten. Denn dieser wirke als Speicher und könne der Vegetation auch über längere Trockenzeiten hinweghelfen.

Kartoffeln werden teurer

Der Bodenfeuchte-Prognose liegt keine technologische Neuerung, sondern komplexe Berechnungen zugrunde. Das Modell kalkuliert die Menge des im Boden gespeicherten Wassers und rechnet sie hoch. Noch ist das neue Modell in der Testphase - der DWD will es aber so schnell wie möglich breit anwenden. Aber: Für den kommenden Sommer liefert es noch keine zuverlässigen Ergebnisse. Nach 20 Jahren Tests könnten die Berechnungen zu bevorstehenden Dürren den Landwirten voraussichtlich 2020 im Internet zur Verfügung stehen, so der DWD.

Die Dürre des vergangenen Sommers wird voraussichtlich auch für die Verbraucher Auswirkungen haben. Der Bundesverband der obst-, gemüse- und kartoffelverarbeitenden Industrie (BOGK) prognostizierte bereits im Sommer, dass Kartoffeln und daraus verarbeitete Produkte auf jeden Fall teurer würden.

Auch das Grünfutter für Nutztiere wurde knapp. Laut dem Deutschen Bauernverband (DBV) blieben die Landwirte trotz millionenschweren Dürrehilfen von Bund und Ländern auf Schäden in Höhe von etwa 2,5 Milliarden Euro sitzen.

joe/AFP/DPA

insgesamt 4 Beiträge
labuday 27.03.2019
1. Gibt es jetzt ychon in ganz Deutschland ein
Einheitswetter? Wär mir neu. Die Trockenheit war doch nicht flächendeckend. Und nasse Böden sind nicht für alle Pflanzen gut. Wenn ich durch den Süden der Türkei fahre, sehe ich riesige Felder mit Pflanzen, von denen ich [...]
Einheitswetter? Wär mir neu. Die Trockenheit war doch nicht flächendeckend. Und nasse Böden sind nicht für alle Pflanzen gut. Wenn ich durch den Süden der Türkei fahre, sehe ich riesige Felder mit Pflanzen, von denen ich dachte, die bräuchten besonders viel Wasser. Wassermelonen, Tomaten, Orangen und und und. Wie machen die Türken das denn?
Goldwin 27.03.2019
2. Ansatz gut...
Der Ansatz ist natürlich erstmal gut. Allerdings bleibt eine Katastrophe mit Ansage eine Katastrophe. Die Möglichkeiten auf Wetterereignisse zu reagieren sind numal begrenzt. Im Gemüse udn Obst kann man teilweise beregnen. Aber [...]
Der Ansatz ist natürlich erstmal gut. Allerdings bleibt eine Katastrophe mit Ansage eine Katastrophe. Die Möglichkeiten auf Wetterereignisse zu reagieren sind numal begrenzt. Im Gemüse udn Obst kann man teilweise beregnen. Aber ansonsten ist wenig zu machen. Evtl. kann man Dpngung und Pflanzenschutz etwas anpassenw enn absehbar ist,d ass die angestrebten Erträge nicht zsutande kommen. Letztendlich muss man aber Strategisch auf den Kilmawandel reagieren. Andere Fruchtfolgen, andere Anbausysteme etc.
halverhahn 27.03.2019
3. Bitte um Erklärung.
Wovon hängt denn letztlich die Bodenfeuchte ab?? Spielen dabei Niederschläge bzw eben weniger oder gar kein Regen während so einer Dürreperiode gar keine Rolle???
Wovon hängt denn letztlich die Bodenfeuchte ab?? Spielen dabei Niederschläge bzw eben weniger oder gar kein Regen während so einer Dürreperiode gar keine Rolle???
taglöhner 27.03.2019
4.
Die Luftfeuchtigkeit und der Taupunkt sind wichtig. Das Ausbleiben nächtlicher Taufeuchte ist ggf. schlimmer, als Niederschlagsmangel. Übrigens mein Favorit für den Rückgang von Insekten.
Zitat von halverhahnWovon hängt denn letztlich die Bodenfeuchte ab?? Spielen dabei Niederschläge bzw eben weniger oder gar kein Regen während so einer Dürreperiode gar keine Rolle???
Die Luftfeuchtigkeit und der Taupunkt sind wichtig. Das Ausbleiben nächtlicher Taufeuchte ist ggf. schlimmer, als Niederschlagsmangel. Übrigens mein Favorit für den Rückgang von Insekten.

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