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Wissenschaft

Innerhalb eines Jahres

Zahl der Wolfsrudel in Deutschland deutlich gestiegen

Der Wolf breitet sich weiter aus. Bundesweit leben derzeit etwa 105 Rudel, zeigt eine aktuelle Auswertung. In drei Bundesländern siedelten sich erstmals einzelne Tiere an.

HLNUG/ DPA

Freilebender Wolf im hessischen Vogelsbergkreis

Montag, 02.12.2019   14:26 Uhr

Vor zwanzig Jahren kehrten die Wölfe nach Deutschland zurück und breiten sich seitdem aus. Derzeit leben hierzulande etwa 105 Wolfsrudel, zeigt das aktuelle Wolfsmonitoring 2018/2019 des Bundesamts für Naturschutz (BfN) und der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW).

Demnach gibt es die meisten der streng geschützten Tiere auf einem Gebiet, das sich von der sächsischen Lausitz in nordwestliche Richtung ausbreitet. Die meisten Wolfsrudel leben in Brandenburg (41), gefolgt von Sachsen (22) und Niedersachsen (21). Ein Wolfsrudel besteht meist aus drei bis elf Tieren - den Eltern und den Nachkommen der letzten zwei Jahre. Hinzu kommen 25 erfasste Wolfspaare und 13 sesshafte Einzelwölfe. Insgesamt schätzen Experten den gesamten Bestand auf 275 bis 301 erwachsene Tiere.

Erstmals seit die Art in Deutschland ausgerottet wurde, sind zudem einzelne ortstreue Wölfe in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein erfasst worden.

Bundesamt für Naturschutz

Mehr tote Tiere gefunden

Damit ist die Zahl der Rudel deutlich gestiegen, die der Paare hingegen zurückgegangen: Im vorhergehenden Monitoringjahr 2017/18 waren deutschlandweit 77 Rudel, 40 Paare und drei Einzelwölfe nachgewiesen worden. Das Monitoringjahr dauert jeweils vom 1. Mai bis zum 30. April.

Laut dem aktuellen Bericht ist nicht nur die Zahl der Wölfe gestiegen, es wurden auch mehr tote Tiere gefunden. Im aktuellen Untersuchungszeitraum waren es insgesamt 99 Fälle, zuvor lag die Zahl bei 61. "Mehr als die Hälfte der 83 durch den Verkehr getöteten Wölfe waren Welpen", sagte BfN-Präsidentin Beate Jessel. Auch die Zahl illegaler Tötungen sei gestiegen: von sechs auf acht.

Für wie viele Wolfsrudel in Deutschland Platz ist, kann niemand genau sagen. Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) nannte 2009 die Zahl von 440 Rudeln, die in Deutschland leben könnten. Laut einer Modellrechnung der Universität Freiburg könnten hierzulande 1200 Rudel leben. (Mehr dazu lesen Sie hier.)

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Der Deutsche Jagdverband (DJV) kritisierte, dass sich in Deutschland bereits ein Wolfsbestand etabliert habe, der weit über dem liege, was in anderen europäischen Ländern als Gesamtbestand zugelassen werde. Im Nachbarland Frankreich sei beispielsweise eine Obergrenze von 500 Wölfen festgelegt.

Aktuelle Regelung in Deutschland

Der Wolf ist in der gesamten EU streng geschützt und darf laut einem aktuellen EuGH-Urteil nur dann geschossen werden, wenn es keine Alternative gibt. Allerdings dürfen einzelne Länder Ausnahmeregelungen treffen, wenn diese den Wolfbestand nicht gefährden.

So dürfen in Deutschland seit Mai Wölfe vorbeugend geschossen werden, wenn sie Nutztiere bedrohen. Auch Tiere, die sich immer wieder Menschen genähert hatten, wurden in Deutschland bereits zum Abschuss freigegeben. Der Deutsche Jagdverband fordert indes, die Art ins Jagdrecht aufzunehmen.

Bauern fürchten zudem um ihre Nutztiere. Ihnen wurden mehr Hilfsgelder versprochen. Die Bundesländer rechnen aktuell mit mehr als 14 Millionen Euro für Weidetier-Schutzzäune, Ausgleichzahlungen nach Rissen und Monitoringprojekte.

Das Risiko, dass Menschen von einem Wolf angefallen werden, ist jedoch gering. Seit wieder Wölfe in Deutschland leben, ist kein Zwischenfall dokumentiert, in dem sich eines der Tiere einem Menschen gegenüber aggressiv gezeigt hat.

koe/dpa

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