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Wissenschaft

Kongressanhörung

Piloten fordern bessere Vorbereitung für Flüge mit Boeing 737 Max

Nach den beiden Abstürzen der 737 Max hat Boeing einige Änderungen vorgenommen. Diese reichten aber nicht aus, sagten Experten nun bei einer Kongressanhörung - und lieferten konkrete Verbesserungsvorschläge.

Mike Theiler/ REUTERS

Daniel Carey (l.) und Chesley Sullenberger (2.v.l.) in Washington

Donnerstag, 20.06.2019   03:43 Uhr

US-Piloten haben vom Flugzeugbauer Boeing eine bessere Vorbereitung auf künftige Flüge mit Maschinen des Typs 737 Max gefordert. Die von dem Unternehmen angebotenen Computerschulungen zu Modifizierungen an dem Flugzeugtyp seien nicht ausreichend, sagte der Chef der Pilotengewerkschaft Allied Pilots Association, Daniel Carey, bei einer Anhörung vor dem Luftfahrt-Unterausschuss des Repräsentantenhauses.

Die Änderungen, die Boeing nach Abstürzen in Äthiopien und Indonesien am System der Maschinen vorgenommen habe, seien zwar begrüßenswert. Allerdings seien die Piloten "besorgt", ob das neue Trainingsprotokoll sowie die Materialien und Methoden für die Fortbildungen genügten, damit sie die Maschinen anschließend "in völliger Sicherheit" steuern können.

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Der frühere Pilot Chesley "Sully" Sullenberger forderte Boeing deshalb auf, Übungen in Flugsimulatoren anzubieten. Die Piloten müssten verinnerlichen, was bei Flügen falsch laufen könne und wie sie darauf zu reagieren haben. Sullenberger hatte am 15. Januar 2009 eine mit 155 Passagieren besetzte Maschine des Typs Airbus 320 nach dem Ausfall beider Triebwerke spektakulär auf dem Hudson River in New York notgelandet. Der Fall, bei dem alle Menschen an Bord überlebten, hatte den Piloten weltberühmt gemacht.

"Ich gehöre zu der relativ kleinen Gruppe von Menschen, die eine solche Krise durchgemacht haben, und ich lebe, um meine Erfahrungen weiterzugeben", sagte Sullenberger nun vor dem Kongressausschuss (seine komplette Aussagen können Sie hier nachlesen). "Ich kann Ihnen aus erster Hand sagen, dass der Schreckfaktor echt ist und riesig."

Sullenberger hat die Unglücke mit Maschinen der 737 Max jüngst in einem Simulator nacherlebt. Es sei schnell der Punkt erreicht, an dem effektives Handeln nur noch eingeschränkt möglich sei, sagte er nun. "Innerhalb von Sekunden haben diese Crews um ihr Leben und den Kampf ihres Lebens gekämpft."

Beim Absturz einer 737 Max in Äthiopien waren alle 157 Insassen ums Leben gekommen. Bei einem weiteren Unglück in Indonesien waren 189 Menschen gestorben. In der Folge wurde im März ein weltweites Flugverbot für die Boeing 737 Max verhängt, das bis auf Weiteres gilt.

Als Ursache der Abstürze wird ein Problem bei dem neuartigen Stabilisierungssystem MCAS vermutet. Boeing hat deswegen ein Softwareupdate vorgenommen.

aar/dpa/AFP

insgesamt 9 Beiträge
netterscheff 20.06.2019
1. Dieses Ding ....
... ist kein Flugzeug. Dieses Ding ist ein einhiger Fehler. Und wenn eine Maschine über den Menschen bestimmen kann, gehört diese abgeschafft. Liebe Regierigen in Deutschland, liebe Regierigen in der EU, handelt im Sinne der [...]
... ist kein Flugzeug. Dieses Ding ist ein einhiger Fehler. Und wenn eine Maschine über den Menschen bestimmen kann, gehört diese abgeschafft. Liebe Regierigen in Deutschland, liebe Regierigen in der EU, handelt im Sinne der Menschen, die Euch mit Geld bezahlen und nicht mit dem Leben bezahlen wollen: Verhindert, dass diese komplette Fehlkonstruktion eines Flugzeugs jemals wieder in eurpäischer Luft fliegt. Und ja, handelt schnell, sehr schnell, mit direktem klarem und unmissverständlichem Wort. Wenigstens diesmal, hier geht es um Leben.
gammoncrack 20.06.2019
2. Viele Foristen haben ja in Ihren Kommentaren zu den letzten
Artikeln immer wieder gesagt, dass sie keinesfalls mehr in eine B737 MAX einsteigen werden. Ich habe immer gesagt, dass ich allein deswegen einsteigen würde, weil die Crew, speziell die Piloten, ein großes Interesse am eigenen [...]
Artikeln immer wieder gesagt, dass sie keinesfalls mehr in eine B737 MAX einsteigen werden. Ich habe immer gesagt, dass ich allein deswegen einsteigen würde, weil die Crew, speziell die Piloten, ein großes Interesse am eigenen Überleben haben. Gut, dass die Piloten so reagieren, wie im Artikel beschrieben. Die werden erst dann einsteigen, wenn Sie hundertprozentig sicher sind, dass der Flieger ebenfall hundertprozentig sicher ist.,
dborrmann 20.06.2019
3. Sie verkennen die Realität der Berufswelt...
Piloten steigen auch ein, weil sie Druck vom Arbeitgeber bekommen. Man denke an die Havarie in Wien Schwechat, an die drei Flugzeuge von RAIR, die in Spanien von den Behörden gegründet wurden, weil sie bei der Landung kaum noch [...]
Piloten steigen auch ein, weil sie Druck vom Arbeitgeber bekommen. Man denke an die Havarie in Wien Schwechat, an die drei Flugzeuge von RAIR, die in Spanien von den Behörden gegründet wurden, weil sie bei der Landung kaum noch Sprit im Tank hatten usw. Freunde, die für eine Gesellschaft fliegen, die die 737MAX8 bestellt hat, haben jetzt schon Fracksausen.
Spiegelleserin57 20.06.2019
4. Erstaunliche Debatten..
Eigentlich ist doch ein Ergebnis sehr einfach! Solche Maschinen müssen vom Markt genommen werden. Wie kann es sein dass es da noch Debatten gibt? Es geht um die Sicherheit von Menschenleben! Auch wurde schon berichtet dass [...]
Eigentlich ist doch ein Ergebnis sehr einfach! Solche Maschinen müssen vom Markt genommen werden. Wie kann es sein dass es da noch Debatten gibt? Es geht um die Sicherheit von Menschenleben! Auch wurde schon berichtet dass Defekte Teile in Maschinen eingebaut wurden. Warum diskutiert man da noch? Reicht es nicht wenn mehrere hundert Menschen zu Tode gekommen sind?
Tubus 20.06.2019
5. Abgasfrei
Aus einem früher guten, aber heute veraltetem und unwirtschaftlichem Flugzeug wurde durch Verschlimmbesserungen ein fluguntaugliches Gerät. Die zu großen Triebwerke passten nicht unter die niedrigen Flügel und mussten weiter [...]
Aus einem früher guten, aber heute veraltetem und unwirtschaftlichem Flugzeug wurde durch Verschlimmbesserungen ein fluguntaugliches Gerät. Die zu großen Triebwerke passten nicht unter die niedrigen Flügel und mussten weiter vorne angebracht werden, so dass die Kiste so instabil wurde, dass sie ohne spezielle Elektronik überhaupt nicht sicher zu fliegen ist. Auf dem Besen meiner Großmutter fliegt man wahrscheinlich besser, dazu noch abgasfrei.

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