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Wissenschaft

Boeing 737 Max

US-Luftfahrtbehörde entdeckt neues "mögliches Risiko"

Die schlechten Nachrichten für den US-Flugzeugbauer Boeing reißen nicht ab: Nach den zwei Abstürzen von 737-Max-Maschinen müssen für eine Wiederzulassung nun zusätzliche Auflagen erfüllt werden.

Lindsey Wasson/ REUTERS

Eine 737 Max im Boeing-Werk in Renton, Washington: Der Flugzeugbauer arbeitet eigenen Angaben zufolge daran, die neuen FAA-Anforderungen zu erfüllen

Donnerstag, 27.06.2019   01:40 Uhr

Die US-Luftfahrtbehörde FAA hat nach eigenen Angaben ein mögliches Risiko bei Boeings Krisenfliegern der Baureihe 737 Max gefunden. Das Problem müsse behoben werden, bevor das Flugverbot für die Maschinen aufgehoben werden könne, erklärte die FAA. Konkretere Angaben machte die Behörde nicht.

Boeing teilte mit, dass die FAA beim Wiederzulassungsprozess der 737 Max zusätzliche Anforderungen stellen würde und das Unternehmen den Flugzeugtyp erst zur Zertifizierung anbieten werde, wenn diese erfüllt seien.

Die 737-Max-Serie muss nach zwei Abstürzen mit insgesamt 346 Toten seit Mitte März am Boden bleiben. Eine umstrittene Steuerungssoftware von Boeing steht nach ersten Unfallberichten als mögliche Unglücksursache im Verdacht. Ob das nun von der FAA identifizierte "mögliche Problem" im Zusammenhang damit steht, blieb in der Mitteilung der Behörde unklar. Boeing zufolge geht es um Auflagen, die im Rahmen der seit Monaten laufenden Software-Aktualisierung erfüllt werden sollen. Der Konzern sei mit den neuen Anforderungen der FAA einverstanden und arbeite daran, sie zu erfüllen.

Die neuen Anforderungen könnten die Wiederzulassung der 737-Max-Flieger weiter verzögern. Die FAA betonte, hierbei keinen vorgeschriebenen Zeitplan zu verfolgen. Zuletzt war bereits vermutet worden, dass sich das Prüfverfahren noch Monate hinziehen könnte.

Wichtige Boeing-Kunden wie American Airlines und Southwest Airlines haben die 737 Max erst wieder Anfang September im Flugplan. Am Mittwoch teilte auch United Airlines mit, vor dem 3. September seien keine Flüge mit dem Modell geplant. Am selben Tag wurde bekannt, dass ein Pilot in den USA das Unternehmen aufgrund der Unglücke und der danach verhängten Startverbote für die betroffenen Maschinen vom Typ 737 Max wegen finanzieller und weiterer Schäden verklagt: Er wirft Boeing "beispiellose Vertuschung" vor.

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Für Boeing und die betroffenen Airlines ist der Flugstopp eine starke finanzielle Belastung, wie die Geschäftsberichte für das erste Quartal bereits zeigten. Allerdings steht Boeing selbst massiv in der Kritik - unter anderem wegen des Vorwurfs, die Entwicklung des neuen Flugzeugmodells wegen hohen Konkurrenzdrucks überstürzt zu haben.

Ob bei der ursprünglichen Zertifizierung der Unglücksflieger alles mit rechten Dingen zuging, ist zudem Gegenstand einer Untersuchung der US-Behörden. Im Zuge der Aufklärung der Abstürze am 29. Oktober 2018 in Indonesien und am 10. März in Äthiopien räumte Boeing auch ein, bereits rund ein Jahr vor dem ersten Unglück von einem Problem der 737 Max gewusst zu haben. Obwohl bereits einige Monate nach Auslieferungsbeginn der Baureihe im Mai 2017 festgestellt wurde, dass etwas mit dem Warnsystem in den Cockpits nicht stimmte, wurde die FAA erst nach dem ersten Absturz im Herbst vergangenen Jahres informiert.

aar/dpa/Reuters

insgesamt 35 Beiträge
quark2@mailinator.com 27.06.2019
1.
Der ökonomische Druck in der Branche ist mMn. zu groß geworden. Und zwar nicht nur beim Bau der Flugzeuge, sondern auch bei den Ticketpreisen, die auf die Wartung und Pilotenausbildung und deren Arbeitsbelastung durchschlagen. [...]
Der ökonomische Druck in der Branche ist mMn. zu groß geworden. Und zwar nicht nur beim Bau der Flugzeuge, sondern auch bei den Ticketpreisen, die auf die Wartung und Pilotenausbildung und deren Arbeitsbelastung durchschlagen. Das muß irgendwann auf die Sicherheit durchschlagen, egal ob nun durch Designfehler, zu schnelle Zulassungsprozesse, nachgemachte oder falsch verbaute Teile, zu schnelle Reparaturen oder anderes. Die USA werden Boeing nicht untergehen lassen, egal was passiert, d.h. das ist auch noch ein politisches Problem. Aus meiner Sicht ist diese ganze Entwicklung an einer Stelle angekommen, wo man die Kräfte der Märkte begrenzen und die Marktteilnehmer schützen muß. Man mMn. kann gute Arbeit nicht auf Dauer unter Streß und Resourcenverknappung leisten.
Lagrange 27.06.2019
2.
Immerhin wird das nach erfolgter Zulassung eines der sichersten Flugzeuge weltweit sein. Jetzt wird sowohl Boing als auch die FAA kein Risiko eingehen wollen. Beim nächsten Absturz eines solchen Vogels wäre nämlich Ende im [...]
Immerhin wird das nach erfolgter Zulassung eines der sichersten Flugzeuge weltweit sein. Jetzt wird sowohl Boing als auch die FAA kein Risiko eingehen wollen. Beim nächsten Absturz eines solchen Vogels wäre nämlich Ende im Gelände
mb2017 27.06.2019
3. Natürlich wurde die Zertifizierung ohne Prüfung erteilt.
Ein Flugzeug, dass nur mit Hilfe von Computern in der Luft bleibt, ist für Militärmaschinen OK, da man hier besondere Anforderungen hat und bei einem Absturz nur wenige Menschen betroffen sind. Bei allen anderen Maschinen muss [...]
Ein Flugzeug, dass nur mit Hilfe von Computern in der Luft bleibt, ist für Militärmaschinen OK, da man hier besondere Anforderungen hat und bei einem Absturz nur wenige Menschen betroffen sind. Bei allen anderen Maschinen muss die Sicherheit an erster Stelle stehen und Ausfälle bzw. Fehler müssen von Piloten auch in Stresssituationen bewältigt werden können. So können normalerweise Passagiermaschinen auch bei Ausfall noch wie ein Segelflugzeug fliegen. Hätte man ein passendes Triebwerk genommen, wären die Flugeigenschaften besser und man hätte die Software nicht benötigt. Das ein Sensor ausfällt ist normal (Staub, Eis Hitze usw.). Daher sind alle wichtigen Sensoren mehrfach vorhanden und man gibt den Kapitän Kontrollmöglichkeiten, um Fehler rechtzeitig zu entdecken. Hier hat man nur einen Sensor, Fehleranzeigen, also Sicherheit, waren ein kostenpflichtiges Zubehör und Eingriffsmöglichkeiten gab es nicht. Da es sich ja um das "alte Model" handelte waren nicht einmal Schulungen oder Informationen für Piloten notwendig. Für mich beginnen die Probleme bei den Flugeigenschaften der Maschine und Enden bei der Schulung der Piloten. Dazwischen gibt es noch einigen bekannte und unbenannte Schwachstellen. Um alle Probleme zu beseitigen, reichen ein paar Änderungen in der Software nicht aus. Man muss das ganze Sicherheitskonzept und die mangelhafte Arbeit von Boeing und NSA prüfen. Bei VW mussten alle Diesel nachgerüstet oder ausgetauscht werden, obwohl es nur um "Papierwerte" ging. Man darf nicht vergessen, dass der "schmutzige VW Diesel" trotz Betrug noch sauberer ist als viele US Modelle. Das die zusätzliche Schadstoffe Menschen töten ist nicht nachgewiesen. Das abstürzende Flugzeuge Menschen töten hat Boeing zweimal bewiesen. Warum also tauscht Boeing nicht die Triebwerke, also die Ursache vieler Probleme gegen passende aus?
nikaja 27.06.2019
4. mit Geld Geld machen
Es ist das Shareholder value, das geopfert oder limitiert werden muss. Es geht nicht, dass Unter nehmen fuer eine Rendite von 25%und mehr zu erhalten an Sicherheit und Personal sparen. Um dieses goldene Kalb aus der Schusslinie [...]
Es ist das Shareholder value, das geopfert oder limitiert werden muss. Es geht nicht, dass Unter nehmen fuer eine Rendite von 25%und mehr zu erhalten an Sicherheit und Personal sparen. Um dieses goldene Kalb aus der Schusslinie zu bringen und zu erhalten wird der Blick auf den Passagier, sprich Kaeufer gelenkt, der wieder mal mehr zahlen soll.
beobachter1000 27.06.2019
5. Zu 2
Das sehe ich nicht so. Es ist ein Design- Problem. Die Software soll nur darüber hinweghelfen oder täuschen. Es ist schon bemerkenswert, dass eine angeblich jetzt erneuerte und vollkommen getestete Software (geht das eigentlich) [...]
Das sehe ich nicht so. Es ist ein Design- Problem. Die Software soll nur darüber hinweghelfen oder täuschen. Es ist schon bemerkenswert, dass eine angeblich jetzt erneuerte und vollkommen getestete Software (geht das eigentlich) jetzt wieder Fehler aufweist. Für mich ist dies nur ein Beleg, dass es an diesem Punkt keine 100%ige Sicherheit geben kann. Auch bei Microsoft-Produkten finden sich noch Jahre nach dem Release immer wieder neue Fehler und dies bei der viel höheren Anzahl von Nutzern. Da die Software aber zum sicheren Flug benötigt wird, schließt sich dies nach meiner Ansicht aus. Dazu kommt, dass selbst die bestimmt nicht schlechtesten Piloten der Behörde schon Probleme haben. Wie ist dies dann erst bei einem Durchschnittspiloten? Ich werde nie in einen solchen Vogel steigen.

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