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Wissenschaft

737 Max

US-Flugaufsicht fordert von Boeing Erklärung zu belastendem Dokument

Ein Boeing-Pilot hatte sich offenbar bereits lange vor den Abstürzen zweier 737 Max 8 intern über das Flugverhalten der Maschinen beschwert. Nun fordert die FAA von Boeing eine "sofortige Erklärung".

Lindsey Wasson/REUTERS

Unlackierte Boeing 737 MAX auf dem Boeing-Produktionsgelände in Renton im US-Bundesstaat Washington

Freitag, 18.10.2019   21:14 Uhr

Die US-Luftfahrtbehörde FAA hat wegen angeblicher Versäumnisse bei der Zulassung des Flugzeugs 737 Max Vorwürfe gegen Boeing erhoben. Der Flugzeughersteller habe ein Dokument, in dem sich ein technischer Leiter negativ über die Flugeigenschaften der 737 Max geäußert hatte, schon vor Monaten aufgetrieben, dem Verkehrsministerium jedoch erst am späten Donnerstag vorgelegt.

Wie unter anderem die "New York Times"berichtet, soll der technische Chefpilot Mark Forkner sich bereits vor Jahren nach Testflügen in einem Flugsimulator über die schlechten Flugeigenschaften der 737 Max beschwert haben. "Selbst wenn man annimmt, ich sei ein schlechter Pilot, war das ungeheuerlich", zitiert die Zeitung aus einem Transkript von einem Gespräch, das Forkner mit einem Kollegen geführt haben soll.

Über das umstrittene Stabilisierungssystem MCAS soll Forkner gesagt haben: "Es tobt im Simulator." Außerdem soll der Pilot laut " New York Times" angegeben haben, gegenüber der FAA gelogen zu haben. Er soll sich zudem bei der Flugaufsicht erkundigt haben, ob aus Sicht der Behörde etwas gegen eine Streichung des MCAS aus dem Pilotenhandbuch spreche.

FAA-Chef Steve Dickson forderte in einem von der Behörde veröffentlichten Brief an Boeing-Chef Dennis Muilenburg eine "sofortige Erklärung", warum ein "beunruhigendes Dokument" den Aufsehern erst so spät gezeigt wurde. Boeing äußerte sich zunächst nicht.

Die Boeing-Aktie verlor nach Bekanntwerden der Vorwürfe knapp vier Prozent an Wert. Sie fiel damit auf das tiefste Niveau seit Anfang September.

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Einer Mitteilung der FAA zufolge geht es konkret um Nachrichten zweier Boeing-Mitarbeiter, in denen ein bestimmter Informationsaustausch zwischen der Behörde und dem Flugzeugbauer zur ursprünglichen Zulassung der nach zwei Abstürzen mit Startverboten belegten 737 Max im Jahr 2016 beschrieben wurde.

Sowohl Boeing als auch die FAA sind durch die 737-Max-Abstürze, bei denen im Oktober und März insgesamt 346 Menschen starben, schwer in die Kritik geraten. US-Ermittler untersuchen, ob bei der Zulassung der Unglücksflieger alles mit rechten Dingen zuging.

fek/dpa

insgesamt 33 Beiträge
pecreativ 18.10.2019
1. Wer als Prüfer das Ding
wieder in die Luft lässt wird kaum mehr ruhig schlafen. Wer als Passagier in das Ding einsteigt schläft auf keinen Fall. Wer Aktien von Boeing gekauft hat braucht jetzt ne große Packung Hoggar Night.
wieder in die Luft lässt wird kaum mehr ruhig schlafen. Wer als Passagier in das Ding einsteigt schläft auf keinen Fall. Wer Aktien von Boeing gekauft hat braucht jetzt ne große Packung Hoggar Night.
vgruda 18.10.2019
2. Der kleine Junge und das technische Gerät
Der kleine Junge darf mal die Unwahrheit sagen, wenn er älter wird, merkt er, dass die Lüge ihn daran hindert, Charakter zu entwickeln. Wenn in einem technischen Gerät eine technische Unwahrheit = Fehler verbaut ist, so bleibt [...]
Der kleine Junge darf mal die Unwahrheit sagen, wenn er älter wird, merkt er, dass die Lüge ihn daran hindert, Charakter zu entwickeln. Wenn in einem technischen Gerät eine technische Unwahrheit = Fehler verbaut ist, so bleibt dieser Fehler für immer! Da hilft kein gesundbeten oder wünschelruten Fuchteln! Das Ding wird nie mehr fliegen, das ist meine Prognose!
wassolldasdenn52 18.10.2019
3. Mauschelfirma Boeing?
Alles, was bisher an die Öffentlichkeit gelangte, belegt, dass es sich um Fehler handelt, die niemals hätten passieren dürfen. Eine Fehlkonstruktion, die dann mit einer Software, die schliesslich immer Fehler enthalten kann, [...]
Alles, was bisher an die Öffentlichkeit gelangte, belegt, dass es sich um Fehler handelt, die niemals hätten passieren dürfen. Eine Fehlkonstruktion, die dann mit einer Software, die schliesslich immer Fehler enthalten kann, ist ebenfalls so skandalös, weil nur von einem Sensor gespeist, wiederum Fehlinformationen enthalten kann und dann noch ein Handrad, welches in Notsituationen so schwergängig ist, dass 2 Piloten daran drehen müssen, was aber eigentlich blitzschnell gehen muss! Da hat Boeing einen Bock geschossen, der 346 Tote Insassen zur Folge hatte! Ohne konstruktive Änderungen dürfte das Flugzeug nicht mehr fliegen. Dass es sich so lange hinzieht, ist ein Indiz dafür, dass ein Software Update das Problem nicht lösen kann! Und selbst wenn man davon ausginge, dann kann niemand sicher sein, dass das Update nicht auch Fehlerhaft sein kann. Daher, einstampfen und ein neues Flugzeug bringen, das mit ziemlicher Sicherheit bereits in Planung ist! Alles andere bringt nur neue Probleme.
james16 18.10.2019
4. Die Gier
nach Profit treibt immer bizarrere Blüten. Vorzeitig kaputte Geräte, Lebensmittelskandale, prekäre Beschäftigungsverhältnisse, Rückrufe von Millionen Autos u.v.m. sind wir leider schon gewohnt. Aber was Boeing hier [...]
nach Profit treibt immer bizarrere Blüten. Vorzeitig kaputte Geräte, Lebensmittelskandale, prekäre Beschäftigungsverhältnisse, Rückrufe von Millionen Autos u.v.m. sind wir leider schon gewohnt. Aber was Boeing hier geliefert hat, ist schon eine neue Qualität. Wenn der vielbeschworene Markt wenigstens funktionieren und solche Praktiken konsequent bestrafen würde. Aber Boeing ist bestimmt "too big to fail" und wird sicher irgendwie vor dem Schlimmsten bewahrt. Trotz bester Arbeit nach bestem Gewissen können Fehler passieren. Aber was man bisher zu diesem Thema liest, ist dieser Vorgang bei Boeing weit davon entfernt.
dgbmdss 18.10.2019
5. Peter Prinzip bei Flugzeugen?
In den 60ern entwickelt war die 737 ein Meilenstein, über 50 Jahre erfolgreich weiterentwickelt bis zur 737-800. Mit MCAS wurde dann die MAX Variante schliesslch zu einem nicht mehr stabil zu betreibenden Flugzeug.
In den 60ern entwickelt war die 737 ein Meilenstein, über 50 Jahre erfolgreich weiterentwickelt bis zur 737-800. Mit MCAS wurde dann die MAX Variante schliesslch zu einem nicht mehr stabil zu betreibenden Flugzeug.

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