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Wissenschaft

Absturz zweier Boeing 737 Max 8

Boeing hat sich Sicherheitssystem offenbar selbst genehmigt

US-Behörden haben die umstrittene Software, die zu zwei Flugzeugabstürzen geführt haben soll, offenbar nur oberflächlich geprüft. Einem Medienbericht zufolge segneten Boeing-Mitarbeiter das MCAS ab.

The Boeing Company

Boeing 737 Max 8: Sicherheitssystem von den eigenen Leuten genehmigt?

Mittwoch, 15.05.2019   13:17 Uhr

Informationen ehemaliger Boeing-Ingenieure und von Mitarbeitern der Sicherheitsbehörden in den USA hatten bereits darauf hingedeutet, dass es bei der Zulassung der Boeing 737 Max 8 Ungereimtheiten gab. Nun verdichten sich die Hinweise.

Eine vorläufige interne Untersuchung der Federal Aviation Administration (FAA) habe ergeben, dass leitende Beamte bei wichtigen Sicherheitsprüfungen des umstrittenen Flugkontrollsystems MCAS gefehlt oder diese nicht überwacht hätten, schreibt das "Wall Street Journal" unter Berufung auf Industrie- und Behördenkreise.

Die Ergebnisse legten zudem nahe, dass Boeing selbst das System im Zulassungsprozess für die 737 Max 8 nicht für besonders sicherheitsrelevant hielt. Hätte der Flugzeugbauer das System als wichtiger eingestuft, wäre es stärker überprüft worden, hieß es.

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Mögliche Risiken des MCAS seien aufgrund der Klassifizierung von Boeing nur unter geringer Aufsicht untersucht worden, schreibt das "Wall Street Journal". Letztlich hätten Boeing-Mitarbeiter, die die FAA mit der Prüfung beauftragt hatte, das MCAS abgesegnet. Mitarbeiter des Herstellers haben also die behördliche Prüfung der Flugzeugsoftware übernommen.

Fast 350 Tote

Das MCAS soll eigentlich verhindern, dass Piloten die Nase der Boeing 737 Max 8 unabsichtlich so hochziehen, dass es zu einem gefährlichen Strömungsabriss an den Flügeln kommt. Steigt das Flugzeug zu steil, greift die Technik selbstständig in die Höhensteuerung ein und senkt die Nase ab, verlässt sich dabei allerdings nur auf die Daten eines Sensors.

Fehler im MCAS-System werden für die Abstürze von zwei Passagierflugzeugen verantwortlich gemacht:

Wie intensiv FAA und Boeing-Mitarbeiter sich bei der Zulassung der Max 8 ausgetauscht haben, und welche eigenen Bewertungen die Behörde durchgeführt hat, sei noch unklar, heißt es in dem Medienbericht. Die Untersuchung habe aber gezeigt, dass Boeing bei der Zertifizierung der 737 Max 8 keine Vorgaben missachtet oder die FAA absichtlich hinters Licht geführt habe.

Fraglich ist demnach, ob die Regeln der FAA ausreichend sind, um die Sicherheit von Flugzeugen unabhängig zu prüfen.

Piloten forderten MCAS-Überarbeitung

Laut einem Bericht der "New York Times" vom Dienstag wusste Boeing spätestens nach dem ersten Absturz von Problemen mit dem MCAS. Piloten von American Airlines hätten den Flugzeugbauer bereits einige Zeit nach dem Unglück der Lion-Air-Maschine, im November 2018, gedrängt, das MCAS schnellstmöglich zu überarbeiten.

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Bei einem Treffen hätten sie vorgeschlagen, Boeing solle Probleme bei den Behörden melden, was wahrscheinlich dazu geführt hätte, dass die Max-8-Flotte bereits damals hätte am Boden bleiben müssen. Boeing nahm die Aufforderung dem Bericht zufolge jedoch nicht ernst. Das Unternehmen habe nichts überstürzen wollen und erwartet, dass Piloten in der Lage sind, mit möglichen Problemen selbst umzugehen.

Ein hochrangiger Boeing-Mitarbeiter habe bei dem Treffen zwar eingeräumt, dass mögliche Mängel untersucht würden - auch am MCAS. Es sei jedoch noch nicht klar, dass der Lion-Air-Absturz allein auf das MCAS zurückzuführen sei. Weniger als vier Monate später stürzte die Ethiopian-Airlines-Maschine auf ähnliche Weise ab.

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Die Erkenntnisse aus dem FAA-Bericht und die Informationen der "New York Times" könnten am Mittwoch auch Thema bei einer Anhörung im Repräsentantenhaus werden. Der zuständige Ausschuss untersucht derzeit, wie die Boeing 737 Max 8 zugelassen wurde. Noch immer gelten in vielen Regionen Flugverbote für die Flotte - auch in den USA und Europa.

jme

insgesamt 47 Beiträge
matbhmx 15.05.2019
1. Ich bin ja Mal gespannt, ...
... ob die Schadensersatzzahlungen, die von amerikanischen Gerichten auszuurteilen sein werden, genauso astronomisch ausfallen wie die Schadensersatzzahlungen, die Bayer überbürdet werden, oder ob dort der us-amerikanische [...]
... ob die Schadensersatzzahlungen, die von amerikanischen Gerichten auszuurteilen sein werden, genauso astronomisch ausfallen wie die Schadensersatzzahlungen, die Bayer überbürdet werden, oder ob dort der us-amerikanische Chauvinismus greift und man die heimische Wirtschaft schont. Wenn das, was bisher zum 737Max öffentlich bekannt geworden ist, stimmt, das ein riesen Skandal und ist unter dem Begriff der "Korruption" zu verbuchen.
Markgräfler-Bürger 15.05.2019
2. 737 Max 8, Milliardengrab?
Das dürfte für Boeing mehr als teuer werden. Wenn die gleichen Maßstäbe wie bei Bayer-Monsanto angelegt werden, 2 Tote = 2 Milliarden Schadensersatz, dann ist Boeing pleite. Mal schauen wie die Gerichte urteilen, wenn [...]
Das dürfte für Boeing mehr als teuer werden. Wenn die gleichen Maßstäbe wie bei Bayer-Monsanto angelegt werden, 2 Tote = 2 Milliarden Schadensersatz, dann ist Boeing pleite. Mal schauen wie die Gerichte urteilen, wenn amerikanische Firmen fürs den Schaden aufkommen müssen. Dürfte spannend werden.......
at.engel 15.05.2019
3.
Einerseits ist das ja bei uns in der Automobilindustrie oder der Pharmaindustrie auch nicht anders - andererseits fragt man sich immer wieder, wer von den Verantwortlichen eigentlich so dumm sein kann, so etwas durchgehen zu [...]
Einerseits ist das ja bei uns in der Automobilindustrie oder der Pharmaindustrie auch nicht anders - andererseits fragt man sich immer wieder, wer von den Verantwortlichen eigentlich so dumm sein kann, so etwas durchgehen zu lassen. Boeing verliert damit ja nicht nur - mit einem Modell - einen Haufen Geld, sondern ruiniert sich auch noch total den Ruf. Objektiv kann man ja jetzt eigentlich gar keinem Modell vertrauen... Rationell kann ich solche Entscheidungen einfach nicht nachvollziehen. Ich habe aber im Grunde auch den Dieselskandal nicht kapiert: Das ist letztendlich einfach so absurd.
les2005 15.05.2019
4. nicht vergleichbar
Es sollte eigentlich hinreichend bekannt sein, daß die astronomischen Summen, zu denen amerikanische Gerichte in den unteren Instanzen gelangen, regelmäßig in den Folgeinstanzen wieder kassiert werden. So sicherlich auch [...]
Zitat von Markgräfler-BürgerDas dürfte für Boeing mehr als teuer werden. Wenn die gleichen Maßstäbe wie bei Bayer-Monsanto angelegt werden, 2 Tote = 2 Milliarden Schadensersatz, dann ist Boeing pleite. Mal schauen wie die Gerichte urteilen, wenn amerikanische Firmen fürs den Schaden aufkommen müssen. Dürfte spannend werden.......
Es sollte eigentlich hinreichend bekannt sein, daß die astronomischen Summen, zu denen amerikanische Gerichte in den unteren Instanzen gelangen, regelmäßig in den Folgeinstanzen wieder kassiert werden. So sicherlich auch im Falle Monsanto. Insofern sollte man die ersten Gerichtsurteile zu Monsanto nicht zu ernst nehmen. Allerdings ist davon auszugehen, daß im Falle Monsanto über den Zeitraum von 30 Jahren erheblich mehr Opfer als 300 zu beklagen wären, falls man denn zu dem Schluß gelangt, daß das Mittel krebserregend ist/war. Aber im Umkehrschluß gilt auch, daß sich Boeing sicherlich auch auf astronomische Klagen einstellen kann.
biesi61 15.05.2019
5. Das Vertrauen in US-Flugzeuge ist damit dahin!
Schlimmer können die Zustände auch in einer Bananenrepublik nicht sein. Trump hätte mit dem Aufräumen der extrem lebensgefährlichen Missstände in seiner Heimat mehr als genug zu tun. Seine verlogenen Stänkereien gegen Iran [...]
Schlimmer können die Zustände auch in einer Bananenrepublik nicht sein. Trump hätte mit dem Aufräumen der extrem lebensgefährlichen Missstände in seiner Heimat mehr als genug zu tun. Seine verlogenen Stänkereien gegen Iran und China sollen vermutlich nur davon ablenken! Wir sollten ihm den Gefallen nicht länger tun und alle seine Provokationen entschieden zurückweisen.

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