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Wissenschaft

Erhöhte Radioaktivität

Jod 131 stammt wohl von Medizinfirma

Leicht erhöhte Werte von Jod 131 über Teilen Europas hatten die Internationalen Atomenergiebehörde alarmiert. Nun scheint die Quelle gefunden: ein Produzent radioaktiver Medizinprodukte in Ungarn.

AFP

Transport mit radioaktivem Inhalt: Jod-131-Quelle anscheinend entdeckt

Donnerstag, 17.11.2011   15:38 Uhr

Wien - Die Quelle des radioaktiven Jods, das in den vergangenen Wochen in mehreren Gegenden Europas gemessen wurde, ist anscheinend entdeckt: Nach Angaben der Internationalen Atomenergie-Behörde (IAEA) stammt es vermutlich von einem Hersteller radioaktiver Medizinprodukte in Ungarn.

Die aufgetretenen Mengen an Jod 131 seien sehr gering und stellten keine Bedrohung für die Gesundheit dar. Wenn jemand ein Jahr lang Luft einatmen würde, deren Belastung den aktuell gemessenen Werten entspreche, käme insgesamt eine Dosis von 0,1 Mikrosievert zusammen, so die IAEA.

Das Jod-Isotop 131 wird für Krebs-Erkrankungen verantwortlich gemacht und kann Lebensmittel wie Milch und Gemüse kontaminieren. Es hat allerdings eine kurze Halbwertzeit von acht Tagen. Die IAEA hatte das Jod seit Ende Oktober an einer ganzen Reihe von Messstellen in Europa entdeckt.

Es ist nicht der erste Fall dieser Art. So war beispielsweise 2008 radioaktiver Müll aus Italien in Hamburg aufgetaucht. Darin hatten Kontrollbehörden erhöhte Werte von Jod 131 gemessen. Der Abfall stammte aus einer radiologischen Arztpraxis und war offensichtlich unachtsam als Hausmüll entsorgt worden.

wbr/Reuters

insgesamt 2 Beiträge
m a x l i 17.11.2011
1. Csillebérc
"*Hat Csillebérc [Stadtteil von Budapest] mit radioaktiver Strahlung halb Europa verunreinigt?* Durch den Schornstein der in Csillebérc arbeitenden Isotopenfabrik ist über Monate hinweg in höher als üblichem Maß das [...]
"*Hat Csillebérc [Stadtteil von Budapest] mit radioaktiver Strahlung halb Europa verunreinigt?* Durch den Schornstein der in Csillebérc arbeitenden Isotopenfabrik ist über Monate hinweg in höher als üblichem Maß das Isotop Jod-131 entwichen, hat man zugegeben. Es wird jedoch verneint, dass dies die an mehreren Stellen Europas gemessene erhöhte radioaktive Strahlung verursacht hätte..." Hier kann man den Schornstein bewundern: http://nol.hu/belfold/magasabb_ertekben_szokott_a_jod-13_izotop_csillebercen
Tastenhengst 18.11.2011
2. Kein atomausstieg ohne medizinausstieg!
Da hilft nur der sofortige ausstieg aus der medizin. Hätte auch den vorteil, die krankenkassenbeiträge nur noch für verwaltung ausgeben zu können.
Da hilft nur der sofortige ausstieg aus der medizin. Hätte auch den vorteil, die krankenkassenbeiträge nur noch für verwaltung ausgeben zu können.

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Von Sievert bis Becquerel: Kleines Lexikon der Strahlenmessung

Alpha-, Beta- und Gammastrahlen
DPA

Manche Atomkerne von chemischen Elementen sind instabil und zerfallen deshalb. Sie werden als radioaktiv bezeichnet. Die Zerfallsprozesse können unterschiedlicher Natur sein. Die Strahlung, die zerfallende Elemente aussenden, wird in drei Arten unterschieden: Während Alpha- und Betastrahlung aus Partikeln bestehen, handelt es sich bei Gammastrahlung um elektromagnetische Wellen, ähnlich der Röntgenstrahlung. Allerdings ist ihre Wellenlänge viel kleiner und die Strahlen sind somit extrem energiereich. Alphastrahlung besteht aus positiv geladenen Helium-Kernen, die aus zwei Protonen und zwei Neutronen aufgebaut sind. Betastrahlen bestehen aus Elektronen. Sie entstehen, wenn sich ein Neutron in ein Proton und ein Elektron umwandelt, das vom Atomkern abgestrahlt wird.
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