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Wissenschaft

Abrüstungskonferenz in Genf

Schlachtfeld Weltall

Militärische Konflikte im Weltraum? Das war lange nur Stoff für Science-Fiction. Doch mit neuen Technologien wie Laser und Spreng-Satelliten ist Krieg im All eine reale Gefahr. Die Vereinten Nationen wollen das verhindern.

Getty Images/ EyeEm

Satellit im All

Montag, 18.03.2019   15:46 Uhr

Der Kampf um die militärische Dominanz des Weltraums läuft normalerweise im Verborgenen ab. China, Russland und die USA haben ehrgeizige Weltraumprogramme, und US-Präsident Donald Trump hat eine neue Teilstreitkraft "Space Force" angekündigt. Jetzt kommt das Thema auf die internationale Agenda: Experten beraten im Rahmen der Uno-Abrüstungskonferenz in Genf darüber, wie ein Wettrüsten im Weltraum verhindert werden kann. Hier die Antworten auf wichtige Fragen zum Thema:

Was genau sind Weltraumwaffen?

Eine genaue völkerrechtliche Definition ist schwierig. Das hat auch damit zu tun, dass beispielsweise Satelliten sogenannte Dual-Use-Objekte sind - das heißt, sie können sowohl zivil als auch militärisch eingesetzt werden, zum Beispiel als Wetter- oder als Spionagesatellit. Das erschwert eine sichere Klassifizierung. Allgemein gelten als Weltraumwaffen im Weltall stationierte Waffensysteme. Diese können unterschiedlich genutzt werden. Einerseits können sie dazu dienen, Objekte im All anzugreifen - also zum Beispiel das Satellitensystem einer gegnerischen Macht auszuschalten oder zumindest empfindlich zu dezimieren. Es sind aber auch Waffensysteme im Gespräch, die Ziele auf der Erde ins Visier nehmen können, zum Beispiel mit Lasern oder Sprengladungen.

Wer arbeitet an derartigen Systemen?

Die USA seien dominant bei der militärischen Nutzung des Weltraums, aber Russland und China seien ebenfalls aktiv, so Götz Neuneck vom Hamburger Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik (IFSH). Das National Air and Space Intelligence Center, eine Geheimdienstabteilung der U.S. Air Force, entwirft wiederum folgendes Bedrohungsszenario: China und Russland seien dabei, "raffinierte Antisatellitenwaffen zu entwickeln, zu testen und weiterzuverkaufen, die Systeme im von den USA und von Verbündeten kontrollierten Weltraum bedrohen".

Deshalb will US-Präsident Donald Trump eine "Space Force" gründen?

Genau. Die "Space Force" werde "ein wichtiger Bestandteil unserer Defensive, aber auch unserer Offensive", kündigte er im Januar an. Geplant ist eine sechste Teilstreitkraft, neben Armee, Marine, Luftwaffe, Marineinfanterie und Küstenwache. Die fünf vorhandenen Teilstreitkräfte hatten allerdings auch bislang schon Einheiten, die sich mit Aktivitäten im Weltraum beschäftigen.

Wie reagieren Russland und China auf die US-Pläne?

"Die Militarisierung des Weltraums ist der Weg in die Katastrophe", sagt der Verteidigungsexperte im russischen Föderationsrat, Wiktor Bondarew. China reagierte ähnlich - ohne dass beide ihre eigenen Aktivitäten offenlegen. "Die USA forcieren mit Trumps Ankündigung und Milliardeninvestitionen die Ängste Chinas und Russlands", sagt Neuneck. "Trump stößt die Tür zu einem neuen teuren und gefährlichen Offensiv-Defensiv-Wettrüsten mit Russland und China auf."

Sind die Genfer Gespräche eine Reaktion auf die US-Pläne?

Nein. Es gibt schon seit Jahrzehnten Pläne für einen entsprechenden Vertrag. Experten diskutieren ihn unter dem Kürzel "Paros", das steht für "Prevention of an Arms Race in Outer Space", also die Verhinderung eines Rüstungswettlaufs im Weltraum. "Fahrt gewann das Thema, weil China und Russland 2014 bei der Uno-Abrüstungskonferenz einen neuen Entwurf präsentierten", sagt der Leiter der Genfer Gespräche, der brasilianische Botschafter Guilherme de Aguiar Patriota.

Die westlichen Länder haben den gemeinsamen Entwurf der beiden Staaten jedoch abgelehnt. Ein Kritikpunkt der USA ist zum Beispiel, dass es möglich bliebe, Weltraumwaffen zu entwickeln und dann am Boden einzulagern - für einen späteren Einsatz im All. Auch bodengestützte Antisatellitenwaffen blieben erlaubt. Im Sommer 2018 wurde eine Expertengruppe zum Thema eingesetzt.

Wie könnte ein "Paros"-Vertrag aussehen?

Weil die Entwicklung von Waffen so rasant vorangeht, glauben viele, dass das Verbieten bestimmter Waffentypen nicht reicht. Besser sei es, allgemeiner den Einsatz von Objekten im Weltall für kriegerische Zwecke zu verbieten. Denkbar wäre etwa, alle Objekte im Weltraum zu unterbinden, die nicht erlaubten Zwecken dienen: etwa der Forschung, Telekommunikation, der Geo-Ortung oder Ähnlichem.

Gibt es nicht schon einen Weltraumvertrag?

Ja, seit 1967. Er bekräftigt die friedliche Nutzung des Weltraums. Angesichts neuer Technologien und Akteure sehen viele Länder aber den Bedarf, ihn zu ergänzen. Der Weltraum werde für das Militär immer wichtiger, sagt Patriota. Fast kein Militär der Welt komme mehr ohne Satelliten aus.

Und: "Je mehr im Weltraum stationiert wird, desto gefährlicher wird es auch für zivile Objekte", sagt Neuneck. So könnten durch Kollisionen Weltraumtrümmer entstehen. "Die Internationale Raumstation ISS musste schon öfter mal Manöver fliegen, um Weltraumschrott auszuweichen."

Christiane Oelrich, dpa/chs

insgesamt 5 Beiträge
Henry Jones Jr. 18.03.2019
1. Krieg im All darf nicht sein
Eine militärische Auseinandersetzung im Weltall beträfe nicht nur die Konfliktparteien sondern hätte auch weitreichende negative Folgen für jedes andere Land dieser Erde. All die Trümmer würden auch völlig Unbeteiligten die [...]
Eine militärische Auseinandersetzung im Weltall beträfe nicht nur die Konfliktparteien sondern hätte auch weitreichende negative Folgen für jedes andere Land dieser Erde. All die Trümmer würden auch völlig Unbeteiligten die Nutzung des Weltraums verunmöglichen. Ich hoffe, dass man sich darauf einigt, dass wer auch immer da oben den ersten Stein wirft von der gesamten Staatengemeinschaft wirtschaftlich komplett sanktioniert wird. Alle die sich zur Stunde Null daran nicht beteiligen sollen ebenfalls wirtschaftlich sankioniert werden. Die Aufrüstung im Weltall hingegen wird sich nicht verhindern lassen. Sie folgt der gleichen Logik wie die Atomwaffen Proliferation. Es muss aber gewährleistet werden, dass keine Nation jemals diesen Tabubruch tatsächlich wagt.
skeptikerjörg 18.03.2019
2. Sinnvoll
Eigentlich sollte der Weltraumvertrag von 1967 ausreichend sein, alle Vertragsstaaten haben sich zur ausschließlich friedlichen Nutzung des Weltraums verpflichtet. Aber klar, ein Abkommen zur "Prevention of an Arms Race in [...]
Eigentlich sollte der Weltraumvertrag von 1967 ausreichend sein, alle Vertragsstaaten haben sich zur ausschließlich friedlichen Nutzung des Weltraums verpflichtet. Aber klar, ein Abkommen zur "Prevention of an Arms Race in Outer Space" ist allemal besser ... falls es denn verhandelbar ist. Wie der Artikel bereits andeutet, liegen die Tücken im Detail und das beginnt bei der Frage "Im Weltraum", "In den Weltraum (hinein)" und/oder "Aus dem Weltraum heraus". In den Weltraum hinein ist heute schon Realität, USA, Russland und China haben Anti-Satelliten-Waffen entwickelt und im Praxistest bewiesen, dass es möglich ist, Satelliten abzuschießen. Indirekt ist aus dem Weltraum heraus, bzw. präziser "durch den Weltraum hindurch schon Realität, denn jede Interkontinentalrakete verlässt die Atmosphäre, durchquert den Weltraum und kommt aus dem Weltraum zurück zum Ziel auf der Erde. Es geht somit um Waffen und Waffensysteme, die direkt als solche im Weltraum stationiert wären und dort oben andere dort stationierte Systeme oder von dort aus die Erde bekämpfen könnten. Sinnvoll, wenn sich das verhindern ließe. Sinnvoll aber nur dann, wenn alle Staaten, die heute und in absehbarer Zukunft die Fähigkeit zur Raumfahrt - zumindest im erdnahen Weltraum - haben bzw. haben können, Mitglied in dem Vertrag werden. Also neben den drei genannten auch u.a. Indien, Pakistan, Iran, Israel, Brasilien, Japan, beide Korea, Iran, alle europäischen Staaten.
K. Larname 18.03.2019
3.
Was kann eine Aufrüstung im Orbit anderes sein als purer Rüstungsindustrie-Lobbyismus? Spionagesatelliten werden geduldet, aber eine Aufrüstung im Orbit wird mit Sicherheit Abkommen und Verträge nach sich ziehen, die mit [...]
Was kann eine Aufrüstung im Orbit anderes sein als purer Rüstungsindustrie-Lobbyismus? Spionagesatelliten werden geduldet, aber eine Aufrüstung im Orbit wird mit Sicherheit Abkommen und Verträge nach sich ziehen, die mit Luftraum-Vereinbarungen vergleichbar sind: Keine Waffen von Land A über Land B. Was bleibt? Aufträge für die Rüstungsindustrie.
m.klagge 18.03.2019
4. Da dürfte das Imperium aber deutlich anderer Ansicht sein.
Die USA werden seit Herrn Eisenhower vom nilitärisch-industriellen Komplex dominiert und auch regiert. Die jeweiligen Präsidenten Darsteller sind frei austauschbar, auch der jetzige Donald ist nur eine Marionette. Nach der [...]
Die USA werden seit Herrn Eisenhower vom nilitärisch-industriellen Komplex dominiert und auch regiert. Die jeweiligen Präsidenten Darsteller sind frei austauschbar, auch der jetzige Donald ist nur eine Marionette. Nach der perversen Logik der Militärindustrie ist die Schaffung eines neuen Geschäftsfeldes eine sinnvolle, weil den Profit maximierende Handlung. Also wird die Aufrüstung im erdnahen Orbit schon bald auch offiziell beginnen.
rst2010 18.03.2019
5. wie die chinesen
vor ein paar jahren einfach ein paar satelliten im orbit sprengen, und jeglicher krieg im weltall wird unmöglich. leider auch alles andere. dann wären wir für jahrhunderte auf der erde gefangen. mit anderen worten: einen [...]
vor ein paar jahren einfach ein paar satelliten im orbit sprengen, und jeglicher krieg im weltall wird unmöglich. leider auch alles andere. dann wären wir für jahrhunderte auf der erde gefangen. mit anderen worten: einen krieg im weltall oder vom weltall aus kann keiner gewinnen

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