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Wissenschaft

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Ältestes Molekül des Universums nachgewiesen

Im Weltall haben Forscher die erste nach dem Urknall entstandene chemische Verbindung entdeckt. Die Messung gelang von einer zur fliegenden Sternwarte umgebauten Boeing 747.

SIRTF Science Center/ Caltech/ MPIfR/ NASA/ ESA/ Rolf Güsten/ MPIfR/ Nature/ DPA

Nebel NGC 7027 (li.) auf einer Aufnahme des Hubble-Teleskops

Mittwoch, 17.04.2019   21:07 Uhr

Nach gängigen Theorien ist unser Weltall 13,8 Milliarden Jahre alt. Damals, nach dem Urknall, entstanden erst Atome, später auch Verbindungen von ihnen. Und auch das erste Molekül kennen sie schon. Es handelt sich um Heliumhydrid-Ionen, hatten Laborversuche gezeigt.

Doch ein Nachweis in den Tiefen des Kosmos war bisher nicht gelungen - bis jetzt. Nach Jahrzehnten der Suche haben es Forscher um Rolf Güsten vom Bonner Max-Planck-Institut für Radioastronomie geschafft. Über ihre Entdeckung berichten sie im Fachmagazin "Nature".

Carlos Duran/ MPIfR/ DPA

Flugzeugobservatorium Sofia in Boeing 747

Weit mehr als zehn Jahre hätten seine Kollegen und er geforscht, um ein hochauflösendes Spektrometer zu entwickeln, das die individuelle Infrarot-Strahlung des Moleküls im All aufspüren kann. Auch Forscher der Uni Köln waren beteiligt. Von einer zur fliegenden Sternwarte umgebauten Boeing 747, dem Sofia-Observatorium, wurden schließlich aus der Stratosphäre die entscheidenden Messungen gemacht. Das Molekül fand sich in einem planetarischen Nebel namens NGC 7027, etwa 3000 Lichtjahre von der Erde entfernt.

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"Wir hatten die Suche nach den Heliumhydrid-Ionen lange auf der Agenda. So etwas Bedeutendes wie das erste Molekül des Universums weckt natürlich den wissenschaftlichen Ehrgeiz", sagte Güsten. Moleküle sind mehratomige Teilchen, die durch chemische Bindung zusammengehalten werden.

Die Forscher erhoffen sich von der Entdeckung, chemische Reaktionen in der Frühphase des Universums kurz nach dem Urknall künftig besser modellieren zu können. Obwohl die Existenz des Ions - einer Verbindung aus ionisiertem Wasserstoff und Helium - bereits 1925 im Labor gezeigt worden war, blieb es im All lange unauffindbar. "Es gab bislang einfach keine entsprechenden Detektoren", erklärte Güsten.

Im Video: Die Kraft des Trabanten- Brauchen wir den Mond?

Foto: BBC

joe/dpa

insgesamt 50 Beiträge
Haywood Ublomey 17.04.2019
1. Das ist aber sehr missverständlich formuliert.
Ich hätte jetzt erwartet, dass das „Heliumhydrid“ (man sollte es in Anführungszeichen schreiben, da es kein echtes Molekül ist) im Spektrum eines Quasars oder eines ähnlich weit entfernten und folglich uralten Objekts [...]
Ich hätte jetzt erwartet, dass das „Heliumhydrid“ (man sollte es in Anführungszeichen schreiben, da es kein echtes Molekül ist) im Spektrum eines Quasars oder eines ähnlich weit entfernten und folglich uralten Objekts nachgewiesen wurde. Eine Beobachtung innerhalb der Milchstraße ist jedoch nur eine Bestätigung dafür, dass dieses Radikal in der Natur entstehen kann, aber kein Beweis dafür, dass das auch schon kurz nach dem Urknall geschehen ist. Das bleibt so lange eine Vermutung, wie es nicht in „altem“ Licht aus der Frühzeit des Kosmos beobachtet wird.
trompetenmann 17.04.2019
2. Faszinierend!
Was die Menschheit alles zu leisten im Stande ist. Faszinierend.
Was die Menschheit alles zu leisten im Stande ist. Faszinierend.
phboerker 17.04.2019
3. Warum erstes?
Warum ist das das erste Molekül und nicht beispielsweise simples H2?
Warum ist das das erste Molekül und nicht beispielsweise simples H2?
herwescher 17.04.2019
4. Ältestes Molekül: Ziemlich gewagte Behauptung ...
Protonen bildeten sich vor den Heliumkernen und somit auch mit den ubiquitär vorhandenen vorhandenen Elektronen Wasserstoffmoleküle oder bspw H2+. Mag sein, dass die damals keine lange Lebensdauer hatten, aber das Heliumhydrid [...]
Protonen bildeten sich vor den Heliumkernen und somit auch mit den ubiquitär vorhandenen vorhandenen Elektronen Wasserstoffmoleküle oder bspw H2+. Mag sein, dass die damals keine lange Lebensdauer hatten, aber das Heliumhydrid ist auch nicht gerade ein Dauerbrenner ...
turadot 17.04.2019
5. Sie haben recht ...
... es ist zu absolut formuliert. Es ist nichts weiter als reine Spekulation.
Zitat von Haywood UblomeyIch hätte jetzt erwartet, dass das „Heliumhydrid“ (man sollte es in Anführungszeichen schreiben, da es kein echtes Molekül ist) im Spektrum eines Quasars oder eines ähnlich weit entfernten und folglich uralten Objekts nachgewiesen wurde. Eine Beobachtung innerhalb der Milchstraße ist jedoch nur eine Bestätigung dafür, dass dieses Radikal in der Natur entstehen kann, aber kein Beweis dafür, dass das auch schon kurz nach dem Urknall geschehen ist. Das bleibt so lange eine Vermutung, wie es nicht in „altem“ Licht aus der Frühzeit des Kosmos beobachtet wird.
... es ist zu absolut formuliert. Es ist nichts weiter als reine Spekulation.

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