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Wissenschaft

Satellitenbild der Woche

Wo Großbritannien und Europa schon getrennt sind

Nicht nur im Brexit-Chaos liegen Großbritannien und die EU meilenweit auseinander. Im Satellitenbild wird deutlich: Trennendes und Verbindendes ist sogar aus dem Weltall zu sehen.

ESA

Radarbild vom Ärmelkanal: Mysteriöse Spuren im Meer

Montag, 15.04.2019   05:04 Uhr

Wie am seidenen Faden scheint die britische Insel am europäischen Festland zu hängen - als drohe sie jederzeit wegzuschwimmen. Dort, wo sich die Landmassen besonders nah sind, schimmern im Satellitenbild kleine Verbindungslinien zwischen den Küsten hervor. Doch gleichzeitig werden diese Nabelschnuren des Vereinigten Königreichs erbarmungslos durchschnitten: Zwei dicke trennende Linien kreuzen sie und teilen Europa im Bildausschnitt entzwei. Wer mag diese Linien gezeichnet haben? Ist es ein aufwendiges Statement in Zeiten des Brexit-Streits?

Das Radarbild vom Ärmelkanal hat das Satellitenpaar Sentinel-1 der europäischen Raumfahrtorganisation ESA eingefangen. Genau genommen besteht es aus Hunderten Einzelbildern der Jahre 2016 bis 2018, die übereinander gelegt wurden. Das Radar kann auch bei starker Bewölkung, Regen oder im Dunkeln Aufnahmen von der Erdoberfläche machen.

Auf dem Bild erscheint das Meer als große schwarze Fläche, weil die Wasseroberfläche das Signal des Radars nicht zum Satelliten zurücksendet. Genau andersherum verhält es sich mit Objekten aus Metallen. Deshalb sind Schiffe auf dem Bild als helle Flecken zu erkennen. Um Unterschiede zwischen den Aufnahmejahren ausmachen zu können, haben die Forscher den Schiffen Farben gegeben. Jene, die den Ärmelkanal im Jahr 2016 passierten, wurden blau gefärbt. Für 2017 wählten die Wissenschaftler der ESA die Farbe Grün und für 2018 rot.

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Satellitenbild der Woche: Schnappschüsse aus dem All

Die Meerenge zwischen Großbritannien und Frankreich ist einer der am meisten befahrenen Schifffahrtswege der Welt. Das liegt vor allem an ihrer strategisch bedeutenden Lage zwischen dem Atlantik und der Nordsee. Weil so viele Schiffe den Ärmelkanal passieren, wird in zwei gut erkennbaren Fahrrinnen in östliche und westliche Richtung manövriert. Diese klare Aufteilung soll Kollisionen verhindern.

An den besonders schmalen Stellen des Ärmelkanals sind zudem viele Schiffe zu erkennen, die das Festland mit der britischen Küste verbinden. Besonders stark frequentiert ist die Straße von Dover. Zwischen der englischen Hafenstadt und dem nordfranzösischen Calais bewegen sich täglich mehr als 400 Fähren, Tanker und Container-Riesen. Die kürzeste Distanz zwischen Großbritannien und Frankreich beträgt nur 33 Kilometer. Bei klarem Wetter kann man sogar das gegenüberliegende Ufer sehen.

Es sind aber nicht nur Schiffe, die auf den zusammengefügten Radarbildern erkennbar werden. Deutlich zu sehen sind auch Dörfer und Städte - darunter die Millionenmetropolen London und Paris. Außerdem lassen sich vor den Küsten kleine Felder mit regelmäßig angeordneten Punkten ausmachen. Dabei handelt es sich um Windkraftanlagen im Meer. Auch sie reflektieren das Radarsignal besonders stark.

jki

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