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Wissenschaft

Asteroiden-Landung

Japanische Sonde startet zu Souvenirjagd

Eine japanische Sonde ist ins All aufgebrochen, um erstmals Bodenproben eines Asteroiden zur Erde zu bringen. Doch die Landung auf dem fliegenden Felsen ist riskant.

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Freitag, 09.05.2003   13:16 Uhr

Japanische Forscher wollen Gesteinsproben eines Asteroiden einsammeln und zur Untersuchung zur Erde bringen. Das ehrgeizige Vorhaben - es wäre die erste Probenbeschaffung auf einem Himmelskörper des Sonnensystems seit den Mondflügen der USA und der UdSSR - soll eine "Muses-C" genannte Sonde verwirklichen, die am Freitag mit einer japanischen M-5-Rakete ins All geschossen wurde.

Der Souvenirjäger ist mehr als eine reine Forschungssonde: "Muses-C dient auch zur Erprobung neuer Raumfahrttechniken für künftige Missionen", erklärt Akira Fujiwara vom japanischen Institute of Space and Astronautical Science (ISAS). Ein Ionenantrieb, der auf der Beschleunigung elektrisch geladener Xenon-Atome beruht, bringt das 500 Kilogramm schwere Vehikel an Stelle eines klassischen Raketenmotors voran.

Wenn alles nach Plan läuft, erreicht "Muses-C" den unregelmäßig geformten Asteroiden mit dem sperrigen Namen 1998 SF36 im Juni 2005. Drei Monate lang soll die Sonde den fußballfeldgroßen Brocken aus einer Distanz von etwa 20 Kilometern inspizieren. Dabei kommen außer der Bordkamera auch ein Infrarot- und ein Röntgenspektrometer zum Einsatz. Fujiwara: "Auf Basis dieser Beobachtungen werden wir die genauen Stellen der Probenentnahme festlegen."

Dann startet die Sonde ihren Annäherungsversuch, der durch die schwache Anziehung des Kleinplaneten erleichtert werden soll. Am Boden von "Muses-C" befindet sich ein rund ein Meter langer Trichter, der das begehrte Gestein aufnehmen soll. Innovativ ist auch die Sammelmethode: Unmittelbar nach dem Bodenkontakt wird ein mehrere Gramm schweres Metallprojektil in die Oberfläche des Asteroiden geschossen, die Splitter soll der Trichter auffangen.

Die Schätzungen, wie viel Gesteinsmaterial die Sonde auf diese Weise ergattern und in ihrem Probenkanister verstauen kann, schwanken jedoch. Je nach Härte des Bodens rechnen die Forscher mit einer Ausbeute zwischen hundert Milligramm und einigen Gramm. "Auch eine derartig kleine Menge reicht für wissenschaftliche Zwecke aus", sagt Projektleiter Junichiro Kawaguchi.

Nach dem Erstkontakt mit dem Felsbrocken soll sich "Muses-C" mindestens zwei weiteren Landestellen zuwenden. Danach wird sich das Raumfahrzeug mit Hilfe seines Ionenantriebs auf den Rückflug zur Erde machen. Mit dem schubschwachen Triebwerk dürften zwei weitere Jahre vergehen, bis der Kanister mit den wertvollen Proben schließlich im Jahr 2007 am Fallschirm über Australien niedergeht.

Werden in vier Jahren also die ersten Bodenproben eines Kleinplaneten in den Labors der Planetologen eintreffen? In Anbetracht der technischen Herausforderungen dämpft Kawaguchi vorsichtshalber die Erwartungen: "Die Proben sicher zurückzubringen, ist ein extrem schwieriges Unterfangen", erklärt er.

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