Schrift:
Ansicht Home:
Wissenschaft

Bei Landeanflug

Indien verliert Kontakt zu Mondfähre

Rückschlag für die indische Raumfahrt: Kurz vor der Landung riss die Kommunikation zur unbemannten Mondfähre "Vikram" ab. Doch Regierungschef Modi hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben.

AFP

Da war noch alles in Ordnung: Am 6. August schwebte die Mondfähre "Vikram" Richtung Erdtrabant

Freitag, 06.09.2019   23:49 Uhr

Die unbemannte indische Mondmission "Chandrayaan-2" ist offenbar gescheitert. Die indische Raumfahrtbehörde hat nach eigenen Angaben kurz vor ihrer ersten geplanten Mondlandung die Kommunikation zu ihrem Lander "Vikram" verloren. Die Annäherung an den Mond sei bis auf 2,1 Kilometer über der Oberfläche normal gewesen, sagte der Chef der indischen Raumfahrtbehörde Isro, Kailasavadivoo Sivan, in der Nacht auf Samstag (Ortszeit). Die vorliegenden Daten würden ausgewertet.

Indien hatte versucht, das vierte Land zu werden, dem eine kontrollierte Landung auf dem Erdtrabanten gelingt - nach den USA, der Sowjetunion und China. Im Frühjahr stürzte bereits eine israelische Sonde beim Landeversuch auf dem Mond nach einem technischen Fehler ab.

Für Indien ist es die zweite Mission zum Mond. Die erste Mondsonde "Chandrayaan-1" war 2008 gestartet und hatte den Mond umkreist, ohne auf ihm zu landen. Die Mondlandemission gilt als ein Prestigeprojekt. Regierungschef Narendra Modi hat angekündigt, dass seinem Land bis 2022 bemannte Raummissionen gelingen sollen.

"Unser ganzes Land ist stolz auf Sie"

"Wir werden unsere Reise fortsetzen", kündigte Modi, der die Mission im Weltraumzentrum Bangalore verfolgte, nach dem Kontaktverlust an. "Unser ganzes Land ist stolz auf Sie", sagte er an die beteiligten Wissenschaftler gerichtet. Er hoffe, dass sich der Kontakt zu "Vikram" wieder herstellen lasse.

Die Landung am Südpol des Erdtrabanten war der schwierigste Teil der unbemannten Mission "Chandrayaan-2", wie der Chef der indischen Raumfahrtbehörde sagte. "Chandrayaan" bedeutet auf Sanskrit "Mondfahrzeug". Ziel der 142 Millionen Dollar (rund 126 Millionen Euro) teuren Mission war es, die Oberfläche der Südpol-Region zu kartieren, den Boden zu analysieren und Wasser zu suchen. In der Region war Anfang 2019 die chinesische Sonde "Chang'e 4" gelandet.

Anfang Juli musste ein erster Startversuch der "Chandrayaan-2" nur eine Stunde vor dem Start abgebrochen werden. Es hatte ein Leck an der Trägerrakete gegeben. Am 22. Juli hatte der Start dann geklappt.

yer/mel/dpa/AFP

Verwandte Artikel

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP