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Wissenschaft

"Cryosat"-Absturz

Esa will neuen Klimaforschungssatelliten bauen

Nach dem Absturz ihres Klimaforschungssatelliten "Cryosat" will die Esa einen neuen Anlauf unternehmen. "Wir werden alles tun, um einen zweiten Start hinzukriegen", sagte eine Sprecherin.

Montag, 10.10.2005   16:12 Uhr

Eine Wiederholung des 136 Millionen Euro teuren Projektes solle durch finanzielle Umschichtungen möglich gemacht werden, sagte Jocelyne Landau, die Sprecherin der Europäischen Raumfahrtagentur (Esa), am Montag in Darmstadt. Der Bedarf für einen Satelliten wie "Cryosat" sei da. Zusätzliche Mittel könnten aber nicht bereitgestellt werden.

Wann es zu einem neuen Start kommen wird, ließ die Sprecherin offen. Die Untersuchungen zum Grund des Absturzes dauern an. Ein Duplikat des Satelliten gibt es nicht und müsste nach den vorhandenen Plänen gebaut werden.

Die Raumsonde war am Samstag kurz nach dem Start vom russischen Raumfahrtzentrum Plesetsk abgestürzt. Vermutlich hatte sich die zweite Stufe der Trägerrakete vom Typ "Rockot" nicht wie geplant von der dritten Stufe getrennt. Die Rakete mit dem Satelliten stürzte wahrscheinlich in die Lincoln-See nordöstlich Grönlands.

Die Esa will sich nun offiziell bei der russischen Raumfahrtbehörde "Roskosmos" beschweren, dass sie erst Stunden nach dem Absturz informiert worden sei. Für die Fehlfunktion ihrer Rakete hatten sich die russischen Konstrukteure bereits entschuldigt.

"Cryosat" sollte drei Jahre lang die Eisdicke an Nord- und Südpol messen, um Daten zum Verständnis des globalen Klimawandels zu sammeln. Er war Teil des Esa-Programms "Living Planet". Für 2006 und 2007 waren die Starts zweier weiterer Satelliten mit "Rockot"-Trägerraketen geplant, die das Erdmagnetfeld und den globalen Wasserhaushalt untersuchen sollen. Ob es nach dem Fahlschlag vom Wochenende zu Verzögerungen kommt, ist noch unklar.

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