Schrift:
Ansicht Home:
Wissenschaft

Esa-Satellit "Proba"

Dreijährige Foto-Session im All

Er knipst und knipst und knipst: In drei Jahren hat der Billig-Satellit "Proba" über 10.000 Fotos geliefert. Sie zeigen rauchende Vulkane, Schiffe unter der Golden-Gate-Bridge und Rheinwasser im Bodensee. Die autonom arbeitende Sonde gilt als Test für neue Raumfahrttechnik.

Dienstag, 02.11.2004   09:20 Uhr

"Es ist schon erstaunlich, was wir mit 'Proba', unserem ersten Kleinsatelliten, alles erreicht haben", sagt Frederic Teston, der Leiter des "Proba"-Projekts bei der Esa. Der Satellit, kaum größer als ein Fernseher, wurde vor drei Jahren ins All geschossen, um neue Technologien für die zukünftige europäische Raumfahrt zu demonstrieren. Ursprünglich sollte die Mission nach einem Jahr enden - doch "Proba" liefert bis heute beeindruckende Bilder von der Erde.

"Proba ist seinem vollen Namen 'Project for On-Board Autonomy' (Projekt für Bordautonomie) in allen Belangen gerecht geworden", sagt Teston. "Denn der Satellit hat an jedem Tag in den letzten drei Jahren Aufgaben wie Fluglageregelung, Zielerkennung im Vorbeiflug und Bilderfassung selbständig ausgeführt." Derartige Manöver würden bei größeren Raumfahrzeugen vom Boden aus gesteuert.

"Wir geben lediglich den Breitengrad, den Längengrad und die Höhe eines Zielgebiets vor, den Rest erledigt 'Proba' selbständig." Der Bordcomputer bringe den Satelliten in die korrekte Lage, neige ihn entsprechend, mache das Bild und funke es zur Erde.

Um die Konstruktion zu vereinfachen und Kosten zu sparen, setzte die Esa bei "Proba" weitgehend auf vorhandene Komponenten von der Stange. Die Techniker verzichteten etwa auf gehärtete Teile, die üblicherweise bei Satelliten zum Einsatz kommen. Trotz Sparbauweise funktionieren die System tadellos, mittlerweile seit mehr als 1100 Tagen.

Aus 600 Kilometern Höhe nimmt "Proba" jeden Monat etwa 300 Bilder von rund 60 verschiedenen Gebieten auf. Bis heute hat der Satellit mit seinen beiden Kameras CHRIS (Compact High Resolution Imaging Spectrometer) und der Schwarzweiß-HRC (High Resolution Camera) über 10.000 Bilder geliefert.

Die Farbkamera CHRIS besitzt eine räumliche Auflösung von 18 Metern. Sie verwendet eine Kombination aus jeweils 19 von insgesamt 62 Spektralbändern. Ein Bildausschnitt kann aus verschiedenen Winkeln sichtbar gemacht werden, denn "Proba" lässt sich gezielt drehen und neigen.

Die Kompaktkamera HRC erreicht sogar eine Auflösung von nur fünf Metern. Von ihr geschossene Schwarz-Weiß-Bilder zeigen eine Fläche von 25 Quadratkilometern.

Gebaut wurde "Proba" von einem Industriekonsortium unter der Führung des belgischen Unternehmens Verhaert. Der Start war am 22. Oktober 2001 auf dem indischen Weltraumbahnhof Sriharikota. Der Satellit wird vom Esa-Kontrollzentrum im belgischen Redu gesteuert.

Die Esa plant, gegen Ende 2007 ein Nachfolgemodell mit dem Namen "Proba-2" ins All zu schicken. Wie sein Vorgänger soll auch dieser Satellit die Tauglichkeit neuer Technologien im Weltraum beweisen.

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung
TOP