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Wissenschaft

Mars-Fotostrecke

5000 Meter tiefe Schluchten in drei Dimensionen

Neue Fotos der Esa-Sonde "Mars Express" liefern atemberaubende Einblicke in das Grabensystem Valles Marineris. Ablagerungen auf dem Talboden lassen auf frühere Vulkanausbrüche schließen, doch auch Wasser oder Gletscher könnten die Strukturen auf dem Roten Planeten geformt haben.

Dienstag, 28.09.2004   12:00 Uhr

Jüngstes Motiv der hochauflösenden Stereokamera HRSC an Bord von "Mars Express" ist der nördliche Bereich des großen Grabensystems Valles Marineris in der Nähe des Mars-Äquators. Aus Ablagerungen und den Strukturen der Oberfläche konnten Esa-Wissenschaftler auf die noch ungeklärte Entstehungsgeschichte des Talsystems schließen.

Auf dem Boden des Tals Ophir Chasma entdeckten sie Anzeichen von vulkanischer Tätigkeit. Doch auch eine Formung durch Wasser oder Gletscher sei nicht auszuschließen, teilte die Esa mit.

Der nördliche Steilabbruch des Ophir Chasma erreicht eine Höhe von etwa 5000 Metern. Die Bilder belegen, dass nach Süden vordringende Massen Bergrutsche ausgelöst haben. Diese Hangrutschmassen schoben sich im südlichen Talgrund bis zu 70 Kilometer in das Ophir Chasma hinein.

"Mars Express" überflog die schroffe Region von Süden kommend zunächst über den zentralen Teil des Valles Marineris und anschließend über das Ophir Chasma. Dabei nahm die HRSC-Kamera einen etwa 1600 Kilometer langen Streifen in hoher Auflösung auf. Entwickelt wurde die Kamera vom Berliner FU-Professor Gerald Neukum und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt.

Ein überraschend präziser Schnappschuss gelang auch der Nasa-Sonde "Mars Global Surveyor". Das Schwarz-Weiß-Foto zeigt den Bonneville-Krater und an dessen Rand den Rover "Spirit", der als kleiner schwarzer Punkt zu erkennen ist. Selbst die Spur der Räder im Marssand und die zurückgelassene Landeeinheit sind sichtbar. Die erstaunlich genaue Aufnahme gelang, weil Nasa-Ingenieure den Orbiter in Korrelation mit der Überfluggeschwindikeit drehten.

Das Manöver sei "knifflig" gewesen, sagte ein beteiligter Wissenschaftler. Nicht immer visiere die Kamera dabei die gewünschte Region an. Die beiden Marsmobile, "Spirit" und "Opportunity", arbeiten bereits seit einem Dreivierteljahr auf dem Roten Planeten. Die Nasa hat die Robotermission kürzlich um ein halbes Jahr verlängert. Ursprünglich war man davon ausgegangen, dass die Rover bereits nach etwa 90 Tagen mangels Energie oder wegen der extremen Temperaturschwankungen den Dienst versagen würden.

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