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Wissenschaft

Marsmond auf Abwegen

Rast Phobos in sein Verderben?

Beim jüngsten Fototermin sorgte der Marsmond Phobos für eine Überraschung. Fünf Kilometer eilte er seinem berechneten Orbit voraus, stellte die Sonde "Mars-Express" fest. Wissenschaftler spekulieren bereits, dass sich der Mond dem Mars in einer Spirale nähert und in ferner Zukunft auf den Planeten stürzt.

Freitag, 12.11.2004   13:04 Uhr

Schon in zwei oder drei Jahrzehnten will US-Präsident George W. Bush die ersten Menschen auf den Mars schicken. Später, so träumt man bei der Nasa, sollen feste Stationen auf dem Roten Planeten errichtet werden, in denen Menschen dank eines künstlichen Ökosystems ähnlich wie auf der Erde leben können.

Im neuen Lebensraum sind jedoch nur für begrenzte Zeit akzeptable Bedingungen garantiert. Nach Aussagen von Wissenschaftlern des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) könnte es nämlich in 50 Millionen Jahren auf dem Mars sehr ungemütlich werden. Dann, so spekulieren die Forscher, stürzt möglicherweise der Marsmond Phobos auf den Planeten. Oder aber er wird von der Schwerkraft des Planeten vor dem Aufprall zerrissen und endet als Ring von Trümmerteilen, die um Mars kreisen wie die Eisbrocken um den Saturn.

Die fatale Zukunftsprognose für Phobos stellen die DLR-Forscher, weil sich der Mond jüngst bei einem Fototermin nicht dort befand, wo man ihn laut Berechnung erwartete. Etwa fünf Kilometer eilte der unregelmäßig geformte Marsbegleiter seinem Orbit voraus, als er von der Stereokamera HRSC an Bord der Sonde "Mars Express" abgelichtet wurde. Möglicherweise sei dies ein Anzeichen für eine orbitale Beschleunigung, die den winzigen Mond dem Mars auf einer spiralförmigen Bahn immer näher bringe, mutmaßen die Wissenschaftler. Die Frage solle im Laufe der "Mars-Express"-Mission noch genauer untersucht werden.

Das Foto des 27 mal 21,6 mal 18,8 Kilometer großen Brockens zeigt Phobos mit einer Auflösung von sieben Metern pro Bildpunkt. Sie entstand aus weniger als 200 Kilometern Abstand. Auffallend ist das Muster paralleler Furchen auf dem Marsmond. Es scheint die dem Mars zugewandte Seite zwischen Äquator und Nordpol vollständig zu überziehen, wobei die Abstände zwischen den Furchen sehr regelmäßig sind. Sie durchschneiden auch die meisten größeren Krater.

Bislang wissen die Forscher nicht, wie das Muster entstanden sein könnte. Möglicherweise handelt es sich um "Schrammen", die durch Gesteinsbrocken, die den Mond getroffen haben, entstanden sind. Oder aber die Furchen sind das Ergebnis von starken Gezeiten-Wechselwirkungen mit dem Mars. Diese könnten tektonische Kräfte verursacht haben, die zu Spannungen im Inneren des Mondes führten.

In einigen der verschieden großen Krater findet man deutliche Schwankungen in der Helligkeit, bei manchen befindet sich dunkles Material am Kraterboden. Man erkennt auch Krater, bei denen Regolith - durch Meteoriteneinschläge produzierter Gesteinsschutt und Gesteinsmehl - die Kraterwand hinabgerutscht ist. Andere zeigen sehr dunkles Auswurfmaterial. Die Forscher glauben, dass es im Sonnensystem kaum anderes Material gibt, das Licht ähnlich stark absorbiert.

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